Ulrike Baureithel
27.09.2011 | 11:35 39

Dichtes Erfassungsnetz

Organspende Daniel Bahr plant, die Frage nach der Bereitschaft zur Organspende an die Ausgabe der elektronischen Gesundheitskarte zu koppeln. Das überschreitet die Grenze zur Nötigung

Man kann es tun. Es gibt jedoch auch gute Gründe, es zu unterlassen. Es ist eine Angelegenheit, die jeder mit sich selbst ausmachen muss. Manche Menschen haben ein gutes Gefühl beim Gedanken, dass ihre Organe einem anderen Menschen das Leben retten, wenn sie selbst schon tot sind. Andere wiederum denken darüber nach, ob hirntote Menschen die Grenze der Lebenden bereits überschritten haben und ob sie wie ein Austauschlager behandelt werden wollen. Es ist eine Gewissensfrage, die gut und lange bedacht werden will und reversibel sein muss.

Genau dies wollte der Gesetzgeber, als er 1997 nach langen Debatten das Transplantationsgesetz verabschiedete. Die erweiterte Zustimmungsregelung besagt, dass man sich entweder zu Lebzeiten für die Organspende entscheidet oder im Ernstfall die Angehörigen nach dem „mutmaßlichen Willen“ des Patienten. Letzteres ist im Klinikalltag oft ein schwieriges Unterfangen und ein Grund für den so genannten „Organmangel“. Die Frage ist aber, ob eine per se unendliche Nachfrage nach Organen – denn die Bürger werden älter und die Bereitschaft, sich nach einer Transplantation entsprechend zu verhalten, sinkt erfahrungsgemäß in dem Maße wie mehr Organe zur Verfügung stehen – mit der Nötigung der „Angebotsseite“ verbunden werden darf.

Denn das, was Union und SPD seit längerem planen und wozu sich jetzt auch Gesundheitsminister Bahr (FDP) durchgerungen hat, ist die Nötigung, sich zu erklären, wenn auch auf freiwilliger Basis. Bahr plant, dass die Krankenkassen bei der Ausgabe der elektronischen Gesundheitskarte die Versicherten nach ihrer Bereitschaft zur Organspende befragen. Das sichert ein dichteres Erfassungsnetz als etwa die Ausgabe des Führerscheins und einen hohen zeitlichen Durchschlag.

Dass ausgerechnet die elektronische Gesundheitskarte das Vehikel werden soll, um Bürger zu potentiellen Organspendern zu machen, ist an sich schon delikat. Da soll ein datenschutzrechtlich umstrittenes Projekt ein ethisch zumindest problematisches legitimieren und vice versa. Dass nun aber ausgerechnet die Krankenkassen vor den Karren gespannt werden sollen, den die Stiftung Organtransplantation seit 14 Jahren nicht zum Laufen bringt, ist fast schon ironisch. Sie nämlich werden es sein, die das florierende Transplantationsgeschäft am Ende bezahlen müssen.

Kommentare (39)

deviant 27.09.2011 | 14:12

Entschuldigung, aber wie hirnrissig ist dieser Kommentar denn?!

Es ist also Nötigung, wenn ich von einem mündigen Menschen erwarte, dass er sich zu einem so wichtigen Thema wie der Organspende positioniert?
Zumal im Hinblick auf die drei Optionen scheint dann ein gewöhnliches Klassenzimmer ein Hort von Erpressern zu sein:
Willst du mit mir gehen? Ja | Nein | Ich weiß nicht (Dieselben Optionen, wie bei der Organspende)

Welche Meinung haben Sie denn zur Organspende, wenn Sie diese Form der Erfassung nicht wollen und sich gar "genötigt" fühlen? Sie wollen nicht, dass ihre Organe verwendet werden, schämen sich aber dafür, so dass niemand wissen darf, dass Sie das nicht wollen?
Und, mir graut es vor der Antwort, wieviele Kellner haben sie bereits verklagt, die sie zu einer Antwort nötigten, durch die Dreistigkeit, sie zu fragen, ob sie noch einen Kaffee möchten?

Augenzeuge 27.09.2011 | 16:54

Der größte Witz ist ja, dass sich die Leute nicht mal äußern müssen, weder positiv noch negativ. Wie man hier eine Nötigung herbeiphantasieren kann, ist mir schleierhaft.

Ich frag mich sowieso immer, was das ganze Gewese soll. Organe dürfen erst entnommen werden, nachdem der Hirntod von medizinischem Fachpersonal festgestellt wurde. Danach ist man kein lebender Mensch mehr, sondern höchstens noch Gemüse. Warum sollten die Leute zu Lebzeiten entscheiden dürfen, was mit ihrer Leiche passiert? Dann könnte man sie ja auch fragen, welche Pflanze mit dem Humus gedüngt werden darf, der aus ihnen entsteht.

