RE: Schon aus Prinzip | 10.09.2018 | 15:53

Mich würde interessieren: Haben aus den "Volksrepubliken" in den letzten 3 Jahren deutsche Journalisten von bekannten deutschen Medien berichtet oder haben diese Gebiete diese Ehre nicht verdient?

RE: Sowjetischer Soldaten-Alltag in Brandenburg | 27.08.2018 | 21:00

Hier ein Artikel von mir aus der Sächsischen Zeitung über Rekrutenschinderei in einer Panzerschule, der 2006 international Schlagzeilen machte.

https://ulrich-heyden.de/article/hohe-militars-uben-druck-auf-zeugen-aus

Die russischen Fernsehkanäle berichteten 2006 sehr ausführlich über diesen Skandal. Das Fernsehen spielte damals - wie auch in anderen Fällen wo in Russland Menschenrechte verletzt wurden - eine korrigierende Rolle, indem es die Öffentlichkeit sensibilisierte und auf die beteiligten hohen Militärs Druck ausübte.

Viele deutsche Medien aber nutzten den Skandal von Tscheljabinsk 2006 um in boshafter Freude mit dem Finger auf das "rückständige" und "gewalttätige" Russland zu zeigen.

Die russische Armee wurde seit Mitte der 2000er Jahre komplett modernisiert. Der Anteil der Berufssoldaten wurde massiv erhöht. Und der Sold wurde erhöht. Ich will nicht ausschließen, dass es immer noch Soldatenschinderei gibt. Aber nach Tscheljabinsk habe ich von keinen derartigen Extrem-Fällen mehr gehört.

Schindereien sind keine Spezialität der russischen Armee. Die gibt es auch bei Anderen, sogar bei Elite-Einheiten der Bundeswehr.

Ich finde es aber völlig daneben, die historische Schlüsselrolle, welche die Rote Armee beim Sieg über Hitler-Deutschland gespielt hat, mit gehässigen Berichten über das Leben der Sowjet-Soldaten in der DDR zu vernebeln. Dieser Sieg steckt den Nato-Strategen bis heute in den Knochen. Und Russland konnte auch aufgrund dieses Sieges bis heute ruhig leben.

RE: Sowjetischer Soldaten-Alltag in Brandenburg | 27.08.2018 | 14:34

Mich ärgert, dass hier im Forum alles Mögliche zusammengekratzt wird, um die sowjetische Armee, welche in der DDR stationiert war, schlecht zu machen, ihre Rolle in der DDR in ein grelles-mörderisches Licht zu rücken. Da darf man ja wohl mal nachfragen, wann denn der Deserteur erschossen wurde. Diesen Fall zu recherchieren ist nicht meine Aufgabe sondern die Aufgabe derjenigen, die diesen Vorfall als großartigen Beweis für die schlimme Rolle der Sowjetarmee in der DDR vorbringt.

RE: Sowjetischer Soldaten-Alltag in Brandenburg | 27.08.2018 | 13:12

Sie schrieben vorher: "Wir waren sogar mal Zeugen, wie ein Desserteur dirkt auf der Kreuzung Friedrichstraße erschossen worden ist." Nun schreiben Sie, dass der Soldat "alles überlebt" hat. Warum diese Kehrtwende? Damit die Leser hier mitverfolgen können, was wirklich passierte, wäre es nett, wenn Sie ein paar genauere Angaben machen könnten, beispielsweise über den Tag an dem es passierte.

RE: Sowjetischer Soldaten-Alltag in Brandenburg | 27.08.2018 | 11:46

"Ob er wirklich zwei Tage nach seiner missglückten Flucht erschossen wurde, ist bis heute nicht bekannt." Dieser Satz steht am Ende Ihres Belegs "Flucht vor der Roten Fahne". Lesen Sie eigentlich Ihre Belege, bevor sie sie veröffentlichen?

RE: Sowjetischer Soldaten-Alltag in Brandenburg | 26.08.2018 | 15:57

Die Rede von Weizsäcker war der Versuch die deutsche Gesellschaft langsam an das internationale Niveau heranzuführen, an die Erkenntnis, dass Deutschland den Krieg begonnen hat, dass es sich mit Russland versöhnen muss.

Bis dahin gestand Deutschland die historische Schuld nicht ein. 1985 trauerte man um gefallene deutschen Soldaten, aber nicht um ermordete Juden und drei Millionen in deutscher Obhut verhungerte sowjetische Kriegsgefangene.

Sie schreiben: "Es war auch für die Ukrainer eine Befreiung, aber ebenso folgten Flucht, Vertreibung und Unfreiheit verursacht von der Sowjetunion."

Damit wiedersprechen Sie Weizsäcker, der die NS-Gewaltherrschaft als Verursacher für "Flucht und Vertreibung und Unfreiheit" nennt: "Aber wir dürfen nicht im Ende des Krieges die Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen. Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte."

Mit der "Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte", ist Hitler-Deutschland gemeint und nicht die Sowjetunion.

Hitler-Deutschland musste damit rechnen, dass im Falle eine Niederlage, die Sowjetunion vorrückt, mit alle seinen Folgen, wie Flüchtlingsströmen. Das ahnten auch die Hitler Attentäter um Staufenberg, die nach der verlorenen Schlacht in Stalingrad begriffen, dass man mit dem Krieg Schluss machen muss, weil von Deutschland sonst nichts mehr übrig bleibt und sie selbst als Kriegsverbrecher an den Galgen kommen.

