Ulrich Kühne

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RE: Die Würde einer Hautschuppe | 11.08.2009 | 22:46

Sie glauben an einen fundamentalen biologischen Unterschied zwischen Mensch und Tier? Also an einen Unterschied, der sich darin manifestiert, dass sich andere Säugetiere leicht klonen lassen, aber dem Klonen von Menschen ein biologisch-naturgesetzliches Hindernis im Weg steht?

Was die anderen Punkte angeht, haben Sie natürlich recht: Der Fortschritt der Chinesen ist, wie geschrieben, nur „ein kleiner“. Und natürlich könnte sich die katholische Kirche auf den Standpunkt stellen, dass alle diese Fortschritte solange ignoriert werden dürfen, bis tatsächlich einmal unter notarieller Aufsicht ein Mensch ausschließlich aus einer Hautzelle und petrochemisch gewonnener Chemikalien (ohne Zuhilfenahme eines Uterus) erschaffen wurde (und dieses Wesen nach den Maßstäben der Kirche als ein beseelter Mensch erkannt wurde). Dass das passiert, möge Gott verhüten! Aber zu vermuten, dass das rein naturgesetzlich nicht funktionieren kann, halte ich, gerade auch angesichts des kleinen Erfolgs der Chinesen, für naiv.

RE: Die Würde einer Hautschuppe | 09.08.2009 | 18:16

... das würde mich auch brennend interessieren!

Aber das Problem ist ja jetzt erst ganz neu entstanden und da müssen wir der katholischen Kirche wohl einfach erst Mal ein paar Jahre Zeit geben, darüber nachzudenken. Ein intellektueller Schnellschuß wie nach der Erfindung der Pille wäre jedenfalls in keinem Interesse.

RE: Die Wüste lebt | 26.07.2009 | 01:02

@donada: Danke für die Nachfrage!
Tatsächlich wird für den Wärmespeicher kein Salzwasser sondern eine Salzschmelze verwendet - aber nicht nicht von Kochsalz (Schmelztemperatur rund 800 Grad Celsius), sondern von den Salzen Kaliumnitrat (Schmelztemperatur 334 Grad) oder Natriumnitrat (306 Grad) oder einer Mischung von beiden.

RE: Musen gegen Maschinen | 09.07.2009 | 14:25

Das ist genau, was mich an den "meinungsbildenden" Groß-Feuilletons anderer Zeitungen oftmals stört: Da rezensiert ein vermeintlich objektiver Kritiker eine Ausstellung, hat vielleicht zuvor auch nur einen kurzen Blick drauf geworfen, und liefert doch nicht mehr als eine Meinung im Meer der Meinungen.

Hier hingegen hat der wissenschaftliche Leiter selbst sein Ausstellungs-Konzept vorgestellt. Vorgestellt, wohlgemerkt, also die Theorie hinter dem Dargestellten erklärt und nicht (was sowieso gar nicht ginge) sich selbst bewertet oder rezensiert. Ganz im Gegenteil: Genau dadurch, dass er hier seine tieferliegenden Absichten hinter den offensichtlichen Ausstellungsstücken offen legt, setzt er sich einer sehr viel fundierteren und treffenderen Kritik aus.

Siehe zum Beispiel Heribert Schramm. Seine Kritik trifft genau die zentralen Punkte, meine ich. Schade, dass "ff dabei" sich nicht darauf einlässt.

RE: Freiheit in Zeiten des Brainscans | 07.06.2009 | 00:31

Tononi hat (wie üblich bei Festvorträgen) hauptsächlich sich selbst zitiert - seinen Aufsatz: "Consciousness as Integrated Information: a Provisional Manifesto", veröffentlicht in: Biol. Bull. Nr. 215 vom Dezember 2008, Seiten 216-242. - Der Abschnitt über das nicht-aktuale Wissen ist dort auf Seite 233 - mit einem hübschen Zitat von E.M. Forster "How do I know what I am till I see what I do?"

RE: Freiheit in Zeiten des Brainscans | 07.06.2009 | 00:30

Tononi hat (wie üblich bei Festvorträgen) hauptsächlich sich selbst zitiert - seinen Aufsatz: "Consciousness as Integrated Information: a Provisional Manifesto", veröffentlicht in: Biol. Bull. Nr. 215 vom Dezember 2008, Seiten 216-242. - Der Abschnitt über das nicht-aktuale Wissen ist dort auf Seite 233 - mit einem hübschen Zitat von E.M. Forster "How do I know what I am till I see what I do?"

RE: Freiheit in Zeiten des Brainscans | 06.06.2009 | 23:35

Genau in diesem Augenblick (noch bis einschließlich Montag, 8. Juni) findet übrigens diesmal in Berlin die große Jahreskonferenz "ASSC XIII" der "Association for the Scientific Study of Consciousness" statt! Dort kann man nicht nur John-Dylan Haynes treffen und den Berliner Philosophieprofessor Michael Pauen (der schon mehrmals für den FREITAG geschrieben hat), sondern auch zahlreiche andere berühmte Wissenschaftler wie z.B. Michael Tomasello, Jaegwon Kim, David Papineau, Giulio Tononi, Christof Koch u.v.a.

