Tag der Partisanen

Russland Während des Zweiten Weltkrieges kämpften auf dem okkupierten Territorium der Sowjetunion eine Million Partisanen in 6.200 Gruppen gegen die deutsche Wehrmacht
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Am 29. Juni ist in Russland der "Tag der Partisanen und Untergrundkämpfer". Mein Vater, Offizier der Wehrmacht an der Ostfront, hat die Partisanen gehasst. Er erzählte, sie hätten nicht fair gekämpft und von hinten angegriffen. Was mit den gefangenen Partisanen gemacht wurde, wagte ich ihn nicht zu fragen. Dass Deutschland die Sowjetunion am 22. Juni 1941 unter Bruch eines Nichtangriffsvertrages überfiel, war für ihn kein Grund moralischer Verurteilung. Erst als Erwachsener sah ich in russischen Büchern Fotos von sowjetischen Partisanen, welche deutsche Soldaten zur Abschreckung in sowjetischen Dörfern gehängt hatten.

Eine der bekanntesten sowjetischen Untergrundkämpferinnen ist Soja Kosmodemjanskaja. Sie gehörte einer Gruppe an, die 1941 an der sowjetischen Westfront im Einsatz war. Schon während ihrer Ausbildung wurde den Mitgliedern der Gruppe gesagt, dass sie ihren Auftrag wahrscheinlich nicht überleben werden.

Soja bekam den Auftrag in dem von den Deutschen besetzten Gebiet Häuser anzuzünden, in denen deutsche Soldaten schliefen. Nachdem Soja drei Häuser angesteckt hatte, wurde sie verhaftet, gefoltert und am 29. November 1941 im Dorf Petristschewo im Moskauer Umland gehenkt. Sie wurde 18 Jahre alt. Vor der Vollstreckung des Urteils rief sie die Dorfbevölkerung auf, gegen die deutschen Okkupanten zu kämpfen.

Soja wurde zum Symbol. Über sie gibt es zahlreiche Bücher und Filme. Sie war die erste Frau, die während des Zweiten Weltkrieges (in Russland: Großer Vaterländischer Krieg) die Auszeichnung "Held der Sowjetunion" bekam.

Auf dem von den Deutschen okkupierten Territorium der Sowjetunion waren in den Jahren 1941 bis 1944 6.200 Partisanen-Einheiten und -Gruppen mit insgesamt einer Million Menschen im Einsatz. Ihre Stärke war: Verbundenheit mit der Bevölkerung, hohe Motivation, für den Gegner unberechenbar.

Die sowjetischen Partisanen hatten einen wichtigen Anteil beim Sieg über den deutschen Faschismus, ebenso wie die Partisanen, die in Griechenland, Italien und Frankreich gegen die deutsche Wehrmacht kämpften. Das in Deutschland bekannteste Partisanenlied "Bella ciao" kann man zwar auf deutsch singen, es stammt aber aus Italien.

Ich hoffe, dass es in Deutschland irgendwann einen "Tag der antifaschistischen Untergrundkämpfer" gibt. Man könnte zumindest mal ein Stadion mit den Porträts der bekanntesten deutschen Antifaschisten beleuchten.

Der 20. Juli als Erinnerungstag an die deutschen Militärs, die 1944 das Attentat auf Hitler organisierten und eine neue Regierung vorbereiteten, betrifft nur eine Gruppe des Widerstands. Was ist mit den Kommunisten, Sozialdemokraten und Pazifisten, die in Deutschland im Untergrund Widerstandsgruppen bildeten. Warum wird ihr Mut nicht offiziell und öffentlich gewürdigt?

18:51 02.07.2021
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