Wie der Tagesspiegel Fakten verdreht

Minsker Abkommen Wer in Berlin sitzt und die Lage in der Ost-Ukraine analysieren will, sollte sich zunächst den neuen Film von Mark Bartalmai angucken
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Ich bin gerade in Donezk, spreche mit den Menschen auf der Straße, besuche durch ukrainische Geschosse zerstörte Wohnhäuser und spreche mit den Bewohnern, die noch in diesen Häusern ausharren, weil sie keine andere Bleibe haben.

Wenn ich dann abends ins Internet gehe, kann ich nur den Kopf schütteln über soviel Ignoranz gegenüber der Realität in Donezk und Lugansk.

Die Kommentatorin einer der angesehensten Berliner Zeitungen gibt vor, das Scheitern des Minsker Abkommens zu analysieren http://www.tagesspiegel.de/politik/zwei-jahre-minsker-abkommen-eine-geschichte-des-scheiterns-in-der-ukraine/19379196.html . Doch herausgekommen ist kein Analyse, sondern eine Vernebelung.

Das Abkommen von Minsk ist nicht gescheitert, weil sich "russische Truppen", die bisher Niemand nachgewiesen hat, in den "Volksrepubliken" aufhalten, sondern weil Kiew - unterstützt von seinen westlichen Förderern - sich hartnäckig weigert, die "Volksrepubliken" Donezk und Lugansk mit ihren heute 3,7 Millionen Einwohnern an der politischen Macht in der Ukraine zu beteiligen, z.b. in Form eines Autonomie-Status oder einer generellen Föderalisierung der Ukraine. Kiew ist noch nicht mal bereit sich mit Vertretern der Volksrepubliken an einen Tisch zu setzen, um über eine beidseitige Amnestie und Wahlen in Donezk und Lugansk zu verhandeln.

Das Abkommen von Minsk ist auch gescheitert, weil die deutschen Medien sich weigern, über die seit drei Jahren andauernde Beschießung der Wohngebiete in den "Volksrepubliken" durch die ukrainische Armee und die nationalistischen Bataillone zu berichten, weil sie damit Kriegsverbrechen beschweigen und letztlich auch befördern.

Und was für eine Friedenstruppe meint Frau von Salzen? Wer soll sie bilden? Die EU, welche im November 2013 von Kiew ultimativ gefordert hat, sich zwischen der EU und Russland zu entscheiden? Die Nato, die Russland direkt vor seiner Grenze nicht sehen will? Die UNO, die sich auf eine Friedenstruppe nicht wird einigen können, da es unterschiedliche Ansichten zum Selbstbestimmungsrecht von Donezk und Lugansk gibt?

Vielleicht sollte Frau von Salzen selbst mal in die "Volksrepubliken" reisen oder sich den neuen Film von Mark Bartalmai "Frontstadt Donezk" angucken. Dann könnte sie begreifen, dass die "Volksrepubliken" existieren, dass sie ein politischer Faktor sind, den man nicht wegschweigen kann.

07:01 14.02.2017
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