Warum reagierten diese Frauen „im Westen“ so ganz anders?

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In Kassel nach der Wende arbeitend stellte ich fest, dass zwei Frauen der Finanzabteilung bei mehr Kenntnissen / Übung mit der Datenverarbeitung diese so beherrschen konnten, dass der Finanzchef sie nicht so häufig wegen gemachter Fehler ansprechen musste.

So schlug ich beiden vor, sie gemeinsam etwas zu schulen – sagen wir: eine Stunde am Ende ihrer Tagesarbeitszeit und eine Stunde danach. Nach etwa 5-6 gemeinsamen Durchgehens dürfte das Ziel erreicht sein.

Beide Frauen nahmen dankend an. „Was bekommen Sie dafür?“ – war die einzige Frage die ich zum weiteren Erstaunen mit „Nichts!“ beantwortete.

Ende der 80-er Jahre hatte ich einer Gothaer Firma eine Gruppe von Frauen mit tollem Erfolg umschulen dürfen. Damals wollten zwei nicht mitmachen sondern lieber kündigen, weil sie lange aus der Schule raus und dort nicht allzu gut gewesen waren. Also machte ich noch etwas Deutsch und Mathematik – sie blieben und waren einfach Spitze!

Andere Erfolge gingen mir auch durch den Kopf und ließen mich optimistisch die Sache angehen.

Nach einer Stunde kam eine der beiden zu mir, um im Vertrauen zu bitten, die beiden Frauen nicht zusammen sondern einzeln zu schulen. Die andere Kollegin kam kurz darauf mit dem gleichen Ansinnen.

Da ich nicht wusste, weshalb sie beide dies wollten, so reagierten, fragte ich am Abend zuhause nach. Als Antwort bekam ich: „Völlig klar! Jede hat Angst, dass die andere Kollegin mitbekommen könnte, was sie nicht so einfach verstünde, wie sie denkt und welche Mängel sich zeigen. In einem Personalgespräch kann das dann gegen sie verwendet werden!“

Ja, Konkurrenzdenken war da der Grund.

Als „gelernter DDR-ler“ hatte ich dies wirklich nicht erwartet, kannte ich solches Verhalten nicht.

Natürlich verstand ich nun die beiden Kolleginnen und respektierte ihren jeweiligen Wunsch.

08:19 22.07.2010
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Geschrieben von

udz

Freundliches und achtungsvolles Begegnen sind mir Leitfaden.
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