Wir haben sie wieder: „Mütterberatung“ fast wie in der DDR

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Das muss ich nicht lesen diese Nostalgie. Was wird das schon gewesen sein?! Das gab es schon vor dieser DDR. – Na, dann lesen Sie einfach nicht weiter.

In WIKIPEDIA gesucht sind dort nur Links auf Einrichtungen und Ärzte angegeben, in denen sich Frauen Rat holen können:

http://a.imageshack.us/img695/7590/muetterberatung20100802.jpg

Auch bei „Mutterberatung“ gleiches Ergebnis: Kein Eintrag in WIKIPEDIA.

Ansonsten verweist das Internet auf die Weitergabe der Erfahrungen von Müttern (und Vätern) für Frauen. Ja, es wird sogar vermerkt unter „Dritte Welt“:

http://a.imageshack.us/img838/7590/muetterberatung20100802.jpg

Gestern wurde im Fernsehen mitgeteilt, dass in Thüringen wieder Mütterberatungsstellen eingerichtet werden. Drei oder vier Städte wurden angegeben. Das freut mich sehr und weckte schöne Erinnerungen in mir.

Wie war das nun mit dieser „Mütterberatung in der DDR“? Das will ich Ihnen kurz schildern.

Ich? Als Mann? Was soll denn das werden? (Voreingenommen? Dann hier aufhören zu lesen.)

Als sich 1969 unser erster Sohn ankündigte, studierte ich noch in Jena, während meine Frau in ihrer Heimatstadt bereits ihrem Lehrerberuf nachging. Da es in ihrer Stadt keine Mütterberatung gab, habe ich einen Kurs in Jena belegt und war unter etwa 12 werdenden Müttern mit einem mitgehenden „werdenden Vati“ in der männlichen Minderheit.

Wir lernten Kochen fürs Baby, Wickeln, was man im Umgang mit Ohren / Augen / Nase / Mund beachten sollte, dass Mädchen von vorn nach hinten zu säubern sind – Dinge, die man „im Prinzip“ wusste aber hier praktiziert wurden. Medizinische Fragen und das Erkennen von Kinderkrankheiten, die Reihenfolge der Schutzimpfungen und Hinweise auf Behördenwege waren Bestandteil des Kurses in der Mütterberatung.

Erwähnenswert ist mir das Erlebnis beim Üben des Babybadens: Der richtige Griff, damit das Baby nicht ins Wasser rollen konnte, wurde geübt. Einer Mutti fiel dabei die Babypuppe aus der Hand. Sie hob diese am Fuß auf – eben wie ein Etwas aber nicht ein Kind. Da rief ich, dass sie doch so nicht mit ihrem Kind umgehen könne! Alle lachten. Sie meinte, dass es doch nur eine Puppe sei. Mit ihrem Kind würde sie das so nicht tun. Mag sein. Aber wir übten ja nicht nur mal so!

Abschluss bildete das gemeinsame Ansehen des Filmes „Die Geburt“. Konnte ich die Frauen auch dazu animieren, ihre Männer dazu mitzubringen, war es schon etwas eigenartig, als ich inmitten der stark bebauchten Frauengruppe durch die Stadt zum Uni-Klinikum ging.

Das Erlernte übte ich danach erneut mit meiner Frau gemeinsam, so dass sie es mit erfuhr und ich mein Können festigte. Es war die Zeit, in der die Babynahrungsgläs’chen aufkamen und das Selbstkochen schnell in den Hintergrund gedrängt wurde. Die Verwendung und damit das Kochen der Stoffwindeln war damals allerdings noch durchgängig üblich.

Mich mit auf unser erstes Kind so richtig vorzubereiten war ebenso schön, wie dann den Sohnemann zu ver- und umsorgen.

„Kinder sind erst dann interessant, wenn sie so 3 Jahre alt sind und man sich mit ihnen etwas unterhalten, mit ihnen wirklich etwas anfangen kann.“ Diese Meinung schreckte mich schon damals ab. Nein, ganz im Gegenteil! Gerade die ersten Jahre sind so wichtig und voll interessant und wunderschön!

Damals gehörte die „Mütterberatung“ zum festen Bestandteil des staatlichen Gesundheitswesens. Und das war zumindest in dieser Richtung wirklich hervorragend! Heute freut es mich besonders, dass sie wieder aufleben, diese Mütterberatungsstellen, und hoffentlich Schule machen.

09:10 02.08.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

udz

Freundliches und achtungsvolles Begegnen sind mir Leitfaden.
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