Fakt ist: es sterben jedes Jahr viele viele Menschen am Organmangel. Lebende, echte Menschen. Und einer der wichtigsten Gründe dafür ist, dass die Politik lieber auf die irrationalen Ängste der Massen hört, als auf die Bedürfnisse jener, die real unter diesem Zustand leiden müssen.

Wenn man rational an das Thema rangehen würde, sähe die Abwägung doch ganz anders aus, denn es gibt nunmal keinen rationalen Grund, seine Organe nicht zu spenden. Und lol, ja, da würde ich auch "Nötigung" in Kauf nehmen.

memyselfandi 27.09.2011 | 17:43

Was schlagen Sie denn vor, Frau Baureithel, soll der Mann von der örtlichen Krankenkasse zur Feierabendzeit an der Tür klingeln, um mal eben die Frage nach der Organspende zu erörtern. Wäre das denn keine Nötigung?

Ihre Schätzung des Lebenswertes ist mir auch suspekt, gegen die PID sind Sie wie nichts, aber bei der Organspende sieht es dann anders aus mit dem Wert des Menschen. Die einzige Gemeinsamkeit der beiden Dinge ist die, dass es von der Regierung geplant wird. Da liegt dann wohl auch der Hund begraben. Wäre wohl anders wenn Lötzsch höchstpersönlich denselben Vorschlag gebracht hätte wie Bahr jetzt, da säeh die Sache natüüürlich gleich ganz anders aus.

Ich weiß es nützt imgrunde nichts hier an den Verstand und Anstand zu appellieren, weil spätestens in 2 Wochen wieder ein erschreckender Artikel erscheint, aber was solls, der guten Sache wegen.

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helena-neumann 27.09.2011 | 17:46

Liebe Baureithel,
danke für den Artikel.

Rechtlich halte ich das, wenn auch als juristischer Laie, für unhaltbar. Wie soll bitte schön das Recht auf ein Organ eines Anderen begründet werden. Das ist nicht nur eine ethische, sondern auch eine rechtsphilosophisch unlösbare Aufgabenstellung.
Eine unerträgliche Idee ist es allemal. Die Entscheidung nämlich für oder gegen Organspende hat diskret zu bleiben, ersten wegen des Aspekts, dass sich die Haltung zu diesem Thema im Laufe eines Lebens ändern kann - aus vielerlei Gründen, die alle legitim sind; zweitens aus Gründen des Missbrauchs.

Nun, Frau Baureithel, ein so schwieriges Unterfangen müsste die Nachfrage nach Organen im Klinikalltag gar nicht sein. Hier liegt ja die eigentliche Schwachstelle im „System Organspende“: Darüber sind sich alle Fachleute im Klaren, dass viel mehr Organe gespendet würden, wenn vor Ort in den Kliniken dafür geworben resp. gebeten würde. Doch das Personal sieht sich in der Regel außerstande, diese Arbeit zu leisten. Warum?

Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen, doch meines Wissen nach hält bundesweit keine Klinik eigens dafür geschultes ärztliches, psychologisches oder pflegerisches Personal vor, das Angehörige oder Patienten bei dieser Frage/Entscheidung der Organspende begleitet. Vereinzelt lassen sich KrankenpflegerInnen auf eigene Kosten ausbilden. Bayern hat sich vor ein paar Jahren noch damit gebrüstet, ein Pilotprojekt mit Ehrenamtlichen am Start zu haben. Alle Akteure der Transplantationsmedizin sehen hier dringenden Handlungsbedarf. Es wäre die Aufgabe des Bundesgesundheitsministers, ein entsprechendes Gesetz zu verabschieden, eine Regelung auf den Weg zu bringen, die durch mehr Aufklärung, behutsame Entscheidungshilfe ermöglicht in Kliniken. Stattdessen soll wieder einmal der Rechtsstaat genötigt werden! Es liegt nahe, dass wieder nur Kostengründe solch eine Haltung lenken- das ist abscheulich.

Noch eine weiterer Aspekt: Ich erinnere mich gut an den schwierigen Zustand von Patienten mit Kunstherzen noch Ende der 1990ziger Neunziger Jahre. Diese Apparaturen waren so beschaffen, dass sie Patienten nur stationär behandelt werden konnten. Inzwischen sind sie, dank wissenschaftlichen und ingenieurtechnischen Fortschritts, so kleingeworden, dass Herzpatienten damit nach Hause gehen können. Diese Kunstherzen stellen immer noch keine dauerhafte Alternative zur Transplantation dar, dennoch ist es ein vielversprechender Weg, wie auch andere Forschungsansätze in der Transplatationsmedizin z. B. Zellbiologie. Aber genau diese „humaneren“ Forschungsbemühungen könnten durch den Zugriff auf ein schnell verfügbares „Ersatzteillager Mensch“ ins Hintertreffen geraten. Ja, auch das hat Herr Bahr im Auge, könnte vermutet werden. Aber wie gesagt, bei der Thematik, lasse ich mich gern vom Gegenteil überzeugen.

