Luftiges Wohngefühl auf engstem Raum

Modernes Wohnen Der Bau eines Eigenheims, Mieten und Nebenkosten werden immer teurer. Da überlegt mancher, wie sich die Wohnausgaben so reduzieren lassen, daß noch was zum Leben bleibt.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Eine Wohnung für eine Person muss eine Mindest-Wohnfläche aufweisen, um die Führung eines selbständigen Haushalts zu ermöglichen. Maßgebend ist hier die DIN 18011. Diese sieht als für den Einpersonen-Haushalt ausreichende Wohnfläche ein-schließlich Nutzfläche (Kellerraum, Dachboden) mindestens 40-50 m² vor. Dies deckt sich weitgehend mit den Zahlen, die bei der Bedarfsermittlung für Wohnraum (wichtig bei Förderanträgen bzw. Anträgen auf Mietzuschuss oder Übernahme der Kosten der Unterkunftnach dem SGB II) genannte werden (1 Person ca. 45 - 50 m²).

Wohnungsgrößen unterhalb der hier genannten Bedarfszahlen scheinen aber ebenfalls zulässig zu sein. Wer sich auf dem großstädtischen Immobilienmarkt umsieht (z.B. Berlin), stößt auf 1-Zimmer-Appartements im Bereich von lediglich 35 m² oder sogar knapp über 20m². Wer außerhalb großstädtischer Ballungsgebiete auf kleinstem Raum leben will oder muss, aber dennoch den "Adlerhorst" der "Bienenwabe" vorzieht, findet Kleinsthäuser mit ähnlich geringer Fläche sowohl auf dem Markt für Mietobjekte (ja, auch früher schon musste klein gebaut werden!) als auch als Neubauprojekt. Kleine Fertig-, Container-, Modul und natürlich winterfeste Garten- und Ferienhäuser kann man entweder schlüsselfertig bestellen, in diversen Ausbaustufen ordern oder als Bausatz erwerben, dessen Einzelelemente man in Eigenarbeit zusammenbastelt.

Minihäuser oder sogar Microhäuser haben sich als hippe Trendbauten sogar bereits in den Architekturzeitschriften etabliert. Verbunden mit jeder Menge Öko-Fußabdruck-Theorie und Small-is-beautiful-Philosophie sind dies aber oft Edel-Varianten des "Tiny House" zu entsprechend luxuriösen Preisen. Billiger geht immer. Neues Rekordziel in der industrialisierten Serienfertigung ist das 10.000-Euro-Haus. Allerdings müssen alle Raum- und Materialspar-lösungen bei Nutzung als reguläres Wohngebäude bestimmte Mindestanforderungen an den Wohnhausstandard zu erfüllen, insbesondere diejenigen der jeweils gültigen Energie-Einsparverordnung. Wer jeglichem Behördenkram aus dem Wege gehen will, kann sein Kleinsthaus natürlich auch auf ein Fahrgestell bauen und mit seinem „Mobilehome“ auf Wanderschaft gehen. Oder er kauft sich gleich einen alten, einen fachmännisch restaurierten oder neuen Circuswagen.

Je kleiner das Appartement, das Minihaus oder das Mobilhome sind, um so mehr kommt es auf geschickte Raumausnutzung an. Zu den Grundgesetzen des Raum-sparens gehört neben der Mehrfachnutzung derselben Fläche für diverse Wohnfunktionen die volle Ausnutzung der zur Verfügung stehenden Raumhöhe. Altbauten und sog. „Schlafbodenhäuser“ mit Raumhöhen über drei Meter bieten dabei besonders günstige Voraussetzungen. Da wandert etwa das Doppelbett als Hochbett auf einen Holz-Kubus, der nicht nur den üblichen Kleiderschrank aufnimmt, sondern mit 8 m³ Rauminhalt auf 4 m² Grundfläche nahezu die gesamte Habe eines 1-2-Personen-Haushalts aufnimmt. Selbst WC und Dusche lassen sich auf derselben Grundfläche vereinen. Anleihen bei sog. „Pflege-Centern“ machen’s möglich. Und wie sich eine komplette Küche durch perfekte Raumausnutzung auf minimaler Fläche „hoch-stapeln“ lässt, kann man von den Bordküchen/Pantries aus dem Schiffsbau lernen. Den Rest erledigen Raumsparmöbel oder Multifunktionsmöbel. Da schwenkt ein kompletter Esstisch für sechs Personen aus dem Rahmen des Sideboards, das sich durch einen weiteren Auszug zum Computerarbeitsplatz erweitern lässt, der den darüber angebrachten Flachbildfernseher als Monitor nutzt. Oder ein komplettes Bett senkt sich von der Decke oder aus der Schrankwand hinter der Sofaecke herab. Oder auf kaum sichtbaren Bodenschienen gleiten mehrere kleiderschrankgroße Raumteiler-Elemente von rechts nach links, wie man es von großen Aktenarchiven kennt. Zwischen den Raumteilern öffnet sich mal das Schlafzimmer, dessen Bett aus dem Raumteile geklappt wird, mal ein Arbeitszimmer, mal das Wohnzimmer. Elektro-motoren machen das Ganze zum Kinderspiel. Doch kann Raumspar-Hightech auch schnell mal etliche Tausend Euro verschlingen.

