Hochzeit eines Tagebuchs

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Was schreibt man in ein Tagebuch, wenn es jeder lesen kann? Wie weit öffnet man sich selbst? Diese und mehr Fragen hatte ich, als ich 2008 zum Mitautor des „Thüringer Tagebuch“ der TA wurde. Zuerst zögerlich aber dann immer fließender habe ich mich in diesem TAgebuch offen gezeigt in Gefühlen und Ansichten, Meinungen und auch Erinnerungen. Mit der Zeit waren es einige Mitautoren, welche gleichermaßen schrieben.

Und nach einem Jahr war es an der Zeit, dass man sich treffen und mündlich austauschen könnte. Dafür bot sich Gotha wunderbar an. Doch – und das ist eigentlich das Neue und Besondere dieses TAgebuchs für mich gewesen – in der Vorbereitung lernte ich Thüringen auf eine wunderbare Art näher kennen.

Nach Buttstädt führte mich meine erste Exkursion zu einer Veranstaltung der dortigen Schriftstellerin, von der im TAgebuch zu lesen war.
In Erfurt traf ich mich mit zwei Autoren in einem Eiscafé, plauderten wir und tauschten uns über weitere interessante TAgebucheintragsgestaltungen aus.
In Schönau (am Fuße der Hörselberge) besuchte ich eine Mitautorin und bewunderte deren Engagement für zahlreiche Vereine sowie der Mitgestaltung des Zeitung „Hörselberg-Bote“. Bewundernswert, dass und wie sie über die Vereinsarbeiten und anstehende Veranstaltungen ihres Heimatgebietes im TAgebuch informierte.
In Eisenach suchte ich nach dem Treffen eine für Kindersportler und den Eisenacher Handball aufgehende mitschreibende Katzenliebhaberin heim.
In Bad Frankenhausen war ich, um auch einen Mann zu „interviewen“ und einen der fleißigsten wie besonders spitzzüngigen Mitautoren kennen zu lernen.
In Heiligenstadt traf ich mich mit einer mitschreibenden Schriftstellerin auch, um sie für eine Veranstaltung in Gotha zu gewinnen.
Aus Ilfeld (nördlich Nordhausens) kam die Mitautorin und „Ilfelder.-Hexe“ zu meiner Gothaer Veranstaltung, hatte sie doch zuerst den 100. Eintrag ins Tagebuch gesetzt. Danach besuchte ich sie bereits schon einige Male in Verbindung mit Festen ihres Ortes.
In Wiehe lernte ich eine Mitautorin kennen, deren Beschreibung des Umgangs mit ihrer Augenkrankheit mich im TAgebuch schon fasziniert hatte.
In Artern ist die Salzprinzessin 2007-2009 wohnhaft. Sie schrieb auch in das TAgebuch und animierte mich über ihre Schreibart, sie zu sehen zur Wahl der ersten Nadelprinzessin von Ichtershausen. Auch zu Ihrer Abdankung und Wahl der neuen Artener Salzprinzessin war ich dann in Artern.
Im Krankenhaus Bad Berka besuchte ich eine kranke Mitautorin mehrmals, konnte später durch sie im „Erfurter Frauenzentrum“ eine Lesung meines Büchleins halten, welches eigentlich nebenbei durch das TAgebuch entstanden war.

Auf diese Art und Weise veranlasste mich dieses TAgebuch auch zu einer neuen und tieferen Sicht auf Thüringen und seine Menschen, lernte ich vieles mehr und besser kennen!

Im Internet sich zu Wort melden zu können war einigen Mitautoren sehr wichtig für die Anerkennung ihrer Persönlichkeit, daraus resultierend auch mitunter als seelische Heilungsform. Daneben konnten Kulturkritiker, Künstler und auch Politiker sich erprobend zu Wort melden.

Es waren insgesamt nahezu zwei vortreffliche TAgebuch-Jahre. Nun wird zwar dieses Projekt der Thüringer Allgemeine wohl bald abgeschlossen werden. Doch den Menschen als Mitautoren wie als Leser hat es gewiss viel bedeutet und gegeben, was in Zahlen ausgedrückt fast 8.000 Einträge und über 1.000 Kommentare bestätigen.

Vielleicht wird man in einer ähnlichen oder anderen Form wieder einmal viele Menschen gewinnen können, Thüringer Geschichte am Beispiel eigenen Lebens aufzuschreiben.

10:36 06.06.2010
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Geschrieben von

udz

Freundliches und achtungsvolles Begegnen sind mir Leitfaden.
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