The big drum and a city cruising.

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Es ist noch ein wenig kalt, aber die ersten Fürhlingstage bringen mir das Licht und den Schatten zurück. Am schönsten ist es in den Abendstunden. CD Tracklist am Abend zuvor fertigen und nun einlegen: Starten, Check Rückspiegel, Lichter an und los rollt's.

Die Schlaglöcher haben meine Servolenkung ruiniert. Auf dem Wall zittert mir das Lenkrad. Ich senke das Seitenfenster dreiviertel, stelle die Musik auf moderate Lautstärke und rolle. Neben mir viele in Hektik, manche frühlings-aggressiv und einige, wenige entspannt.





Auch diese Stadt hat eine Bronx, eine South Central. Besetzte Häuser, heruntergekommene Straßenzüge, dunkle Gestalten vor 24/7 Kiosk Läden und viel bunte Ballonseide vor den Discountern. Dicke Schlitten im Kontrast zu den Fassaden.

Es dämmert kräftig. Die Bremsleuchten schimmern auf dem Asphalt. In der Bronx rollt man gemählich. Es gibt viel zu sehen, wenn man woanders hin heimfahren kann, wenn man dies hier nicht sein zuhause nennen muss. Und einige von jenen, die zumeist in schwarz-matten, etwas zu langen Lederjacken an den Hauseingängen oder Call Shops stehen sind bestimmt recht glücklich mit den Zuständen hier, denn sie mögen gewiss andere kennen.

Noch ein zwei Rotlichter und ich biege rechts ab und fahre weiter in die Innenstadt. Aus meinem Kinderzimmer mitten im Zentrum konnte ich damals das Ruhrkohle AG Haus im Bau verfolgen. Dafür hatten sie eine alte Häuserzeile aus der Gründerzeit abgerissen. Ein Vierteljahr hing dort eine Toilettenschüssel am Rohr in der Schwebe im vierten Stock, bis auch sie endlich verschwand. Ich rolle langsam vorbei und es ist immer noch moderat warm, selbst das einsetzende Dunkelblau am Himmel. Das RAG Gebäude steht fast leer. Jalousien hängen schief vor den Fenstern, als hätte man es mit Eile verlassen.

Die ganze Strasse scheint tot. Früher gab es hier eine Strassenbahn. Heute rauscht alles nur durch und die Bahn fährt unterirdisch.

Ich fahre weiter zur B1, der alte Ruhrschnellweg. Ich bin auch schnell weg. Heim.

Entspannt fletze ich mich auf ein dunkles, nussbraunes, glattes Leder. Jemand gesellt sich zu mir und ich bin froh.

11:10 16.02.2011
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Geschrieben von

Tycho

It's all now.
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