Und wenn wir aus Afghanistan raus sind?

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Also erst einmal zog die Bundeswehr ja in Afghanistan ein, um in internationaler Verantwortung das dortige Nest der Terrororganisation eines Osama bin Laden vernichten zu helfen vor dem Hintergrund des 11. September 2001. Die Terrororganisation wich nach Pakistan aus – man blieb in Afghanistan. Allein die Rechtfertigungen der ISAF und damit auch die Berechtigung der Bundeswehr für einen Afghanistaneinsatz mussten immer mal geändert werden.

Anfänglich und immer wieder bis heute stellte sich DIE LINKE gegen den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr, weil Krieg keine Probleme löst sondern verhärtet und stets neue schafft.

Krieg in Afghanistan? Diese Einschätzung bedurfte Jahre bei den anderen Parteien. Sie wussten es zwar schon, konnten sich aber lange Zeit nicht dazu durchringen, es so zu nennen.

Raus aus Afghanistan forderte DIE LINKE. Nun kommt Deutschland dieser Vernunft langsam nach und tönt lauthals von ersten Truppenabzügen gegen Jahresende 2011, wobei freilich ein Hintertürchen eingebaut wurde, dies hinauszuzögern.

Und wenn wir eines Tages aus Afghanistan raus sein sollten? Dann wird es von lauten Tönen erfolgreicher Hilfe bei der Demokratisierung und Festigung in Afghanistan nur so wimmeln. Jede Partei klopft sich dabei stolz auf die eigene Schulter. Nur der LINKEN wird man auf die Schulter hauen und sagen, dass man sowieso nur aus diesen edlen Gründen dort war und der Erfolg den Einsatz voll rechtfertigt – sie solle endlich Ruhe geben.

Bei Lichte betrachtet gäbe es ja noch eine Reihe von Ländern, bei deren Demokratisierung Deutschland helfen könne – mit Bundeswehr. Sicher werden dazu notfalls auch neue Kriegsherde geschaffen werden können, zu denen man in den ersten Jahren nicht „Krieg“ sagen darf.

Doch haben wir ja erst 2011, ein Wahljahr, wo es sich gut macht

  • vom Krieg in Afghanistan zu reden – was DIE LINKE stets sagt
  • aus Afghanistan die Bundeswehr abzuziehen (Beginn) – was DIE LINKE stets will.

Da fragt man sich doch, was DIE LINKE eigentlich noch möchte, wenn die anderen es (nun) auch so sehen? Wo bleibt da das Profil der LINKEN, was sie hervorhebt?

Nur, weil sie nicht in das Eigenlob Deutschlands einstimmt, muss man DIE LINKE nicht wählen, zumal die anderen Parteien nach den Wahlen des Jahres das dann auch in Frage stellen werden, so dass den LINKEN weiter der Wind aus den Segeln genommen werden wird. Wenn diese LINKEN endlich mal ihr „gegen Krieg“ sein lassen würden, könnten sie fast sympathisch werden. Dann könnte man sehen, dass die Regierung in den wesentlichen Fragen der Zeit uneingeschränkt immer Recht hat. (Gab es in jüngster deutscher Geschichte nicht so etwas Ähnliches – wenn auch freilich keineswegs vergleichbar?)

Bleibt: Die anderen Parteien mögen die linken.

Mit „die“ sind die Wähler gemeint, die man doch schon so oft erfolgreich gelinkt hat.

08:33 13.01.2011
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Geschrieben von

udz

Freundliches und achtungsvolles Begegnen sind mir Leitfaden.
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