Udo Köpke

Buchpublikation: Die Vergötterung der Märkte
Udo Köpke
RE: Erhöht die Einkommensteuer für Großverdiener! | 03.12.2018 | 19:26

<< Je höher der Steuersatz ist, desto mehr lohnt es sich, das hohe Einkommen am Fiskus vorbei zu lotsen.>>

Ob Ihre Aussage richtig ist, kann ich nicht beurteilen. Falls Sie einen Beleg dafür haben, lassen Sie es mich wissen.

Ihre Aussage passt aber gut in das Bild des amerikanischen Ökonomen Arthur Laffer. Dieser neoliberale Wirtschaftswissenschaftler vertritt die Auffassung, dass es eine Abhängigkeit zwischen dem Steueraufkommen und der Höhe des Steuersatzes gibt. Seine These: Ein niedriger Steuersatz, der auf hohe Unternehmensgewinne angewandt wird, beschert dem Staat dasselbe Steueraufkommen wie ein hoher Steuersatz, der zu geringen Unternehmensgewinnen und negativen Leistungsanreizen führt. Deshalb fordern neoliberale Ökonomen grundsätzlich niedrige Steuersätze und eine Reduzierung der Sozialabgaben. Diese wissenschaftlich umstrittene These führte dazu, dass sie in den 1980er Jahren durch Ronald Reagan wirtschaftspolitisch umgesetzt wurde. Die Steuern wurden in Amerika massiv gesenkt. Am Ende der Reagan-Ära stand die US-Administration vor einem enormen Berg von Schulden. Laffer bleibt uns bis heute den Beweis schuldig, dass sich hohe Steuersätze negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirken. Ob niedrige Steuersätze ein probates Mittel sind, die Steuerhinterziehung zu bekämpfen, kann also ebenfalls bezweifelt werden.

Falsch hingegen liegen Sie mit der Aussage, dass der Solidaritätszuschlag zweckgebunden ist. Seit den 1950 er Jahren sind zweckgebundene Steuern in Deutschland höchstrichterlich verboten worden. Sämtliche Steuerarten müssen als Gesamtmasse in den Haushalt eingestellt werden. Es gibt weder einen separaten Straßenbauhaushalt, der sich aus dem Aufkommen der Kfz-Steuer speist, noch gibt es einen Haushalt Ost, der mit dem Solidaritätszuschlag finanziert wird. Das bedeutet, dass auch westdeutsche Schulen und Krankenhäuser mit dem Soli finanziert werden. Da die Begründung der Zweckgebundenheit einer Steuer keine Rolle spielt, kann auch die Abschaffung damit nicht legitimiert werden. Daraus folgt, dass Steuern nicht zweckgebunden sein dürfen.

Dies wird besonders deutlich, wenn man als Begründungszusammenhang den Golfkrieg anführt. Die hohen Kosten des zweiten Golfkrieges im Jahre 1991 wurden ebenfalls als Begründung für den Solidaritätszuschlag genannt. In der unten genannten Drucksache heißt es: „Mehrbelastungen ergeben sich nicht nur aus dem Konflikt am Golf…..sondern auch für die Unterstützung der Länder in Mittel-,Ost- und Südeuropa …..Hinzu kommen zusätzliche Aufgaben in den neuen Bundesländern.[1]

Auch wenn uns die Politikerinnen und Politiker über die Zweckgebundenheit von Steuern falsch informieren, sollten wir uns besser mit den Urteilen des Bundesverfassungsgerichtes und des Bundesfinanzhofes zu dieser Thematik beschäftigen. Natürlich könnte man den Soli abschaffen und den Einkommensteuertarif von 42 Prozent auf mindestens 47,5 Prozent erhöhen. Ich bleibe aber dabei: Steuern müssen nicht verteufelt werden, sondern sie dienen dazu, den gesellschaftlichen Wohlstand zu sichern und den individuellen Reichtum einzugrenzen.

[1] In: Bundestag Drucksache 12/220. CDU/CSU und FDP, 11. März 1991 und im Bundesgesetzblatt vom 24.06.1991

