Was unterscheidet Politiker und Eltern von Hundebesitzern?

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Man kann es relativ kurz sagen:

Die Hundebesitzer sollen in Thüringen einen „Hundeführerschein“ ablegen, um nachzuweisen, dass ihr Hund ein ausreichend gutes Verhalten an den Tag legt und er selbst zu sicherem Ungang mit diesem Hund fähig ist.

Politiker geben sich so, dass sie keinen Zweifel an ihrer Funktionstauglichkeit haben, wenn auch die Praxis daran Zweifel aufkommen lässt. „Für die Menschen da sein“ ist oft sehr eng auf das eigene Lebensumfeld beschränkt. Kein Führungszeugnis im Umgang mit den ihnen „ausgelieferten“ Menschen. (Beispiel: Die Betriebsrente als Altersfürsorge stärker beachten. Ja, wie soll denn das aussehen, wo heutzutage dafür notwendige ausreichende Berufszeiten in einer Firma gar nicht mehr gegeben sind?)

Eltern dürfen entscheiden, ob sie ihre Kinder in den Kindergarten geben oder daheim selbst erziehen gegen eine geldliche Vergütung. Befähigungsnachweis dafür ist allein die Zeugung des Nachwuchses und damit das Elternsein.

Gerade hinsichtlich der letzten PISA-Studie zur Beherrschung der Sprachen und dem Leseverständnis von Schülern bringt den Ruf nach besserer Schulbildung. Wenn die Lehrer sich weiter qualifizieren und den Schülern dies bieten wollen/werden, ist das Ziel nur erreichbar, wenn das Elternhaus mit zieht. Wie wird daheim das Lesen, Leseverständnis und der Sprachgebrauch allein der Muttersprache qualifiziert unterstützt? Im Erbringen eines Nachweises der Eltern dafür dürfte es ein böses Erwachen geben. Gleiches auch in der „hauseigenen Erziehung“.

Dass Politiker Vorgaben machen, die im Ansatz ja gut gewollt in der Praxis aber daneben sind, dass Eltern zwar stärker zur Erziehung herangezogen werden sollen/müssen aber keine Befähigung erlernt oder nachgewiesen werden muss, lässt die Hundeführer in der Nachweispflicht alleine stehen.

Was Politiker und Eltern anrichten, kann man nicht an Bissen messen. Dass sie aber einer ganzen Gesellschaft lebensbedrohenden Schaden zufügen können, sollte man sehen und dagegen angehen, bevor alles aus dem Ruder läuft.

Da hilft es auch nicht, zu sagen, dass wir die Politiker und Kinder haben, die wir verdienen.

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Bei 16 Kommentaren (bislang / 17:11) möchte ich noch etwas nachzuschieben:

Wenn wir alles erst mit Verordnungen ins Lot bringen wollen, werden wir Deutschen uns endgültig lähmen. Dies aber überall zu sehen und hören und lesen, ist somit ein Zeichen dafür, dass wir gesellschaftlich einfach nicht in der Lage sind, Themen grundsätzlich anzugehen und einer wirklich nachhaltigen Lösung zuzuführen.

Es bedarf keines Eltern-Führerscheins sondern eines gesellschaftlichen Umfeldes, welches gute Normen so lebt, dass sie für Eltern (und Politiker wie Hundebesitzer) die Richtschnur eigenen Wollens und Handelns sind. Dass dies der richtige Weg ist, beweist das gelebte Gegenteil unserer Gegenwart: Normen leben und werden gepflegt, welche auf jeglichen „Kampf gegen“ ausrichten.

08:06 25.06.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

udz

Freundliches und achtungsvolles Begegnen sind mir Leitfaden.
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