RE: Sowjetischer Soldaten-Alltag in Brandenburg | 26.08.2018 | 14:22

Bundespräsident Richard von Weizsäcker war einer von den wenigen führenden deutschen Politikern, welche die Geschichte des Zweiten Weltkrieges und dessen Ergebnisse nicht vom Ende sondern vom Anfang erzählten und deuteten. Er redete nicht vom Stalinismus, vom Gulag-System, nicht von der Hungersnot in der Ukraine, er sprach nicht über erschossene sowjetische Deserteure in Ostdeutschland, nicht über den Drill in der sowjetischen Armee, er sprach von Deutschland, welches den Zweiten Weltkrieg begann und erinnerte die Deutschen an ihre historische Verantwortung.

Dieses Herangehen ist leider völlig aus der Mode gekommen. Weizsäcker würde mit seiner Rede von 1985, wenn er sie heute nochmal halten würde, von deutschen Medien vermutlich als "naiv", "Russland-Versteher" oder sogar "Putin-Freund" abgeurteilt. Die Medien würden Weizsäcker zumindestens "Einseitigkeit" vorwerfen.

Zur Erinnerung und zum Nachdenken, wie weit wir schon auf die anti-russische Bahn geraten sind, hier ein paar Zitate:

„Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Niemand wird um dieser Befreiung willen vergessen, welche schweren Leiden für viele Menschen mit dem 8. Mai erst begannen und danach folgten. Aber wir dürfen nicht im Ende des Krieges die Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen. Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte. (…)

Die Spaltung Europas in zwei verschiedene politische Systeme nahm ihren Lauf. Es war erst die Nachkriegsentwicklung, die sie befestigte. Aber ohne den von Hitler begonnenen Krieg wäre sie nicht gekommen. Daran denken die betroffenen Völker zuerst, wenn sie sich des von der deutschen Führung ausgelösten Krieges erinnern.(…)

Die Bitte an die jungen Menschen lautet: Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hassgegen andere Menschen, gegen Russen oder Amerikaner, gegen Juden oder Türken, gegen Alternative oder Konservative, gegen Schwarz oder Weiß. Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander.“

Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/rede-vonweizsaecker-wortlaut-101.html

RE: Sowjetischer Soldaten-Alltag in Brandenburg | 25.08.2018 | 21:14

An welcher Stelle rechtfertige ich denn den Tod sowjetischer Deserteure???? Dichten Sie mir hier nichts an, was ich nie geschrieben habe, sonst muss ich sie sperren lassen.

Dass hier von einigen Forenten das Schicksal der "armen" sowjetischen Soldaten und Deserteuren beklagt wird, ist für mich Heuchelei. Denn es fällt auf, dass die, welche hier über "arme" sowjetische Soldaten und Deserteure klagen, kein positives Wort zum Sieg der Sowjetunion 1945 sagen. Diesen Sieg haben viele Deutsche und auch einige Forenten hier bis heute nicht verkraftet. Die Heldentat wird einfach nicht anerkannt, weil Russland auch heute wieder der Hauptfeind.

RE: Sowjetischer Soldaten-Alltag in Brandenburg | 25.08.2018 | 13:38

@Magda, habe ich bestritten, dass Ukrainer gemeinsam mit Russen, Tschetschenen, Georgiern, Aserbaidschandern, Kasachen, Turkemen und den Angehörigen anderer Nationalitäten, die in der Sowjetunion lebten, Ost-Europa und den östlichen Teil Deutschlands vom Faschismus befreit haben?

Nun gut, lassen sie uns also über die Ukraine reden. Von dort droht Deutschland ein übler Geschichtsrevisionismus, den große deutsche Medien leider kritiklos weiterverbreiten.

Der ehemalige ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk erklärte am 7. Januar 2015 in den "Tagesthemen": "Wir können uns alle sehr gut auf den sowjetischen Anmarsch auf die Ukraine und nach Deutschland erinnern. Das muss man vermeiden und keiner hat das Recht, die Ergebnisse des zweiten Weltkrieges neu zu schreiben."

Ultranationalist Jazenjuk sieht die Befreiung der Ukraine und Ost-Deutschlands durch sowjetische Soldaten (Russen, Ukrainer, Weißrussen, Kasachen u.a.) vom deutschen Faschismus also als russische Okkupation. Wäre es nach Jazenjuk gegangen, dann wäre es besser gewesen, wenn die Sowjetunion die Ukraine und Ost-Deutschland nicht vom Faschismus befreit hätte.

@Magda, die armen, eingesperrten sowjetischen Soldaten taten ihnen also leid. Merkwürdig. Unter den vielen ehemaligen Soldaten der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland, die ich in in den letzten 26 Jahren in Russland, der Ukraine und anderen ehemaligen Sowjetrepubliken traf - im Taxi, bei zufälligen Treffen auf der Straße, bei Interviews, auf geselligen Abenden - waren ausnahmslos alle von ihrer Zeit in der DDR begeistert. Sie schwärmten und schwärmen in den höchsten Tönen.

RE: Sowjetischer Soldaten-Alltag in Brandenburg | 25.08.2018 | 11:58

Wünsdorf war beim deutschen Angriff auf Polen und die Sowjetunion eine Schaltstelle des deutschen Militärs. Ab März 1935 residierte hier das Oberkommando der deutschen Wehrmacht. Im „Zeppelin“-Bunker von Wünsdorf befand sich während des Angriffskrieges gegen den Osten einer der größten Nachrichtenknotenpunkte während des Zweiten Weltkrieges. Millionen Menschen wurden durch über Wünsdorf geleitete Befehle getötet. Darüber sollte man beim Thema Wünsdorf auch reden. Dass nach 1945 sowjetische Deserteure von sowjetischen Offizieren erschossen wurden, mag sein. Aber diese Erschießungen in den Mittelpunkt zu stellen, als "Beweis" für russische Rückständigkeit, Militarismus, Expansionsstreben und alles Böse schlechthin - wie es hier einige tun- verkehrt doch die Geschichte, die mit einem Angriff von Hitler-Deutschland begann.