Will auch mitmachen: Votum für die Frau!

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Na, was wird das schon sein oder werden, sehe ich förmlich spöttische Männerblicke und amüsierte Frauen – was will da aus dem Mann schon zu erwarten sein.

Da rede ich mich einfach raus, indem ich keine Schlussfolgerungen sondern nur erlebte Begebenheiten schildern möchte. Wissenschaftliche Erörterungen überlasse ich anderen – hihihi.

Entscheidet sich die Frau für ein Kind, denkt man(n) sofort an Ehe und das Kümmern um dieses durch die Frau. Entscheidet sie sich dafür, möchte zumindest die ersten Lebensjahre des jungen Kindes daheim bleiben, dann kann diese Entscheidung voll verstanden und akzeptiert werden. Wenn man das von ihr als Ehemann oder auch im ehelichen Umfeld erwartet, ist das schon anders! Kaum besteht die „öffentliche Meinung“ darauf, dass vornehmlich der Mann Kind und Haushalt schultern sollte – wenn er es aus eigenem Antrieb oder ehelicher Entscheidung will, wird das allerdings besonders herausgestellt und gelobt – wobei fragende Augen, was das wohl für ein Mann sei, deutlich zu sehen sind. Frauen = Mütter = daheimbleibend wird als normal angesehen (ist ja auch leichter so) und im Gegensatz zum treusorgenden Mann auch allzu wenig lobend erwähnt.

Was, wenn eine Frau einfach ein Kind möchte aber keine Ehe? Möchte sie gar weder Kind noch Mann aber sich sexuell entfalten – spätestens dann werden gedankliches „Naserümpfen“ in ihrem Umkreis zu finden sein. Wer fragt sich das beim Mann? Dessen sexuelle Betätigungen vor der Ehe oder außerhalb derer – kurz dessen sexuelle Freiheit - wird übergangen und steigert sich mitunter bis zu „männlicher Anerkennung“, sofern es nicht übertrieben wird.

Viele Frauen schränken sich in ihren Erwartungen vom Eheleben dadurch ein, indem sie sich den Vorstellungen des Mannes (und der Familien) beugen.

In Mecklenburg im Urlaub erlebten wir wenige Jahre nach der Wende, dass ganze Straßenzüge von Arbeitslosigkeit geprägt waren. Dabei wies man uns darauf hin, dass die größten Schwierigkeiten in den Familien bestehen, wo der Mann keine Arbeit bekommt und die Frau (wenn auch weniger als ein Mann) den Unterhalt ranschafft. Zweitschlimm sei, wo die Kinder das Geld einspielen können/müssen.

Das Geld bringt nicht der Mann heim? Deprimierend für die Männer! Habe das in all den Jahren immer wieder überall gehört und gesehen.

Wenn in einer länger dauernden Beratung plötzlich einer sagt, dass er zumindest jetzt einen Kaffee vertragen könne, dann schauen die meisten Männer wie auf Pfiff die einzige Frau in der Runde oder eben die Frauen der Runde an, was sie dazu sagen würden. Dabei ist erwartet, dass sie die Blicke als Aufforderung zum Kaffeezubereiten möglichst schnell verstehen und widerspruchslos zur Tat schreiten – möglichst lächelnd.

Ach was führe ich da alles an?!

Man braucht doch nur ins Grundgesetz zu sehen, wo die Gleichheit von Mann und Frau festgeschrieben ist. Die Wirklichkeit sieht doch ganz anders aus! Immer noch! Mit und ohne 20 Jahre Einheit – also keine Ausrede möglich. Die Männer sorgen schon dafür, dass Frauen mehr leisten/können müssen als das „starke Geschlecht“ um „gleiche Chancen“ zu bekommen. Ganz abgesehen davon, dass Frauen weniger Geld für gleiche Arbeit erhalten. Mit: Naja, ist eben so, war immer so und wird wohl auch so bleiben! – ist das wohl keineswegs beantwortet.

