Corona: Vorbote des Klimawandels

Corona-Virus Die Wahrheit ist immer noch unbequem
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Bald ist ein Jubiläum fällig – vor fast 30 Jahren hat die UN die Klimarahmenkonvention beschlossen. Also ein Grund zum Feiern, wohl eher nicht, denn die CO2-Konzentrationen nehmen weltweit zu.

Die globale Erwärmung

Ich integriere seit den 1990 er-Jahren den Klimawandel, den man zur damaligen Zeit noch globale Erwärmung nannte, in meinen volkswirtschaftlichen Unterricht. Anfang der 1990 er-Jahren formulierte eine Schülerin sinngemäß folgende Frage: Stimmt es, dass es in Deutschland bald so warm sein wird wie auf Mallorca? An meine Antwort kann ich mich nicht mehr erinnern; sie war aber sicherlich genauso naiv wie die Frage der Schülerin. Der Unterricht zu diesem Thema entwickelte sich aber weiter, nicht zuletzt deshalb, weil zunehmend zur globalen Erwärmung publiziert wurde.

Im Jahre 1992 veröffentlichte der ehemalige Vizepräsident der USA, Al Gore das Buch Wege zum Gleichgewicht – Ein Marshallplan für die Erde und später dokumentierte er mit seinem Film „Eine unbequeme Wahrheit“ den Klimawandel. Nun war es möglich, den Unterricht zum Klimawandel mit medialer Unterstützung zu gestalten und man erfuhr von Al Gore, dass es Städte gibt, die nur deshalb gegründet wurden, weil sie oberhalb der Moskito-Grenze lagen, beispielsweise die Stadt Nairobi (Hauptstadt Kenias, Höhe 1.661 m).

Neben Moskitos gibt es eine Menge besorgniserregender Überträger von Infektionskrankheiten, die mit zunehmendem Klimawandel ebenfalls ihre Reichweiten ausdehnen (Ratten, Fliegen, Spinnen, Fledermäuse usw.). Daraus ergeben sich schon seit über 20 Jahren neue Infektionskrankheiten (Ebola, Arena Virus, Hantavirus, SARS, Vogelgrippe, West Nile Virus usw.) Selbst resistente Formen der Tuberkulose traten auf. Wie Al Gore schon vor über 20 Jahren in seinen Vorträgen feststellte, tauchen immer wieder Krankheiten auf, die wir eigentlich unter Kontrolle hatten. Das sind aber keine Neuigkeiten, das sind die Folgen des Klimawandels.

Das anthropogene Artensterben bringt sämtliche biologischen Kreisläufe durcheinander und es entstehen Über- und Unterpopulationen. Über Jahrtausende hat der Mensch die Artenvielfalt gefördert, seit über 50 Jahren werden alle geologischen Prozesse vom Homo faber[1] überlagert. Weil der Mensch mittlerweile selbst eine geologische Kraft darstellt, wird die Biologie der Erde verändert. Die Natur wurde zu einer gigantischen Maschine umfunktioniert, die sich dem Wachstumsimperativ der Wirtschaft unterordnen musste und die gewaltige Naturausbeutung zerstörte die Gleichgewichte.

Wir stehen am Anfang der Krise

Bemerkenswert ist, dass China angeblich das Corona-Virus überwunden hat und jetzt wieder den Wachstumskurs einschlägt, um den permanenten Kapitalumschlag, verbunden mit einer ständigen Naturausbeute, zu gewährleisten. Wenn ich mir die mediale Berichterstattung so anschaue, steht zu befürchten, dass auch Deutschland aus dieser Krise wenig lernen wird, denn das Corona-Virus wird kaum mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht. Die Wirtschaft betrachtet sich auch nicht als Täter oder als Verursacher der globalen Erwärmung, sondern als Opfer, dass nun dringend von der Allgemeinheit Hilfe beansprucht, um dann, wie bisher, weiter machen zu können. Es ist ja richtig, um die Corona-Krise zu bewältigen benötigen viele Unternehmen Hilfe. Aber ein „weiter so“ darf es nicht geben. Die Temperaturen der letzten Jahre und das nun zu bewältigende Corona-Virus sind nur die Vorboten des zunehmenden Klimawandels. Also - nutzen wir die Chance und ändern tiefgreifend den Verwertungsimperativ unserer Wirtschaftsweise, denn nachhaltige Ökonomie muss „sich innerhalb der ökologischen Leitplanken des Planeten“ (Maja Göpel) bewegen.

[1] Der Begriff wurde von Hannah Arendt geprägt. Die philosophische Anthropologie verwendet den Begriff Homo faber (lat. "der schaffende Mensch"). Er grenzt den modernen Menschen, der die Umwelt aktiv verändert, von den Menschen älterer Epochen ab.

09:45 15.03.2020
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Geschrieben von

Udo Köpke

Buchpublikation: Die Vergötterung der Märkte
Udo Köpke

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