Das Brot des Schlafes

INS BILD SETZEN Gertrud Kolmars bezwingender Roman "Die jüdische Mutter"zeigt die positiven und negativen Aspekte des Jüdischseins
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Der Stoff hätte sich glänzend geeignet für das, was man in der Weimarer Republik unter einem neusachlichen Zeitroman verstand. Er geht zurück auf ein Ereignis Ende der zwanziger Jahre in Berlin-Charlottenburg. Dort wartet die Witwe Martha Wolg eines Abends vergebens auf ihre Tochter Ursula. Sie findet das fünfjährige Mädchen am nächsten Tag in einer abgelegenen Gartenlaube: Misshandelt, sexuell missbraucht und schwer verletzt. Der Zustand des Kindes ist so dramatisch, dass die Mutter sein Leiden nicht erträgt und es mit Schlaftabletten tötet. Seitdem hat die Frau nichts anderes mehr im Sinn, als sich an dem Kinderschänder, der für sie der Mörder ist, zu rächen.

Ein zeitgenössischer Autor, ein Fallada etwa oder Hans J