Die Bahn und der Datenschutz: Wühlen in den Datenbergen

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Dass nun, nach der Telekom, auch die Deutsche Bahn sich im Mittelpunkt eines „Datenskandals“ sieht, ist bedauerlicherweise keine Überraschung. Zu sehr hat man sich in den vergangenen Monaten daran gewöhnt, dass die ersten Informationen, die an die Presse gelangen, stets nur die Spitze des Eisbergs sind. Die Entschuldigungen und Beteuerungen von Pressestelle und Vorstand bedeuten jedoch nicht, dass man bereits das wahre Ausmaß der Bespitzelungen präsentiert.

Die Deutsche Bahn muss nun - nach dem Eingeständnis, dass 774 Mitarbeiter und 400 Ehepartner überprüft wurden, um „Korruptionsfällen auf den Grund zu kommen“ und sich in 175 Fällen ein „Anfangsverdacht“ ergeben hätte (wobei geschickterweise verschwiegen wird, in wie vielen Fällen sich dieser Verdacht erhärtete) - zugeben, dass in Wirklichkeit 173.000 Personen überprüft wurden. Dies ist ein weiteres Indiz dafür, wie stark sich Konzerne bereits in ihrer eigenen Parallelwelt befinden, in der die vorhandenen Daten als Wühltische dienen, auf denen man nach Belieben herumsuchen darf. Ein Unrechtsbewusstsein sucht man dabei vergeblich. „Entgegen vielfacher Behauptung ist der Abgleich von Mitarbeiter- und Lieferantenadressen, das so genannte Screening, rechtlich nicht zu beanstanden – unabhängig von der Zahl der überprüften Mitarbeiter", erklärt Konzernsprecher Oliver Schumacher.

Damit stellt er klar, wie sich die Deutsche Bahn zum Thema Datenschutz positioniert. Doch in einer Zeit, in der sich Datenschutzbeauftragte zunehmend als zahnlose Tiger erweisen und „nichts zu verbergen“ die Privatsphäre ersetzt hat, ist dies leider nicht wirklich verwunderlich. Willkommen in der Welt der Konzerne – Datenschutz unbekannt.

20:06 03.02.2009
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Geschrieben von

Twister

Twister - Datenschützerin, Bürgerrechtlerin, Journalistin und freiberufliche Kassandra, was die Entwicklung in Bezug auf Datenschutz und Überwachung angeht :)
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