Udo Köpke

Buchpublikation: Die Vergötterung der Märkte
Udo Köpke
RE: Die empfindliche Atmosphäre | 21.08.2018 | 15:10

Ich teile weitestgehend Ihre Meinung. Unsere Kenntnisse über Naturgesetze sind unvollständig und ich kann als Ökonom keinen komplexen Naturbegriff anbieten. Natürlich ist die Ökonomie Teil der Natur. In sämtlichen (mir bekannten) Schul- und Studienbüchern zur Ökonomie wird dies aber anders dargestellt und die Biophysikalische Ökonomie sucht man vergebens. Da Sie die Thermodynamik angesprochen haben, möchte ich diesen Sachverhalt zum Anlass nehmen, um die Probleme der ökonomischen Lehre zu verdeutlichen. Wirtschaften ist grundsätzlich ein Prozess und kein Kreislauf (Diese Aussage wird schon von vielen Wirtschaftswissenschaftlern bezweifelt). Dieser Prozess basiert auf einem Stoffwechsel mit der Natur. Im Wirtschaftsprozess werden geordnete Materie und Energie unwiderruflich verbraucht und in ungeordnete Materie und Energie umgewandelt. Dieser Sachverhalt wird in der traditionellen Wirtschaftsliteratur nicht abgebildet. Stattdessen wird unterstellt, dass die Unternehmen grenzenlos Güter produzieren können. Naturwissenschaftlich ist das natürlich nicht möglich, da sämtliche materiellen Wirtschaftsgüter von oder aus der (begrenzten) Erde kommen. Der Energieerhaltungssatz, das erste thermodynamische Gesetz, besagt, dass Energie nur umgewandelt werden kann. Insofern kann Energie weder geschaffen noch vernichtet werden. Jeder Produktionsprozess wandelt Energie um. Die Energie bleibt weltweit konstant. Ein Großteil der Energie dissipiert, sie wird in Wärme umgewandelt (zweiter Hauptsatz der Thermodynamik). Die Entropie strebt einem Maximum zu.

Diese Sachverhalte werden in der Ökonomie komplett unterschlagen. Neoliberale Ökonomen interessieren sich überhaupt nicht dafür und sie werden meines Wissens auch nicht gelehrt. Deshalb bin ich der Meinung, dass die Natur stärker in den Schul- und Studienbüchern verankert werden muss und biophysikalische Ökonomie gelehrt und gelernt wird. Bis hierhin herrscht Konsens.

Im traditionellen Wirtschaftskreislauf werden die Güter auf magische Art und Weise aus dem Nichts von den Unternehmen erschaffen. Der verschwenderische Umgang mit den Ressourcen wird komplett ausgeblendet. Daraus folgt, dass durch eine entfesselte, ständig wachsende Wirtschaft immer mehr Energie und Materie umgewandelt wird, das führt zu einer zunehmenden Erwärmung. Ob eine „erhebliche Ausweitung von Güterproduktion, Dienstleistungen und … Energieverbrauch“ die Lösung sein wird, wage ich zu bezweifeln, da der kapitalistische Verwertungsimperativ zwangsläufig an seine Grenzen stoßen wird. Nach Marx dreht sich die Ökonomie nur um einen Punkt: um die effizienteste Verwertung des Kapitals. Und dies ist nur möglich, wenn es den technischen Fortschritt gibt, der eine immer mächtigere und komplexere Technik hervorbringt. Auch wenn es Modellrechnungen gibt, trotzdem sind erhebliche Zweifel angebracht, ob die Technik („dass wir ab ca. 2050 „Negativemissionen“ erreichen können“) die Rettung bringen wird. Der Zusammenhang zwischen Bevölkerungswachstum („bald 10 Milliarden Menschen“) und Wirtschaftswachstum darf ebenfalls nicht unterschlagen werden.

Ich wäre sehr dankbar, wenn mir jemand Hochschulen nennen kann, an denen beispielsweise Biophysikalische Ökonomie gelehrt wird.

RE: Die empfindliche Atmosphäre | 20.08.2018 | 20:23

Da ist mir wohl ein Fehler passiert. Nicht das Klima, sondern die CO2 – Konzentration ist über einen unvorstellbar langen Zeitraum stabil geblieben.

