Die fleißigen Fremden

Migranten Ohne die hart arbeitenden und schlecht bezahlten Migranten würde es mancherorts schlecht aussehen
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Stellen Sie sich vor, Sie müssten ins Krankenhaus und dort stationär behandelt werden. Sie erwarten dann natürlich, dort ein sauberes Patientenzimmer vorzufinden, des weiteren gehen Sie davon aus, dass die Behandlungsräume hygienisch und keimfrei sind. Das können Sie mit Recht erwarten, schließlich leben wir in einem reichen und entwickelten Land. Aber stellen Sie sich nun folgendes vor: Die Vision vieler Fremdenhasser würde wahr werden und die meisten Migranten verschwänden aus Deutschland. Der Grund dafür ist egal, unterstellen wir einfach es wäre so. Als besagter Patient würde ihr Klinikaufenthalt dann zum Horrortrip, wenn denn die Klinik Sie überhaupt aufnehmen täte und Sie nicht vor verschlossenen Türen ständen, weil niemand mehr da wäre, das Haus sauber zu halten. Warum das so ist? Nun ganz einfach, weil das Reinigungspersonal in dem Krankenhaus zu etwa neunzig Prozent einen Migrationshintergrund hat. Die meisten sind Frauen und kommen aus der Türkei, aus Albanien, Tunesien, Rumänien, Griechenland und aus einer Reihe weiter Länder. Sie sprechen eine Art Unserdeutsch und sie sorgen dafür, dass das Haus für seine mehrheitlich deutschen Patienten da sein kann, dass Operationen stattfinden und die Zimmer täglich gereinigt werden. Es ist harte Arbeit, die von den Frauen geleistet wird und sie wird schlecht bezahlt und auch der Umgang mit den Reinigungskräften ist wenig vorbildlich. Wer sich beklagt dem wird schnell gekündigt denn es sind ja häufig Zeitverträge. Trotzdem erledigen viele ihren mühsamen Job ohne zu klagen und sind froh, in Deutschland ein Auskommen zu haben und hier leben zu können. Diese fleißigen Frauen sorgen also dafür, dass diese unangenehmen aber nun einmal notwendige Arbeit erledigt wird, zu der wir Deutschen nicht mehr bereit sind. Es ist natürlich sehr schön, dass der Bildungsstand vieler Menschen hierzulande mittlerweile hoch ist und das viele studieren oder eine gute Ausbildung machen und dann in einem gelernten Beruf ihr Geld verdienen. Aber das ändert leider nichts an der Tatsache das es auch weniger schöne Jobs gibt, die sich nicht von selbst erledigen, für das Funktionieren einer Gesellschaft aber unverzichtbar sind. Denn nicht nur Reinigungskräfte sind meistens Migranten, auch Spülkräfte in Großküchen, Wäschereimitarbeiter, Müllwerker oder ungelernte Arbeiter in Fabriken, es sind Menschen aus aller Herren Länder, die unseren Laden am Laufen halten. Auf der unteren Ebene zwar aber ohne den Unterbau könnte der Oberbau nicht funktionieren. Man kann also von einem Dienstleistungsprekariat sprechen, von dem wir alle profitieren. So wie im 19 Jahrhundert die Dienstmädchen in den Bürgerhäusern, so sind es heute die vielen Fremden, die klaglos und für wenig Geld für unsere Bequemlichkeit sorgen. Das ist etwas was die ganzen Pegida und AFD´ler einfach nicht kapieren wollen, dass wir nämlich ohne die Fremden ganz schön aufgeschmissen wären und unseren Dreck selbst wegmachen dürften. Danken tun wir es diesen Menschen kaum, nehmen deren Dienste selbstverständlich hin. Auch die Gewerkschaften kümmern sich vermutlich nicht weiter um dieses Klientel. Wie kann man aber das Los dieser Leute verbessern? Der Mindestlohn ist ein guter Anfang, aber er wird häufig durch trickreiche Arbeits- oder sog. Werksverträge unterlaufen. Ein kompromissloser Mindeslohn muss her, der jede Ausnahme egal welcher Art verbietet, europaweite hohe Sozialstandarts müssen durchgesetzt werden und natürlich sind wir alle, insbesondere aber die Gewerkschaften gefragt, zum Fürsprecher dieser Arbeitskräfte zu werden. Diese Leute haben es mit Sicherheit verdient und wie gesagt, möchten Sie sicher auch in Zukunft von einer sauberen Klinik oder Hotelzimmern profitieren. Wir täten gut daran uns klar zu machen, wer uns das ermöglicht.

14:47 09.06.2018
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Geschrieben von

Ulrichs

Pazifistisch, Humanistisch, glaube an eine bessere Welt, ich bin süchtig nach Büchern, hauptsächlich Romane
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