Die Hauptvorträge sind in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (Gendarmenmarkt), die Sektionsvorträge im Hautpgebäude der Humboldt-Universität. Leider ist der Eintritt für Leute, die nicht das Glück haben, eine Journalistenfreikarte zu bekommen, ziemlich teuer.

@schlesinger: Im Eröffnungsvortrag von Giulio Tononi (Universität von Wisconsin-Madison) wurde übrigens am Freitag Abend in einem Abschnitt genau dieses Problem diskutiert: Wie ist das nicht-aktuelle Wissen im Gehirn abgespeichert, das, wenn man es auslesen könnte, zu Vorhersagen der Art "Du bist dazu bestimmt, in einer Situation Y die Handlung X zu tun, von der Dir erst dann bewußt werden wird, dass Du sie tun willst." führen würde. -- Aber von technisch verwertbaren Lösungen ist hierbei die Forschung (glücklicherweise?) noch sehr weit entfernt.

RE: Wie man Gesunde heilt | 18.05.2009 | 04:21

Sehr geehrter pappa gunter,
die Redaktion hat keinerlei Einflussmöglichkeit auf Auswahl und Inhalt der bezahlten Werbeanzeigen. Und die von der Redaktion beauftragten Autoren haben auch keine Möglichkeit, vorherzusehen oder gar zu entscheiden, welcher Anzeigenkunde den Platz neben seinem Artikel kauft. (Ungekehrt wissen natürlich auch die Anzeigenkunden nicht, von welchen Themen die Artikel neben ihren Anzeigen handeln.)
Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie die Qualität des Freitag weiterhin nach dem Inhalt beurteilen könnten, also nach der Qualität der redaktionellen Beiträge - denn nur darauf können wir Einfluss nehmen und uns bemühen, es besser zu machen.

RE: Das Phantom der Wattestäbchen | 27.03.2009 | 02:12

... oder wie schon Sokrates sagte: „Ich weiß, dass ich nur ein ‚Fachidiot’ bin.“ Nach meinem Wissen sind jedenfalls Leute, die ihr eigenes Wissen in Frage stellen und „dumme Fragen“ stellen, sehr viel wahrscheinlicher vor Betriebsblindheit gefeit, als Fachidioten-ohne-Anführungszeichen, die mit dem Brustton akademischer Professionalität ihre interdisziplinäre Kompetenzkompetenz hervorkehren.

RE: Das Phantom der Wattestäbchen | 26.03.2009 | 18:44

@digitus: Ist es wirklich „zwangsläufig“, dass Spezialisten zu „Fachidioten“ werden? Ich meine, ein wirklicher Spezialist muss die Fähigkeit besitzen, zu wissen, wo die Grenzen des eigenen Expertenwissens liegen. Er muss seine eigene Disziplin einbetten können in den Korpus menschlichen Wissens, muss seine fachlichen Urteile über den Tellerrand hinaus vermitteln können, auch und gerade gegenüber dem „common sense“ der Nichtexperten. Anders gesagt: er besitzt Grundlagenwissen in Wissenschaftsphilosophie. Expertenwissen ohne Wissenschaftsphilosophie ist blind. (Wie auch Wissenschaftsphilosophie ohne Bezugnahme auf Spezialdisziplinen inhaltsleer ist.)

Irren ist menschlich. Fehler werden sich nie völlig vermeiden lassen. Zugegeben! Aber sind die Fälle, die ich in kurzer Andeutung aufgelistet habe, deshalb akzeptabel? Meine Absicht war, die wirklichen Experten in Schutz zu nehmen und zu verteidigen gegen ein Berufsumfeld, das sich offenbar in einer solchen Weise fehlentwickelt, dass wirkliche Experten Gefahr laufen, auf ihren eigenen Planstellen zur Minderheit zu werden. Mir ist es nicht genug, zu wissen, dass die meisten Gebäude baustatisch solide gebaut sind und die meisten (deutlich über 50%!) Flugreisen ohne Absturz enden.

Ich glaube nicht, dass die Probleme hauptsächlich Folge von Überarbeitung, zuwenig Personal und Sachmitteln sind. Hier, beim Fall der Suche nach dem „Phantom“ gab es eigentlich reichlich Personal und weder Kosten noch Mühen wurde gespart. Die Lösung ist sehr viel weniger kostenintensiv. Mehr und bessere Supervision – das halte ich auch für sinnvoll. Überhaupt: Teamstrukturen, die so sind, dass kreative „Störungen“ zugelassen und im Rahmen sogar gefördert werden. Eine ernsthafte Beschäftigung mit abweichenden Meinungen stattfindet.

Das bringt mich zum Kommentar von flaucher: Ich glaube, wir meinen genau das Gleiche! Nur, ist der Name „Dilettant“ gut gewählt? Ist nicht der „Dilettant“, von dem Sie sprechen, nicht eigentlich ein Mensch, der die erste Lektion der Wissenschaftsphilosophie verinnerlicht hat: Skeptisch zu bleiben und festgefügtem Wissen zu misstrauen? – Und doch, ja, ich glaube, das kann und muss man auch innerhalb von Universitäten unterrichten können! Es geschieht sogar schon (in sehr, sehr geringem Umfang) in Seminaren für Wissenschaftsphilosophie...