Wundervoll lebensfroh behindert!

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Ja, da gehört jeweils ein Komma dazwischen. Jedoch wird es auch so verständlich, wenn ich auf den „Tag des offenen Landtages“ am Samstag, den 12. Juni, hinweise, an dem ich eine beeindruckende Begegnung hatte.

Interessiert schaute ich über den Stand des Landesverbandes der Gehörlosen Thüringens. Freundlich lächelnd erhob sich eine ältere Dame, kam um den Tisch herum und wollte mir offensichtlich Fragen beantworten. Kaum hatte ich gesagt, dass ich mich nur umsehen möchte, da trat von der anderen Seite eine junge Frau an mich heran, bewegte die Lippen und bedeutete etwas in Gebärdensprache. Als ich ihr bedeuten wollte, dass ich mich erst der älteren Dame zuwenden möchte, merkte ich, dass sie mit dieser sprach und meine Worte der Gehöhrlosen übersetzte. Dadurch konnten wir uns schier fließend unterhalten.

Wir sprachen eine ganze Weile miteinander und ich war fasziniert von der Lebensfreude, welche beide Frauen ausstrahlten, wie leidenschaftlich sie mir die Behinderung der Gehörlosigkeit nahe bringen wollten.

Fazit für uns drei war, dass jede Behinderung einen Einschnitt ins Leben darstellt und dieser aber nur mit Achtung, Toleranz und notwendigem Verständnis begegnen solle.

Da sprudelten mir meine Erfahrungen heraus, als Kind vor einem Mädchen ohne Finger an der rechten Hand davongelaufen zu sein und die Situation nicht gemeistert zu haben. Danach habe ich mich auf Begegnungen mit Menschen mit Behinderung eingestellt.

Heute besuchen zwei stark sehbehinderte Schwestern meine Veranstaltungen, haben wir ein wunderbares Verhältnis, indem ich ihnen oft schon helfen durfte. Sehend helfe ich ihnen und lerne dadurch ihre Behinderung besser zu sehen und zu verstehen.

Als ich den Stand im Erfurter Landtag verlassen wollte, machte ich noch ein Foto von den beiden wunderbaren Frauen. Und ich bin stolz darauf, die Gebärdensprache dieser jungen Dolmetscherin zu meinen Worten mit auf das Foto gebannt zu haben!

http://img708.imageshack.us/img708/6654/gebaerde1.jpg

Begeistert sagte ich beiden, dass ich über diese Begegnung in „der Freitag“ schreiben werde, ich ihnen den Beitrag aber auch per eMail senden möchte.

Wenngleich ich Erika Beyer (1.Landesvorsitzende), dieser taubstummen Dame, versprach, ihr mein Büchlein zu senden, werde ich ihr erst einmal eine Auswahl der Geschichten zukommen lassen. Sie möge danach selbst entscheiden:

  • Das enttäuschte Mädchen
  • Erste Erfahrung mit Blinden

Anne Thomas, die Gebärdensprachdolmetscherin, fragte ich, wie lange sie diese schwere Arbeit bereits mache. Da meinte sie „drei Monate“! Über mein erstauntes Gesicht schmunzelte sie und setzte hinzu, dass sie im März erst ihr Diplom gemacht habe!

Gehörlose, Blinde, Taubstumme, Rollstuhlfahrer sind für mein Verständnis keine „Behinderte“ sondern „Menschen mit Behinderung“. Empfinde dies achtungsvoller.

Diese wertvolle hautnah erlebte Begegnung beschäftigte mich noch intensiv den ganzen Tag. (Heute werde ich meine Versprechen einlösen.)

18:51 14.06.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

udz

Freundliches und achtungsvolles Begegnen sind mir Leitfaden.
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