Der Wert von Hausarbeit wird wohl erst dann richtig Beachtung finden, wenn „Hausmann“ als normaler Beruf gesehen wird.

In einem am 15.02.2011 gesehenen TV-Talk, sagte die Brandenburgische Ministerin Martina Münch sinngemäß: Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau wird es erst geben, wenn Frauen mit der gleichen Unwissenheit Berufe ausüben können, wie das für Männer üblich ist.

Das macht die Thematik eigentlich humorvoll deutlich!

Zu DDR-Zeiten bat ich meinen Chef, meine Arbeit auch daheim machen zu dürfenin Verbindung mit der gesetzlichen Möglichkeit, bei Krankheit des Kindes auch als Mann daheim zu bleiben. Da meine Schreibtischarbeiten wahrlich zu Hause erledigt werden konnten, während meine Frau als Lehrerin viele Schüler mehrerer Klassen hätte allein lassen müssen, war mir das ein vernünftiger wie praktisch guter Vorschlag. Nein – erhielt ich zur Antwort.

Also brachte ich unseren Jüngsten mit Kinderwagen mit an die Arbeit, stellte ihn mit diesem hinter das Verwaltungsgebäude ins Grüne so, dass ich ihn vom Schreibtisch aus auch im Blick hatte.

Natürlich war der verlassen stehende Kinderwagen bald Gesprächsthema verbunden mit der Frage, welche Rabenmutter ihr Baby mit an die Arbeit genommen und dort allein gelassen habe. Als man mich als Raben“mutter“ wahrgenommen hatte, erntete ich spöttische aber auch anerkennende Blicke.

Dass der Sprössling natürlich auf meinem Schreibtisch gewickelt wurde und am Tisch seine Speise bekam, verstand sich aus meiner Sicht von selbst.

Als ich den Wunsch einer Kollegin erfüllte und diese den Kleinen auch mal wickeln wollte, geschah es allerdings, dass er vom Beistelltisch des Rechners mit einem hohen Strahl in das Lochstreifenlesegerät traf. Schaden konnte aber fix abgewendet werden – abgesehen davon, dass der Rechner für die Zeit der Trockenlegung des Lesegerätes außer Betrieb war.

Irgendwie ging es nach zwei Tagen dann doch, dass ich mit Arbeit und krankem Kind daheim bleiben durfte.

Doch wieder zum Ernst des Themas.

Wenn Männer ihr Denken über Frauen im Beruf „normalisieren“ und mit der gleichen Elle wie gegenüber Männern messen, sollte sich die Situation bessern. Hinzu gehört allerdings auch, dass Frauen sich im Beruf durchsetzen wollen, wenn sie das für sich für richtig/wichtig halten.

Was es da umzudenken gibt? Ach ja: Nicht nur bei Männern sondern auch bei Frauen muss sich da etwas ändern!

Als Mitglied im Elternbeirat der Kinderkrippe ergab es sich, dass ich darum gebeten wurde, ob ich die letzte Stunde eines Tages mal die noch nicht abgeholten Kinder betreuen würde, weil die Erzieherinnen sich zur kleinen Feier eines Geburtstages zusammensetzen wollten. Na klar! Als ich mich dann allerdings zu den Kindern ins große Laufgitter legte und überall deren Hände und Füße nicht immer sanft zu spüren bekam neben kleinen Bissen, traten Mütter ein mit dem Aufschrei: Wie denn? Unbeaufsichtigte Kinder? Als ich auf mich aufmerksam machte, kam: Was soll denn das nun werden? Sie! Als Mann bei den Kindern?!

Inzwischen sind fast 40 Jahre vergangen. Aber hat sich da viel oder gar ausreichend etwas geändert?

Antwort: Nein! Sonst gäbe es dieses Thema ja gar nicht: Quoten-Frau!

23:46 16.02.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

udz

Freundliches und achtungsvolles Begegnen sind mir Leitfaden.
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