RE: Die empfindliche Atmosphäre | 21.08.2018 | 15:10

Ich teile weitestgehend Ihre Meinung. Unsere Kenntnisse über Naturgesetze sind unvollständig und ich kann als Ökonom keinen komplexen Naturbegriff anbieten. Natürlich ist die Ökonomie Teil der Natur. In sämtlichen (mir bekannten) Schul- und Studienbüchern zur Ökonomie wird dies aber anders dargestellt und die Biophysikalische Ökonomie sucht man vergebens. Da Sie die Thermodynamik angesprochen haben, möchte ich diesen Sachverhalt zum Anlass nehmen, um die Probleme der ökonomischen Lehre zu verdeutlichen. Wirtschaften ist grundsätzlich ein Prozess und kein Kreislauf (Diese Aussage wird schon von vielen Wirtschaftswissenschaftlern bezweifelt). Dieser Prozess basiert auf einem Stoffwechsel mit der Natur. Im Wirtschaftsprozess werden geordnete Materie und Energie unwiderruflich verbraucht und in ungeordnete Materie und Energie umgewandelt. Dieser Sachverhalt wird in der traditionellen Wirtschaftsliteratur nicht abgebildet. Stattdessen wird unterstellt, dass die Unternehmen grenzenlos Güter produzieren können. Naturwissenschaftlich ist das natürlich nicht möglich, da sämtliche materiellen Wirtschaftsgüter von oder aus der (begrenzten) Erde kommen. Der Energieerhaltungssatz, das erste thermodynamische Gesetz, besagt, dass Energie nur umgewandelt werden kann. Insofern kann Energie weder geschaffen noch vernichtet werden. Jeder Produktionsprozess wandelt Energie um. Die Energie bleibt weltweit konstant. Ein Großteil der Energie dissipiert, sie wird in Wärme umgewandelt (zweiter Hauptsatz der Thermodynamik). Die Entropie strebt einem Maximum zu.

Diese Sachverhalte werden in der Ökonomie komplett unterschlagen. Neoliberale Ökonomen interessieren sich überhaupt nicht dafür und sie werden meines Wissens auch nicht gelehrt. Deshalb bin ich der Meinung, dass die Natur stärker in den Schul- und Studienbüchern verankert werden muss und biophysikalische Ökonomie gelehrt und gelernt wird. Bis hierhin herrscht Konsens.

Im traditionellen Wirtschaftskreislauf werden die Güter auf magische Art und Weise aus dem Nichts von den Unternehmen erschaffen. Der verschwenderische Umgang mit den Ressourcen wird komplett ausgeblendet. Daraus folgt, dass durch eine entfesselte, ständig wachsende Wirtschaft immer mehr Energie und Materie umgewandelt wird, das führt zu einer zunehmenden Erwärmung. Ob eine „erhebliche Ausweitung von Güterproduktion, Dienstleistungen und … Energieverbrauch“ die Lösung sein wird, wage ich zu bezweifeln, da der kapitalistische Verwertungsimperativ zwangsläufig an seine Grenzen stoßen wird. Nach Marx dreht sich die Ökonomie nur um einen Punkt: um die effizienteste Verwertung des Kapitals. Und dies ist nur möglich, wenn es den technischen Fortschritt gibt, der eine immer mächtigere und komplexere Technik hervorbringt. Auch wenn es Modellrechnungen gibt, trotzdem sind erhebliche Zweifel angebracht, ob die Technik („dass wir ab ca. 2050 „Negativemissionen“ erreichen können“) die Rettung bringen wird. Der Zusammenhang zwischen Bevölkerungswachstum („bald 10 Milliarden Menschen“) und Wirtschaftswachstum darf ebenfalls nicht unterschlagen werden.

Ich wäre sehr dankbar, wenn mir jemand Hochschulen nennen kann, an denen beispielsweise Biophysikalische Ökonomie gelehrt wird.

RE: Die empfindliche Atmosphäre | 20.08.2018 | 20:23

Da ist mir wohl ein Fehler passiert. Nicht das Klima, sondern die CO2 – Konzentration ist über einen unvorstellbar langen Zeitraum stabil geblieben.

Klimaforscher behaupten, dass die CO2-Konzentration in der Atmosphäre momentan wesentlich höher ist als jemals in den letzten 650.000 Jahren. Dies lässt sich mit Hilfe von Eisbohrkernen beweisen. Eisbohrkerne sind das einzige Klimaarchiv, da sie Einschlüsse von Luft enthalten. Es lassen sich verschiedene Wasser- Isotope und Meersalzkomponenten, Mineral- und Blütenstaub, Schwefel von Vulkanausbrüchen, aber auch die Stoffe, die der Mensch der Natur zugefügt hat (C02), erkennen. Wissenschaftler haben am Dome C in der Ostantarktis einen Eiskern erbohrt, der drei Kilometer lang ist. Es wurden hier stückweise 3 Meter lange Bohrkerne eingesetzt. Damit konnte man in Laboranalysen herausfinden, wie sich das Erdklima und die Zusammensetzung der Atmosphäre verändert haben. Die Analyse des Bohrkerns aus gepresstem Schnee brachte folgendes Ergebnis: Die Erde hat während der letzten 740.000 Jahre acht Eiszeiten und acht wärmere Perioden erlebt. Die nächste Eiszeit ist frühestens in 15.000 Jahren zu erwarten, wenn sich der Mensch wie in der vorindustriellen Zeit verhalten und auf den CO2-Ausstoß weitgehend verzichten würde. Die Erde bzw. die Natur gibt es schon viele Millionen Jahre. Die mickrigen 12.000 Jahre Menschenzeit werden als Anthropozän bezeichnet. 11.800 Jahre konnte sich der Mensch mehr oder weniger der Natur anpassen. Seit der Entdeckung des Öls und des Kapitalismus vor über 200 Jahren finden diese Anpassungen nicht mehr statt, im Gegenteil, die Menschheit des Nordens beutet die Natur in einem unvorstellbaren Ausmaß aus.

