Ulrike Baureithel

Autorin und Vielfachbewegte in Berlin
Ulrike Baureithel
RE: Im Turbo-Gang | 29.03.2020 | 18:10

Lieber Christoph Leusch,

schön, mal wieder von Ihnen zu hören.

Das sind viele Dinge, die Sie ansprechen. Ich habe allerdings schon das Gefühl, dass es seit dem Ausbruch von Corona unterschiedliche Expertisen und Einschätzungen seiner Eindämmung gibt, jedenfalls habe ich das so verfolgt. Ich habe an dieser Stelle nun ja auch schon mehrmals darauf hingewiesen, dass ich die wiss. Kompetenz Drostens und anderer nicht in Frage stelle, nur die Frage stelle, ob Wissenschaft imstande ist, Großrisiken abzuschätzen. Es geht mir um eine prinzipielles Problem.

Ich habe auch nicht behauptet, dass die Virologen sich selbst als "Erlöser" verstehen oder das so kommunizieren, sondern dass diese Erwartung an sie - in säkularer Form - an sie herangetragen wird. Der Begriff ist natürlich ein bisschen polemisch, in der Sache stimmt er, denke ich, schon.

Was die wiss. Zusammenarbeit betrifft: Das Rennen um den Impfstoff (und seiner lukrativsten Vermarktmarkeit) wird uns da vielleicht noch anderes lehren.

Was den "Fall" Wodarg betrifft, bin ich selbst ratlos. Ich kenne ihn aus den neunziger Jahren aus der einschhlägigen Enquete-Kommission, aber in diesem Fall muss ich sagen, hat er sich verrannt, denn die Relativierung von Zahlenverhältnissen ist angesichts tatsächlich gefährdeter Menschen und Opfer zynisch. Die überzogenen Alarmismen hinsichtlich von Schweine- und Vogelgrippe ect .stecken uns sicher allen noch im Gedächtnis und in den Knochen, aber hier haben wir es mit einer anderen Situation zu tun.

In dieser Kürze grüßt

Ulrike Baureithel

RE: Im Turbo-Gang | 29.03.2020 | 12:13

"- Aus der Schweinegrippe (2009), damals medial derart inszeniert, hätte man die Lehre ziehen können, nicht auf einzelne Einflüsterer zu hören. Und dass man möglichst früh genug saubere Daten braucht."

Das Problem ist nicht, dass die Schweinegrippe MEDIAL inszeniert wurde, sondern das jedes Risiko in ihrer Antizipierung als Katastrophe eine Inszenierung ist. Das ist auch keine vorsätzliche Handlung von "Einflüsterern", sondern besteht in der Natur der Sache, dass sich Großrisiken dem herkömmlichen Risikokalkül entziehen. "Saubere Daten" werden weder vorenthalten, noch unterdrückt, sie sind einfach nicht zu haben.

RE: Im Turbo-Gang | 29.03.2020 | 11:29

sorry, das war gestern geschrieben worden und nicht mehr abgeschickt ;-)

Was machen Sie im Krankenhaus, falls ich fragen darf?

RE: Im Turbo-Gang | 29.03.2020 | 10:34

Guten Abend,

danke für diese weitreichenden Ausführungen. Nur kurz: Ich habe keinen Grund, Drostens Kompetenz als Virologe (oder die anderer) anzuzweifeln, mir geht es um das grundsätzlichere Problem, dass Risiken und Katastrophen wie wir sie mit Tschernobyl, Fukushima, Klimawandel und jetzt eben auch Corona immer öfter erleben, nicht mehr mit dem Risiko-Instrumentarium des 20. Jhdts. voraussehend zu bewältigen sind. Sicher wird es irgendwann einen Impfstoff geben, sichere Tests ect., daran zweifle ich gar nicht. Aber rennen der Katastrophe in jedem Fall hinterher, weil unsere Sicherheitsvorstellungen nicht mehr in die Welt des 21. Jahrhunderts passen. Um "Bashing" geht es mir jedenfalls nicht.

Aber danke für den Hinweis auf Latour. Er hat natürlich Recht: Nicht jede Kritik in angemessen.

In diesem Sinn trotz allem einen schönen Sonntag.

RE: Spahn hat die Seuche unterschätzt | 01.03.2020 | 09:34

"Zum Glück gibt es jetzt eine Impfpflicht, die asoziale Trittbrettfahrer dazu zwingt, ihren notwendigen Beitrag zur Herstelung der Herdenimmunität zu leisten, wenn auch bei anderen Impfungen"

Nur zu Klarstellung: Es gibt keine Grippeimpfpflicht, nur für Masern (und auch die ist umstritten)

RE: Wirrnis und Willkür | 01.03.2020 | 09:27

Danke.

"Persönlich wünsche ich mir, dass sich die öffentlich rechtlichen und die privaten Medien zu einem öffentlichen Debattenraum zusammen finden und gemeinsam eine gesellschaftliche Diskussion zumThema Leben in unserer Demokratie auf der Grundlage des Grundgesetz und einem unbeschriebenen Blatt Papier noch einmal ganz von vorne bei Null beginnen."

Und wie würde das für Sie aussehen?

RE: Wer soll jetzt dein Herzblatt sein? | 23.02.2020 | 13:39

Also, zunächst mal, das "Herzblatt" geht nicht auf mein Konto.

Aber davon abgesehen: Ich wollte nicht suggerieren, dass die Bündnisse seit 1998 in irgendeiner Form sich zugunsten der Ärmsten und Benachteiligten eingesetzt hätten, das wäre in Missverständnis.

Im Gegenteil habe ich an anderer Stelle argumentiert, dass Regierungen durchaus funktional zu aktuellen Kapitalinteressen zustände kommen, nämlich so, dass die jeweilgie Koalition in der Lage ist, bestimmte Projekte gegen die Bevölkerung durchzusetzen. Hartz IV war das beste Beispiel dafür, einer von der der Union geführten Regierung wäre das nie gelungen.

Und, naja, ich glaube ohnehin nicht, dass man Politiker*innen zu seinem "Herzblatt" machen sollte.

RE: Klinik am Limit | 20.02.2020 | 10:43

Danke für den Hinweis. So ganz verstehe ich die Sache nicht, sonst würde ich dem mal nachgehen.

RE: Klinik am Limit | 16.02.2020 | 12:34

Vielen Dank für den Hinweis, ich werde das nachrecherchieren und ggf. im Artikel ergänzen.

RE: Mit Knarre ins Rathaus | 23.01.2020 | 11:16

"Es stimmt auch nicht, dass er immer ehrenamtlich tätig ist,"

Das steht explizit auch nicht im Text, aber das "ehrenamtliche... zu besetzen" ist wohl beim Kürzen werggefallen. Gemessen an den vielen kleinen Gemeinden in Deutschland sind es eben doch ziemlich viele. Ich würde aber dennoch auf meiner These beharren, dass es eine Strategie der Rechten ist, die Demokratie von unten aufzurollen und auszuhöhlen.