Ulmer_Schachtel

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RE: Hugo Chavez und das "Lügenpack" | 19.10.2012 | 19:01

Was den letzten Satz angeht: Ich denke, dass in Venezuela in den letzten Jahren eine der ganz wenigen progressiven Entwicklungen zu beobachten ist - ein Lichtblick angesichts der politischen und medialen Eiszeit, die in Dtl. herrscht.

Als Quelle für Informationen aus erster Hand kann ich Dario Azzellinis Dokus empfehlen: http://www.azzellini.net/films

In Azzellinis Filmen ist zu erleben, dass es in Venezuela an der Basis um einen Prozess der Selbstermächtigung geht, der mit Tausenden von Endlosdiskussionen verbunden ist und auch sehr anstrengend sein kann. Man kann Chavez als Typ mögen oder auch nicht, sein historisches Verdienst ist, diesen Prozessen Räume geöffnet zu haben - und eben nicht die Wasserwerfer geschickt zu haben, um Caracas mal mit Stuttgart kurzzuschließen.

Interessant ist die Parallele: Hinter den Basisbewegungen in Venezuela und hinter dem Widerstand gegen Stuttgart21 steht doch die Überzeugung, Entscheidungen in die eigene Hand zu nehmen und nicht mehr an eine schwarz, rot oder grün lackierte Instanz zu delegieren. Und wie gesagt: In Stuttgart ist das ein Grund, die Wasserwerfer ausrücken zu lassen, in Venezuela wird das quasi "von ganz oben" ausdrücklich unterstützt. Siehe auch Raul Zeliks schon ein bisschen älteres Buch "Made in Venezuela", denn in der "Zeit" oder in der "FAZ" wird man das nicht finden (aber auch und vor allem in der taz nicht)...

Vor diesem Hintergrund wird die allergische Reaktion auf Chavez (und auf den Widerstand gegen S21) in den deutschen Mainstream-Medien verständlich - wobei ich hier gerne noch den unterirdischen DLF ergänzen möchte, der in Sachen Venezuela genauso versagt wie in Sachen Stuttgart21 oder - je nach Perspektive - seine gegenaufklärerische Funktion voll erfüllt.