Wo ist eigentlich mein Buch geblieben?

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Bereits 2006 schrieb Bruce Schneier im Wired-Magazine darüber, wie im elektronischen Zeitalter der Nutzer zunehmend die Verfügungsgewalt über seinen Computer verliert - wie Programme, Zertifikate, Texte, Bilder usw. von den Unternehmen weiter in deren Eigentum verbleiben und lediglich Nutzungsrechte eingeräumt werden.

Das Thema wurde aber weitgehend eher wenig ernst genommen und erst jetzt, nach dem Lapsus von Amazon, was das Buch 1984 angeht, gerät die Problematik wieder ins Bewusstsein der PC-Nutzer. Was ist passiert? Nichts weiter als dass ein Text (nämlich Orwells 1984) von Amazon eigenmnächtig auf dem erworbenen Kindle-Lesegerät gelöscht wurde, was natürlich dann sämtliche Notizen usw, die ggf. von Kunden zum Text erstellt wurden, wenig Sinn ergeben. Denn was soll einem schon der Hinweis "wichtigster Absatz des ganzen Textes" sagen, wenn der Text fehlt?

Zwar meutern jetzt einige Kunden, doch der "Witz" an dem Ganzen ist, dass dieser "orwellsche Albtraum" ja keineswegs eine neue Idee ist, im Gegenteil. Seit nur noch Lizenzen, Nutzungsrechte usw. "verkauft" bzw. gewährt werden, nicht jedoch auch Eigentumsrechte übergeben werden, steigt die Abhängigkeit der Nutzer. Ob Texte, Musik, Bilder, Photographien... der Nutzer darf zwar vorübergehend etwas davon haben, aber das heißt nicht, dass er auch damit machen kann, was er will. Das Korsett der Regeln und Verbote wird immer enger geschnürt und die sogenannte "Content-Industrie" bestimmt, wer welche Inhalte noch weitergeben, empfehlen, kritisieren... darf.

Die Kulturflatrate, die von vielen als Alternative zur Gema, zu GEZ und zu den bisherigen Mechanismen angepriesen wird, ist hier nicht wirklich eine Alternative - auch sie wird mit Verteilungsschlüsseln, mit Ausnahmeregelungen und Begrenzungen arbeiten und so wird ein Knebelsystem das andere ersetzen. Freie Inhalte aber bedeuten natürlich einen radikalen Umschwung, denn die Künstler können sich nicht mehr darauf verlassen, automatisch auch durch ihre Kunst Geld zu verdienen bzw. regelmäßige Tantiemen zu bekommen.

Doch wenn die Nutzer noch eine Kontrolle über das, was auf ihrem Rechner, ihren Mobiltelefonen und sonstigen Telekommunikationsgeräten vorgeht, haben wollen, dann wird man an freien Inhalten nicht vorbeikommen. Alles andere ist nur eine Form der Unfreiheit.

11:58 05.08.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Twister

Twister - Datenschützerin, Bürgerrechtlerin, Journalistin und freiberufliche Kassandra, was die Entwicklung in Bezug auf Datenschutz und Überwachung angeht :)
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