Wichtig: Die multifunktionale Raumspar-Möblierung sollte nicht nur viel Stauraum schaffen, sondern auch – zumindest im „eingefahrenen“ oder „gefalteten“ Modus – möglichst viel freie Bodenfläche als Bewegungsraum belassen. Zahlreiche, durchaus auch einmal bodentiefe Fensterflächen, aber auch Oberlichter, Gauben, Licht-einlässe im Dach etc. können trotz der objektiven Enge ein luftiges Wohngefühl bewirken. Daneben bieten sich, vor allem in ländlichen Wohnlagen, Austritte und Terrassen mit Blick ins Grüne als Wohnraumerweiterung zumindest in der wärmeren Jahreszeit an.

Man muss die Beschränkung auf eine geringe Grundfläche zwar nicht ausschließlich unter dem Aspekt der Kostenersparnis betrachten, doch ist diese keineswegs zu ver-achten. Umbauten Raum, den man nicht hat, braucht man nicht zu heizen. Zudem können Kleinwohnungen bzw. –häuser mit intelligenten Heizsystemen (z.B. Infrarot-deckenstrahlern) ökonomisch beheizt werden, die leicht zu bedienen sind, kaum Wartung erfordern und ein ausgesprochen gesundes Wohnklima schaffen, da sie die Raumluft nicht erwärmen, keinen Staub aufwirbeln und keine Stauwärme (Schimmelbildung!) verursachen. Hinzu kommt ein weiterer Kosten- und Gesundheitsaspekt: Flächen, die man nicht bewohnt, müssen auch nicht geputzt und aufgeräumt werden. Das spart Kraft und/oder Personalkosten.

Eine Kleinwohnung oder ein Kleinhaus, die geschickt eingerichtet sind, erfüllen durchaus die Funktion einer seniorengerechten Ordnungshilfe. Alles hat auf konzen-triertem Stauraum mit vielen Fächern und Schubladen seinen festen Platz oder ist hinter Schiebetüren und Abseiten schnell versteckt, ohne dass man lange Wege zurücklegen muss. Das Erinnern – „Wo hatte ich das noch hingelegt?“ – fällt auf diese Weise leichter.

Beschränkung des Wohnraums und Barrierefreiheit oder Altersgerchtigkeit müssen keine Gegensätze sein. Bei geschickter Positionierung der Möblierung lassen sich durchaus breite Durchgänge oder unterfahrbare Arbeitsplatten und Waschtische schaffen. Paternosterschränke oder absenkbare Kleiderstangen ermöglichen die Nutzung von Hochschränken bzw. von deren Inhalt auch noch in sitzender Position.

Je älter der Mensch wird, um so mehr engt sich der Raum ein, den er noch „überblickt“ und eigenständig „im Griff“ hat. Deshalb eignet sich die bewusste Reduzierung des Wohnraums und dessen altersgerechte Planung und Optimierung hervorragend zur Altersvorsorge. Das Geld, das auf dem Sparbuch keine Zinsen mehr bringt, ist in eine Raumsparwohnung mit multifunktionaler Hightech-Möblierung gut investiert. Je früher man sich so auf den letzten Lebensabschnitt vorbereitet, um so besser. Die Zuschüsse für den altersgerechten Umbau kann man bereits in jungen Jahren beantragen, denn die Auszahlung ist nicht an ein vorgerücktes Lebensalter gebunden.

Viele, die sich auf diese Weise für ein „Minimalizing“ oder „Simplifying“ ihres Lebens entschieden haben, berichten von einer besonderen Zufriedenheit, die ihnen diese Reduzierung des Aufwands und der Belastungen durch das Wohnen gebracht hätten, von der Erweiterung der finanziellen Spielräume für andere Lebensbereiche einmal ganz abgesehen. Der Bauträger-Slogan „Leben statt Mieten“ (oder Hypotheken-Abzahlen) bekommt hier einen neuen Sinn.

16:44 28.05.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare