Schwerer wie unsere Sprache

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Manchem wird es auf die Schnelle nicht aufgefallen sein. Aber da hätte „als unsere Sprache“ stehen müssen. Immer seltener höre ich bei genannten Unterschieden „als“ und bei Gleichnissen „wie“. Doch das wird noch übertroffen „als wie wenn“ es völlig gleich ist, wie es geschrieben werden können müsste.

Meine Mutter – jetzt mit Alzheimer gestraft zum Denkverfall und Sprachverlust – hatte ein begnadetes Sprachgefühl und eine traumwandlerische Sicherheit im Auffinden meiner Schreibfehler.

Kann mich heute noch deutlich daran erinnern, wie sie mir ins Gewissen redete: „Gar nicht“ wird gar nicht zusammen geschrieben. Auch erinnere ich mich der Schulsprüche wie: „Nach l, m, n, das merke ja, steht nie „tz“ und nie „ck“.

Freilich selbst nicht gegen Fehler gefeit, gibt es mir immer wieder einen Stich, wenn derartige Grundregeln verletzt werden. Deutlich spüre ich es bei Verwendung des Dativs statt Genetivs.

„Ich habe mich sehr an Euch gefreut und bin stolz anEuch.“ „Gerne lehne ich mich auf Dich an.“ Das klingt falsch, ist es ja auch und doch wieder nicht. Beispielsweise steht in Slowakisch sowohl für unser „an“ und „auf“ das gleiche Wort. Wie soll man es einsetzen? Ist den Deutschen die Anwendung immer klar? (Ich frage mich, weshalb man sagt: „an Ostern“ und „an Weihnachten“?)

Im zusammenwachsenden Europa ist die Frage der grundsätzlichen Verständigung wesentlich wichtiger als das eigene Sprachgefühl! Wird sicher für andere Sprachen auch gelten.

So kam es, dass ich mich heute freue und liebenswert finde, wenn zum Beispiel die slowakischen Anwendungsbemühungen „daneben“ gehen. Ja, fast wünsche ich es mir – klingt regelrecht wunderbar bis liebenswert. (Wenn ich nur so sprechen könnte, dass meinerseits nur solche „Fehler“ gemacht würden.)

Da meine ich schon, dass jeder seine Muttersprache durch gute Anwendung schützen aber die Regeln nicht als Hindernis völkerverständigenden Sprechens einsetzen möge.

Schmunzelabschluss:

Radio-Staumeldung: „… drei Kilometer Stau wegen einem umgestürzten LKW …“

21:24 30.07.2010
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Geschrieben von

udz

Freundliches und achtungsvolles Begegnen sind mir Leitfaden.
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