Wenn es „menschelt“ geht es ans Herz

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Chiles Rettung der 33 eingeschlossenen gewesenen Bergleute hielt wahrlich die Welt in Atem. Alle Fragen nach dem Warum, Verantwortung, Persönlichkeiten waren unerheblich. Gestern zählte nur, dass und wie und mit welchen Zwischenfällen würde man die Bergleute hochschleusen aus annähernd 700m Tiefe. Der Dritte war oben, als ich früh zur Arbeit fuhr. Der Sechsundzwanzigste war gerettet, als ich mich in der Nacht zum Schlafen legte und doch noch munter bleiben wollte, um wenigstens noch den nächsten geretteten zu sehen.

Früh lief der Fernseher noch, als ich erwachte und vernahm, dass alle 33 und die nach unten eingefahrenen Helfer über der Erde und gerettet waren. Einige Tränen der Rührung hatte ich mehrfach gehabt und schäme mich ihrer nicht – ganz und gar nicht.

Einige hatte ich in den letzten Tagen angerufen, von denen ich annahm, dass sie diese Rettungstat auch verfolgen würden. Wollte meinerseits loswerden, was mich bewegte, und freilich auch das Gemeinsame spüren.

Hochachtung gegenüber den Rettern mit und ohne Technik, den so standhaft durchgehaltenen Bergleuten und ihren Angehörigen.

Gleich kommen mir die Gedanken an Munitionsbergungstrupps, von denen kürzlich leider wieder ein Mann ums Leben kam. Bergrettungsdienste, die ihr Leben für das anderer einsetzen. Menschen, die sich um ihnen fremde Menschen kümmern, um ihnen in Notlagen, Hochwassergebieten, Verlusten an Angehörigen helfen und auch nur erst einmal beruhigend einwirken können. Feuerwehrleute, denen das „für Andere da sein“ schier mit in die Wiege gelegt zu sein scheint. Aber auch Hebammen, die neuem Leben zum Licht helfen.

All diesen und vielen unerkannt sich für Menschen einsetzende kann man nicht genug danken. Erfahre ich von ihnen und dem Geleisteten kommen mir nicht selten Tränen der Rührung, der Freude und beim Gelingen der freudigen Erleichterung.

Umso schlimmer, fassungsloser, wütend machender ist dann all die zu sehende Nichtachtung von Hab und Gut aber auch von anderen Menschen, denen unverschuldet Leid zugeführt wird.

Wenn ich allein die Polizeieinsätze bei Fußballspielen sehe. Große sinnlose Zerstörung und Verletzungslust gegenüber anderen Fans und auch der Polizei! Da agieren ICH-Menschen, denen wahrlich nichts anderes heilig ist und sich als Fans getarnt ohne jede Rücksicht austoben und kaputtmachen wollen. Ist man dagegen wirklich machtlos?

Viel schlimmer ist es natürlich, wenn Politiker einen Krieg durch Lügen herbeiführen und tausende Menschen darin umkommen. Aber dazwischen gibt es so viele Dinge, die einen wütend machen, dass es dann schon deswegen gut ist, wenn man Gutes hören und miterleben kann, wie in den jüngsten Stunden die Rettung der 33 Bergleute in Chile. (Möge all das ihnen Versprochene auch Realität werden!)

15:18 14.10.2010
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Geschrieben von

udz

Freundliches und achtungsvolles Begegnen sind mir Leitfaden.
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