Was unten ankommt

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Politiker und Realität: Zwei Welten treffen aufeinander

Ich erinnere mich an eine Bundestagung in Bremen: Das kleinste Bundesland lud mit Hilfe der Bertelsmann-Stiftung zu einer Tagung darüber ein, was von neuen und bestehenden Gesetzen letztlich "unten" in der rauhen Wirklichkeit ankommt. Das Ergebnis: Es gibt eine Reihe von Vorschriften, die unnütz oder überholt sind. Anwesende Politiker gelobten Besserung.

Zehn Jahre später: Was ist davon geblieben? Gefühlt nichts, im Gegenteil: Die vor sich hin werkelnde Politikerkaste macht die Lage für Praktiker vor allem aber für "Otto Normalverbraucher" immer komplizierter. Und die Beiträge "der da oben" werden ständig unqualifizierter.

Kein Wunder, wissen sind leider viele der Abgeordneten doch noch - um es mit Volkes Stimme zu sagen - doch noch ordentlich grün hinter den Ohren. Da ist zum Beispiel unsere Bundesfamilienministerin. Frau Schröders Vita zeugt nicht unbedingt von allzu viel Lebenserfahrung außerhalb der CDU-Kreise in Hessen und Berlin. Jemand, der sein Leben lang malocht hat, dürfte wohl eher über die Äußerungen von Frau Schröder schmunzeln - und ihr dann mehr oder weniger den Vogel zeigen.

Aber keine Panik, die Bundesfamilienministerin reiht sich in in die Reihe zahlreicher Politiker-Vorgänger quer durch alle Parteien ein. In diesem Zusammenhang fällt mir unser Einheitskanzler und das Verhalten seiner Parteigänger ein. Herr Kohl hat sich bis heute verbeten, die Mega-Geldgeber für seine Partei zu nennen. Das Motto: Es gibt geltendes Recht und es gibt die Gesetze des Bundeskanslers a.D. Und was geschieht innerhalb der Christdemokraten? Das Parteivolk bejubelt ihn noch - so geschehen etwa beim Neujahrsempfang in Bremen.

Und dann ist da noch "Stuttgart 21". Ich frage mich spontan, wie es wohl kommt, dass gerade jetzt so viele Parteigänger und Sympathisanten des bürgerlichen Lagers auf das Pferd der unbedingten Durchsetzung setzen. Und die Kanzlerin? Sie redet dem Projekt das Wort - obwohl es Frau Merkel doch aufgrund ihrer Biografie viel besser wissen müsste. Aber Leipzig ist ja sowohl geografisch als historisch weit weg...

09:04 22.11.2010
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Geschrieben von

Ulf Buschmann

Die geraden Wege sind die längsten.
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