Cory McAbbee. Mein erstes Musical.

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Als Ehemaliger der Theaterwissenschaften der Uni Bochum weiss ich, Musicals werden in der Provinz getestet und falls dort finanziell erfolgreich, am Broadway aufgeführt, bevor sie dann dekadenlang in Bochum über das Publikum als erosionsfreie Inszenierung mit Kirmescharakter gepeitscht werden.

Ja, Sie lesen richtig und es tut mir auch nicht leid: Ich hasse Musicals und wünsche jenen Werken fast immer den Tod, also den finanziellen Ruin, was zu meiner Verwunderung nur zu selten eintrifft.

Vielleicht ist es gar kein Musical, also eine vertonte Geschichte, sondern mehr als das. Etwas, was transzendiert, und zwar deutlich über jenes, was am eigentlichen Markt zu sehen ist.

Das von Robert Redford mitbegründete Sundance Institute honorierte jenes Filmereignis, was sich zunächst nur über die Filesharing Portale als Geheimtipp peer2peer fortpflanzte: Der amerikanische Astronaut. Für diesen Streifen gab es nach Anfangserfolgen für den maßgeblichen Mann der Produktion namens Cory McAbbee noch einen Verleiher, doch für seine vorletzte Produktion war dies schon nicht mehr der Fall. Daneben? McAbee produziert nun als Bill Nayer Show Band oder über seinen Namen über das Internet Portal. Try and if tried succesfully, ...own it. Soviel einmal zum Veröffentlichen. Hochgeschätzt wird McAbbee also mehr oder weniger auf privat initiierten Gigs und,...heiß zurück ersehnt, samt Band, weil gold. Aber eben noch nicht Platin.

Zu früh für ein Publikum, oder das breite Publikum noch nicht bereit?

Definetely Underground. Und was für ein Trotoir des Musicals. Ein "amerikanischer Astronaut", der sich in einer Welt jenseits der Erde bewegt, auf denen nur noch die Venus von Frauen besiedelt ist. Dafür aber nahezu ausschliesslich. Der einzige männliche Bewohner wird sich von den dort herrschenden Damen als König gehalten und zwar aus der Einsicht heraus, dass frau unter sich allein - zwar der Reproduktion befähigt - gar zu schnippisch zu werden droht. Im Gegensatz ist der gesamte Jupiter von männlichen Arbeitern unter der Oberaufsicht eines einzelnen Mannes gestellt, der die Bereitschaft seines Personals mit Interpreten sichert, die in Ihren Aufführungen das einmalige Erlebnis eines weiblichen Busens in realer Schilderung versichern. Das Musical "Der amerikanische Astronaut" erzählt also die Geschichte, einen Nachfolger für den König der Venus zu finden.

Wenn Sie mich fragen, transzendiert dies den Gender Konflikt und zentrale Themen der Emanzipation, und erhebt unter wenigen anderen an das Science Fiction Genre nicht den Anspruch, die Technik oder Wissenschaften explizit in den Fokus zu rücken.

Begleitet wird dies durch eine handgemachte Musik, die ihresgleichen zu suchen scheitern muss.

Dies wird auch in seinem vorletzten Werk augenscheinlich. Stingray Sam schliesst sich bündig an die Ästhetik des Vorgängers an. Die Lyrik und Musik steigert sich gar ein unwesentliches Stückchen und zeugt von Spuren der Antagonismen der Selbstbehauptung auf dem Markt.

McAbbee spielt die Electro Harfe in der Bill Nyer Show Band und zeigt avantgardistisches Talent, welches an Matt Johnson, Johnny Cash und den frühen The Police und andere bislang erfolgreiche Ikonen erinnern mag ohne zu langweilen, dabei aber eben völlig neu, frisch, frech und frei IST. Es zeigt sich ohne Zweifel jetzt schon ein Opus an, dass in vielerlei Hinsicht grundlegend einen neuen Wasserstand zeitigt.

Now, that's a musical, darn~ n' i luv it.

mit vielen lieben Grüßen an alle Freitag Menschen,

euer Alexander.

links.

www.corymcabee.com/

www.sundance.org

12:32 08.11.2010
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Geschrieben von

Tycho

It's all now.
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