Im Übrigen bestätigten Dennis Meadows, Donella Meadows, Erich Zahn, Peter Milling und die anderen Mitglieder des Club of Rome die akribischen Messungen des Charles David Keeling. Der industriell bedingte Anstieg der CO2-Emission konnte schon im Jahre 1958 durch den amerikanischen Klimaforscher Keeling nachgewiesen werden. Der Forscher führte präzise Messungen durch und konnte beweisen, dass die CO2-Konzentration um 1,5 parts per million (ppm) pro Jahr kontinuierlich zunimmt. Unstrittig ist, dass die CO2-Konzentration in einem sehr langen Zeitraum stabil war und dass sie mit der Industrialisierung im Jahre 1860 circa 293 ppm (parts per million; in einer Million Liter Luftgemisch befinden sich 293 Liter CO2) betrug.

RE: Die empfindliche Atmosphäre | 20.08.2018 | 20:21

Da ist mir wohl ein Fehler passiert. Nicht das Klima, sondern die CO2 – Konzentration ist über einen unvorstellbar langen Zeitraum stabil geblieben.

Klimaforscher behaupten, dass die CO2-Konzentration in der Atmosphäre momentan wesentlich höher ist als jemals in den letzten 650.000 Jahren. Dies lässt sich mit Hilfe von Eisbohrkernen beweisen. Eisbohrkerne sind das einzige Klimaarchiv, da sie Einschlüsse von Luft enthalten. Es lassen sich verschiedene Wasser- Isotope und Meersalzkomponenten, Mineral- und Blütenstaub, Schwefel von Vulkanausbrüchen, aber auch die Stoffe, die der Mensch der Natur zugefügt hat (C02), erkennen. Wissenschaftler haben am Dome C in der Ostantarktis einen Eiskern erbohrt, der drei Kilometer lang ist. Es wurden hier stückweise 3 Meter lange Bohrkerne eingesetzt. Damit konnte man in Laboranalysen herausfinden, wie sich das Erdklima und die Zusammensetzung der Atmosphäre verändert haben. Die Analyse des Bohrkerns aus gepresstem Schnee brachte folgendes Ergebnis: Die Erde hat während der letzten 740.000 Jahre acht Eiszeiten und acht wärmere Perioden erlebt. Die nächste Eiszeit ist frühestens in 15.000 Jahren zu erwarten, wenn sich der Mensch wie in der vorindustriellen Zeit verhalten und auf den CO2-Ausstoß weitgehend verzichten würde. Die Erde bzw. die Natur gibt es schon viele Millionen Jahre. Die mickrigen 12.000 Jahre Menschenzeit werden als Anthropozän bezeichnet. 11.800 Jahre konnte sich der Mensch mehr oder weniger der Natur anpassen. Seit der Entdeckung des Öls und des Kapitalismus vor über 200 Jahren finden diese Anpassungen nicht mehr statt, im Gegenteil, die Menschheit des Nordens beutet die Natur in einem unvorstellbaren Ausmaß aus.

Im Übrigen bestätigten Dennis Meadows, Donella Meadows, Erich Zahn, Peter Milling und die anderen Mitglieder des Club of Rome die akribischen Messungen des Charles David Keeling. Der industriell bedingte Anstieg der CO2-Emission konnte schon im Jahre 1958 durch den amerikanischen Klimaforscher Keeling nachgewiesen werden. Der Forscher führte präzise Messungen durch und konnte beweisen, dass die CO2-Konzentration um 1,5 parts per million (ppm) pro Jahr kontinuierlich zunimmt. Unstrittig ist, dass die CO2-Konzentration in einem sehr langen Zeitraum stabil war und dass sie mit der Industrialisierung im Jahre 1860 circa 293 ppm (parts per million; in einer Million Liter Luftgemisch befinden sich 293 Liter CO2) betrug.