Wer in der Zeitung steht und nicht tot ist, der . . .

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Wie (mindestens) jeden Samstag war ich auch heute wieder zeitig auf den Beinen, um die TA (Thüringer Allgemeine) bei REWE am Coburger Platz Gothas und danach Frühstücksbrötchen zu holen. Da ich diesmal erst kurz nach 07°° aus dem Haus ging, konnte ich die gewohnten Frühkäufer nicht antreffen, entfiel der übliche Plausch.

Da alle Verkäuferinnen „unseres REWE“ freundlich sind, ich mir allerdings ihre Namen nicht merke, war es eben eine dieser fröhlichen Frauen, die mir noch im Abkassieren der vor mir gestandenen Kundin ein „Guten Morgen“ zuwarf. „Bin ich damit schon dran?“ „Natürlich, wenn ich es sage!“

Später, indem sie mir das Wechselgeld herausgab, sagte sie: „Übrigens, wer in der Zeitung steht und nicht tot ist, der muss Einen ausgeben!“ – und strahlte mich dabei an.

Mein verdutztes Gesicht ließ sie herzhaft auflachen. „Na, ich habe sie doch erst dieser Tage in der Zeitung gesehen!“

Jetzt dämmerte es bei mir. Mein Foto war im Zusammenhang mit der Ankündigung meiner Buchlesung in der Presse gewesen! Nun lachten wir beide über ihren Scherz – dann aber auch über die nunmehr Unverständnis ausdrückenden Gesichter der hinter mir stehenden Kunden.

Na und, werden Sie sagen.

Kommt ja noch!

Da ich den Satz der Verkäuferin nicht kannte, er mir aber gefiel, ich meinerseits freilich einen Ausgleich für mein wohl sehr dusselig dreinschauendes Gesicht schaffen wollte, ging ich nicht sondern kaufte am Backwarenstand eine kleine Tasse Kaffee. Mit dieser nebst Zucker / Süßstoff / Kaffeesahne ging ich zurück zur Kasse, stellte die Tasse ab, sah in das rot angelaufene Gesicht der kopfschüttelnden Kassiererin und fragte wie ganz selbstverständlich, welchen der Zusätze ich ihr in den Kaffee geben dürfe. Nur Kaffeesahne! Und schon rührte ich den Kaffee zurecht, nahm die Zusätze wieder an mich, um sie dem Backwarenstand zurückzubringen. Noch immer schüttelte sie den Kopf und meinte schließlich, dass sie es doch nicht so gemeint habe! Dann schloss sie ihre Freude und ihren Schreck über mein Wörtlichnehmen mit: „Sie sind wirklich ein verrückter Kerl!“

Na, besser konnte sie mir den Erfolg meines 1€-Einsatzes nicht quittieren.

Im fröhlichen Gehen erwiderte ich ihr noch, dass dies meine Frau auch des Öfteren sagt aber mich dennoch immer wieder in die Wohnung lässt! (Oder gerade deswegen?)

Als ich das beim gewohnten Frühstück im Bett erzählte, hörte ich nur den Kommentar: „Typisch Uwe! Was werden die anderen gedacht haben?“ – Da hoffe ich mal, dass sie es als kleines Dankeschön an die Verkäuferinnen mit Bezug auf eine sich nicht wehren könnende aktuell anwesende verstanden haben werden.

09:23 17.07.2010
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Geschrieben von

udz

Freundliches und achtungsvolles Begegnen sind mir Leitfaden.
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