„Ach Gott, Sie sind ein Kommunist?!“

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Das wird erschrocken aber vor allem bedauernd ausgesprochen, als hätte man Krebs. Ist ein LINKER damit schon ein Kommunist? Ist man Kommunist, wenn man seine DDR-Vergangenheit gegen verallgemeinerndes Schlechtmachen verteidigt oder wenn man für eine gerechte Gesellschaft eintritt und sie sich in der Zukunft vorstellen kann? (Die gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnisse sind nun wahrlich fast das Letzte aber doch nicht alternativlos.) Was, die LINKE will einen Sozialismus? Kann man das einfach wegdrücken, da das Wort "Kommunismus" gefallen ist!

Mir schein, „Kommunist“ wird zur Abstempelung verwendet, um den so Bezeichneten unmöglich und grundsätzlich als Gegner allem Guten zu machen und damit unwürdig für jedwede Diskussion in eine Ecke stellend auszugrenzen.

Wüsste nicht, dass ich je einen wirklichen Kommunisten gesehen oder von einem gehört hätte! Wenn man jemanden als Kommunist bezeichnet wird oder sich selbst so betitelt, heißt das doch noch lange nicht, dass es einer ist.

Statt „real existierenden Sozialismus der DDR“ müsste man vergleichsweise wohl besser von einer „sich sozialistisch bezeichnenden DDR“ sprechen, da sie keinen Sozialismus praktizierte. Das ist zwar bekannt, reicht allerdings zur Verunglimpfung, setzt zugleich einer echten Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte einen Riegel vor.

Sind Christen wegen Unmenschlichkeiten in der Geschichte in die Ecke zu stellen, wie man mit benannten Kommunisten verfährt? Da schüttelt man berechtigt mit dem Kopf, verteufelt weder das Christentum (noch eine andere Glaubensrichtung) und wendet sich schon gar nicht von Gott ab.

Die Politiker der etablierten Parteien Deutschlands – insbesondere die SPD – sprachen immer wieder von einer „politischen Auseinandersetzung“ mit der LINKEN. Praktisch muss das für sie schwer oder unmöglich sein, weil es nie wirklich oder nur vereinzelt wenigstens versucht wurde.

Nun hat die Vorsitzende der LINKEN „das Wort Kommunismus in den Ring geworfen“ – schon wird es als vernichtendes Argument auf der politischen Bühne benutzt und zeigt, dass es weder um Geschichtsaufarbeitung noch um irgendeine Vorstellung des „Kommunismus“ geht. Reicht das nicht, wird lächelnd wie verächtlich auf ihre Wurzeln in der DDR verwiesen – das alleine muss reichen / wirken.

Ach Gott, wie weltfremd sind diese Vorsitzende Gesine Lötzsch und ihre Berater, dass sie sich gerade im Superwahljahr 2011 eine derartige Entgleisung erlauben. Politische Gegner kurzzeitig mit Schaum vor dem Mund zu erleben bringt der LINKEN wahrlich keine Pluspunkte beim Wähler.

Aber zu glauben, dass nun die LINKE „von allen guten Geistern verlassen“ sei – so einfach sollte man sich das auch wieder nicht machen wollen!

19:48 15.01.2011
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Geschrieben von

udz

Freundliches und achtungsvolles Begegnen sind mir Leitfaden.
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