Klimaforscher behaupten, dass die CO2-Konzentration in der Atmosphäre momentan wesentlich höher ist als jemals in den letzten 650.000 Jahren. Dies lässt sich mit Hilfe von Eisbohrkernen beweisen. Eisbohrkerne sind das einzige Klimaarchiv, da sie Einschlüsse von Luft enthalten. Es lassen sich verschiedene Wasser- Isotope und Meersalzkomponenten, Mineral- und Blütenstaub, Schwefel von Vulkanausbrüchen, aber auch die Stoffe, die der Mensch der Natur zugefügt hat (C02), erkennen. Wissenschaftler haben am Dome C in der Ostantarktis einen Eiskern erbohrt, der drei Kilometer lang ist. Es wurden hier stückweise 3 Meter lange Bohrkerne eingesetzt. Damit konnte man in Laboranalysen herausfinden, wie sich das Erdklima und die Zusammensetzung der Atmosphäre verändert haben. Die Analyse des Bohrkerns aus gepresstem Schnee brachte folgendes Ergebnis: Die Erde hat während der letzten 740.000 Jahre acht Eiszeiten und acht wärmere Perioden erlebt. Die nächste Eiszeit ist frühestens in 15.000 Jahren zu erwarten, wenn sich der Mensch wie in der vorindustriellen Zeit verhalten und auf den CO2-Ausstoß weitgehend verzichten würde. Die Erde bzw. die Natur gibt es schon viele Millionen Jahre. Die mickrigen 12.000 Jahre Menschenzeit werden als Anthropozän bezeichnet. 11.800 Jahre konnte sich der Mensch mehr oder weniger der Natur anpassen. Seit der Entdeckung des Öls und des Kapitalismus vor über 200 Jahren finden diese Anpassungen nicht mehr statt, im Gegenteil, die Menschheit des Nordens beutet die Natur in einem unvorstellbaren Ausmaß aus.

Im Übrigen bestätigten Dennis Meadows, Donella Meadows, Erich Zahn, Peter Milling und die anderen Mitglieder des Club of Rome die akribischen Messungen des Charles David Keeling. Der industriell bedingte Anstieg der CO2-Emission konnte schon im Jahre 1958 durch den amerikanischen Klimaforscher Keeling nachgewiesen werden. Der Forscher führte präzise Messungen durch und konnte beweisen, dass die CO2-Konzentration um 1,5 parts per million (ppm) pro Jahr kontinuierlich zunimmt. Unstrittig ist, dass die CO2-Konzentration in einem sehr langen Zeitraum stabil war und dass sie mit der Industrialisierung im Jahre 1860 circa 293 ppm (parts per million; in einer Million Liter Luftgemisch befinden sich 293 Liter CO2) betrug.

RE: Die empfindliche Atmosphäre | 20.08.2018 | 20:21

Da ist mir wohl ein Fehler passiert. Nicht das Klima, sondern die CO2 – Konzentration ist über einen unvorstellbar langen Zeitraum stabil geblieben.

Klimaforscher behaupten, dass die CO2-Konzentration in der Atmosphäre momentan wesentlich höher ist als jemals in den letzten 650.000 Jahren. Dies lässt sich mit Hilfe von Eisbohrkernen beweisen. Eisbohrkerne sind das einzige Klimaarchiv, da sie Einschlüsse von Luft enthalten. Es lassen sich verschiedene Wasser- Isotope und Meersalzkomponenten, Mineral- und Blütenstaub, Schwefel von Vulkanausbrüchen, aber auch die Stoffe, die der Mensch der Natur zugefügt hat (C02), erkennen. Wissenschaftler haben am Dome C in der Ostantarktis einen Eiskern erbohrt, der drei Kilometer lang ist. Es wurden hier stückweise 3 Meter lange Bohrkerne eingesetzt. Damit konnte man in Laboranalysen herausfinden, wie sich das Erdklima und die Zusammensetzung der Atmosphäre verändert haben. Die Analyse des Bohrkerns aus gepresstem Schnee brachte folgendes Ergebnis: Die Erde hat während der letzten 740.000 Jahre acht Eiszeiten und acht wärmere Perioden erlebt. Die nächste Eiszeit ist frühestens in 15.000 Jahren zu erwarten, wenn sich der Mensch wie in der vorindustriellen Zeit verhalten und auf den CO2-Ausstoß weitgehend verzichten würde. Die Erde bzw. die Natur gibt es schon viele Millionen Jahre. Die mickrigen 12.000 Jahre Menschenzeit werden als Anthropozän bezeichnet. 11.800 Jahre konnte sich der Mensch mehr oder weniger der Natur anpassen. Seit der Entdeckung des Öls und des Kapitalismus vor über 200 Jahren finden diese Anpassungen nicht mehr statt, im Gegenteil, die Menschheit des Nordens beutet die Natur in einem unvorstellbaren Ausmaß aus.

Im Übrigen bestätigten Dennis Meadows, Donella Meadows, Erich Zahn, Peter Milling und die anderen Mitglieder des Club of Rome die akribischen Messungen des Charles David Keeling. Der industriell bedingte Anstieg der CO2-Emission konnte schon im Jahre 1958 durch den amerikanischen Klimaforscher Keeling nachgewiesen werden. Der Forscher führte präzise Messungen durch und konnte beweisen, dass die CO2-Konzentration um 1,5 parts per million (ppm) pro Jahr kontinuierlich zunimmt. Unstrittig ist, dass die CO2-Konzentration in einem sehr langen Zeitraum stabil war und dass sie mit der Industrialisierung im Jahre 1860 circa 293 ppm (parts per million; in einer Million Liter Luftgemisch befinden sich 293 Liter CO2) betrug.