Der Preis eines Privilegs

Kultur Die Künstlersozialkasse ist in Gefahr. Es wird zu lasch geprüft, ob sich Unternehmen vor der Abgabe drücken. Das gefährdet die Existenz von einigen Künstlern

Wollen Sie morgen noch Ihre Zeitung lesen – und in diesem Fall ist es ausnahmsweise egal, ob auf Papier oder im Netz? Wollen Sie in die Oper gehen oder in die Galerie? Dann sollten Sie aufmerken, denn es könnte sein, dass Ihr Lieblingsautor, Ihre Schauspielerin im kleinen Theater nebenan oder der Clown nicht mehr da sein werden. Weil sie nämlich ihre Krankenversicherung nicht mehr bezahlen können und sich einen festen Job zum Brotverdienen suchen müssen.

Freie Kreative sind in Deutschland über die Künstlersozialkasse (KSK) versichert. Sie bezahlen entsprechend ihres Einkommens einen Arbeitnehmeranteil, der Staat übernimmt die andere Hälfte. Das finanziert sich aus einem staatlichen Zuschuss von derzeit 160 Millionen Euro und aus einer Abgabe derjenigen Unternehmen, die Künstler beschäftigen, also zum Beispiel Verlage, Theater und Musikveranstalter.

Künstler werden beneidet

Dieses kleine Privileg im Vergleich zu anderen freien Berufen bezahlen Künstler teuer: Obwohl sie meist extrem wenig verdienen, sind sie Objekt des Neids. Die KSK war seit ihrer Erfindung 1983 immer schon denen ein Dorn im Auge, die sich vor der Abgabe von 4,1 Prozent drücken wollten oder die ohnehin glauben, als Künstler läge man bis mittags im Bett. Zuletzt war es 2008 der Bundesrat, der die KSK als „bürokratisches Hemmnis“ abschaffen wollte.

Zeitungsleser, Theaterbesucher und Musikbegeisterte dagegen werden es richtig finden, dass der Staat abgabepflichtige Unternehmen kontrolliert. Beauftragt damit ist die Rentenversicherung, die für diesen Dienst allerdings bezahlt werden will und sich deshalb vor dem Sozialgericht Berlin streitet. Die Folge: Seit 2010 werden die Unternehmen immer nachlässiger geprüft und bringen die KSK in eine finanzielle Schieflage. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und Kulturstaatsminister Bernd Neumann wollten deshalb noch vor der Wahl schärfere Kontrollen durchsetzen. Gescheitert sind sie an den Berliner Wirtschaftslobbyisten, die nun erklären müssen, woher die 137 Milliarden Branchenumsatz kommen.

Also muss man sich künftig wohl doch wieder Carl Spitzwegs „Armen Poeten“ über die Couch hängen.

AUSGABE

Dieser Artikel erschien in Ausgabe 24/13 vom 13.06.2013

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01:00 27.06.2013
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