Geschichte aus der Wende: Naturfreunde-Celle mit Gothaern verbunden

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Es war die Wendezeit, als unsere Brigade mit den Naturfreunden aus Celle Verbindung aufnahm über eine Kollegin, deren Verwandte in Celle wohnten und zu den Naturfreunden zählten.

Diese Verbindung entwickelte sich prächtig. Die Naturfreunde wollten unbedingt den Rennsteig und Inselsberg erleben. Als sie kamen, verbrachten wir herrliche gemeinsame Stunden. Zum Ausgleich luden sie unsere Brigade zu sich nach Celle ein. Wenn ich mich recht erinnere, war dies das erste Wochenende nach dem Tag der Deutschen Einheit 1990.

Der gemeinsame Abend im Haus der Celler Naturfreunde war ein wunderbares Erlebnis für alle! Viele Gespräche waren von drängenden Fragen so voll gespickt, dass das leckere Essen schier zu einer Nebensache wurde. Bei Vor/Nachbereitungen in der Küche und Rauchen vor dem Haus gab es darin keine Pause. Als wir wieder nach Gotha fuhren, waren bereits viele Klarheiten geschaffen und Vorurteile beseitigt.

Silvester waren Heide und ich wieder in Celle. Wir begannen unseren gemeinsamen Lebensweg in diesem geeinten Deutschland und waren somit besonders froh über die persönliche Einladung und mit Freude auf diese Stunden zu zweit im Kreise der Celler Naturfreunde. Für Übernachtung im Naturfreundehaus war gesorgt.

Am folgenden Tag waren wir privat eingeladen. Interessante Gespräche und wachsendes gegenseitiges Verstehen prägten die schönen gemeinsamen Stunden und wurden auch nur bedingt vom liebevoll zubereiteten Mittagessen unterbrochen.

Im Gehen fragte uns der Hausherr ernsthaft, ob wir wirklich weiter zusammen gehen wollten. „Ja!“ Dann werdet ihr immer bei uns eine Bleibe finden, wenn ihr das braucht, antwortete er darauf unter bestätigendem Kopfnicken seiner Frau.

Das war wirklich so ergreifend, wie es selbst in dieser Kurzform hier wirkt. Ost und West? Nein, dieser Gedanke kam niemandem. Einfach menschlich.

Viele Jahre riefen wir uns zu Festivitäten wechselseitig an. Als ich vor Monaten in der Gegend von Celle dienstlich unterwegs war, telefonierte ich, erreichte auch beide Naturfreunde und vereinbarte einen Blitzbesuch bei ihnen. Es war, als hätten wir uns erst am Vortag verabschiedet und würden nun weiter diskutieren. Nach einem kurzen Stündchen herzlich verabschiedet und mit allen guten Wünschen und Grüßen ausgerüstet trat ich die Heimreise an. Gern werde ich auf ihre erneute Einladung zurückkommen.

Celle und Gotha. Viel hat sich in 20 Jahren getan und verändert. Das Gute und gegenseitiges Verstehen sind erhalten geblieben.

17:04 24.08.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

udz

Freundliches und achtungsvolles Begegnen sind mir Leitfaden.
Schreiber 0 Leser 0
Avatar

Kommentare