Welche Schrift passt am besten zu „Bildungsverfall“ ?

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Deutschlands Föderalismus verhindert einheitliche Schreibschrift in den Schulen, entnahm ich der „Thüringer Allgemeine“. Wissenschaftler erwägen je Bundesland unterschiedliche Schriftformen. Ja, wo leben wir denn?!

Das Internet, die PC-Welt, eMails und SMS verführen zu einheitlichen Schriftformen, die man nicht mehr zwischen die Finger bekommt sondern den Typen/Tasten verdankt. Rechtschreibungsprüfungen berichtigen sofort, so dass man Vieles gar nicht mehr zu wissen braucht. „Ein cooler Typ“ ist man nur, wenn man viele Fremdwörter verwendet, die möglichst „englischen Anschein“ haben sollten.

Dem möglichen Sprachkulturabbau dieser äußeren Vereinheitlichungen zumindest einen einheitlichen Schriftsprachgebrauch an die Seite zu stellen, der es gerade der Jugend leicht macht, die deutsche Sprache in allen Bundesländern gleichermaßen anzuwenden und ihr damit den Erhalt zu sichern, erscheint deshalb besonders wichtig.

Die Kleinstaaterei Deutschlands ist noch in so vielem tief verwurzelt, dass man das nicht noch durch künstliche Schriftformunterschiede zementieren muss.

Wenn Familien wegen der wirtschaftlich verlangten Flexibilität und Mobilität das Bundesland wechseln müssen/wollen, Dann kann es für die Kinder eine unnötige Hürde sein, auf eine andere Schriftart umzusteigen. Wer zeigt hierin Verantwortungsbewusstsein?

In diesem Zusammenhang denke ich immer wieder an ein Erlebnis meiner Frau kurz nach der Wende: Von der Adenauerstiftung nach Berlin eingeladen wurde einem großen Forum von Horterziehern und Unterstufenlehrern von einer alten Herren-Riege eindringlich gesagt, dass nun Schluss sein mit den politische geprägten Erziehungsmethoden der DDR. Es würden im Ergebnis einer Reihe von Forschungsaufträgen einheitliche Grundlagen für eine wünschenswerte und politikfreie Erziehung geschaffen. Einige Forschungsthemen wurden benannt.

Kopfschüttelnd gingen die Erzieher aus dem Forum, weil sie wegwerfen sollten, was das in der DDR schon aus gemachten Forschungen längst Anwendung fand und sich bewährt hatte und nun Ziel der neuen Studien war.

Mir deucht, dass es nicht um die Bildung sondern um die Existenzberechtigung von Wissenschaftlern und Behörden geht, wenn alle naselang neue Richtlinien und die unterschiedlichsten Bildungsformen entwickelt, erprobt und verworfen werden. Und dies sind keine Tierversuche sondern am lebenden Menschen – allerdings den sich kaum so recht wehren könnenden Kindern.

So haben wir seit nunmehr über 20 Jahren eine erwünschte Deutsche Einheit und doch eigentlich nur eine Umgrenzung einer Ländervielfalt auch und besonders in den Bildungsmustern.

Dies kann ich hier nur wieder einmal ansprechen. Es wird nichts bringen, solange wir uns nicht von der deutschen Vielstaaterei vor allem in den Köpfen befreien und das Denken nicht nach hinten ausrichten. Das wiederum kann erst dann eine Zukunft haben, wenn beispielhaft die geistige Intelligenz sich endlich einmal aufgerafft haben wird, sich in der deutschen Rechtsprechung von Reichsgesetzen zu verabschieden und den Anforderungen und Bedingungen der Gegenwart Rechnung zu tragen. Wer sich dieser notwendigen Erneuerung und Vereinheitlichung entzieht und das dann den Kindern auch noch in unterschiedlichster Schriftform anbietet, der ist in meinen Augen ein Versager, Ignorant und Kulturzerstörer – was bei immer stärkerem gesellschaftlichen Abfall von Normen und Moral allerdings zusehends weniger bemerkt und auch kaum zur Verantwortung gezogen werden wird.

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10:30 19.02.2011
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Geschrieben von

udz

Freundliches und achtungsvolles Begegnen sind mir Leitfaden.
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