Ihre
HN

memyselfandi 27.09.2011 | 17:56

Ihre letzten Zeilen sind der Brüller, Bahr hat es nun also auf die Organe abgesehen? Oho, nachdem der Neoliberalismus die Weltherrschaft an sich gerissen hat sind nun die Organe fällig.

Also, gut Frau, ich hab Biologie studiert und einen Humanbiologie-Kurs besucht, zu dem sich Menschen zu Lebzeiten bereit erklärten, sich als Körperspender zur Verfügung zu stellen, soll ja keine schlechte Sache sein, wenn zukünftige Mediziner und Forscher wissen wovon Sie sprechen.

Das scheinen Sie nicht zu wissen. Und ihre Definition von Humanismus ist interessant, es wäre also inhuman seine Organe zu spenden???

kingchaos 27.09.2011 | 17:56

Die Ablehnung der Gesundheitskarte in allen Ehren, aber nur, damit ich das richtig verstehe:

Es ist also keine Nötigung, wenn man zu faul ist, sich einen Organspendeausweis zu besorgen und somit im Falle eines Falles Ärzte und Angehörige zu einer schwierigen wenn nicht unmöglichen Entscheidung, nunja, nötigt?

Es ist jedoch sehr wohl Nötigung, wenn erwachsene Menschen vor die freie Wahl gestellt werden, wie mit ihren sterblichen Überresten verfahren werden soll, um eben solch eine Situation zu verhindern?

Wieder etwas gelernt.

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helena-neumann 27.09.2011 | 18:09

@memyselfandi, was Sie studiert haben oder nicht interessiert mich nur bedingt. Fakt ist, dass Sie, No-Name, sich einen Ton leisten, den ich unverschämt finde.

Ich habe nirgendwo geschrieben, dass es inhuman ist, Organe zu spenden. Bleiben Sie einfach bei der Sache!
Beantworten Sie die Frage nach der rechtlichen und ethischen Begründung. Die Rechtsgelehrten werden Ihnen ein "Denkmal" setzen, ganz unzynisch.

Die Schwachstelle liegt in den Krankenhäusern, da sind sich alle einig. Wieso wird hier nicht schnellsten Abhilfe geleistet. Bleiben Sie doch hier bei der Sache.

memyselfandi 27.09.2011 | 18:14

Da sind sich alle einig? Wer ist sich da einig?
Wer sagt das Fragen ist rechtlich bedenkbar?

Sie, Frau Neumann, geben hier etwas derart zynisches und dummes zum besten und wundern sich noch über dementsprechende Reaktionen? Nicht Ihr ernst.

Gut, dann nehme ich Sie beim Wort, da ist einer im Koma und es steht die Frage nach den Organen im Raum, da sollen dann behutsam die armen Angehörigen darüber entscheiden, nicht etwas der Mensch dem die Organe gehören es zu Lebzeiten hätte machen können?

Merken Sie was? Ihre Aussagen sind völlig unrealistisch. Und was Sie von mir denken oder nicht ist mir egal, reflektieren Sie lieber Ihr Geschriebenes.

deviant 27.09.2011 | 19:31

@Neumann - "sind Sie des Lesens unkundig" ist kein Aussagesatz, sondern eine Frage, muss daher mit einem entsprechenden Zeichen abgeschlossen werden - oder Sie stellen die Syntax um, so dass es ein Aussagesatz wird.

"Es geht Herrn Bahr um den Eintrag in die Gesundheitskarte, bitte schön."
Ja, genau - und?! Ein Vermerk auf der Gesundheitskarte: "Ich will", "Ich will nicht" oder "Ich weiß nicht", sollte selbst jemanden wie Sie nicht überfordern, ist schon gar keine Nötigung, wie die Autorin meint. Warum dieser Vermerk "juristisch unhaltbar" sein sollte, erschließt sich mir nicht. Allerdings haben Sie es ja auch nicht nötig zu begründen, Sie wissen ja auch schlicht ins Blaue, dass das unhaltbar ist.

"Im übrigen ist Ihr beleidigender Ton deplaciert."
Zunächst einmal ist das Übrige ein Substantiv und wird entsprechend groß geschrieben, eine Anmerkung zu "deplaciert" spare ich mir, auch hier hilft der Duden gern nach.
Was meinen Ton angeht, so finde ich den durchaus angemessen, aber wenn Sie sich durch die Frage nach ihrem Wohnort bereits beleidigt fühlen, erkenne ich darin auch einen Hinweis, warum Sie gegen einen Vermerk ihrer Spendebereitschaft so vehement ablehnen.
Diese organlosen Typen, die es da auf ihre Resteverwertung abgesehen haben, müssen dann halt vor Ihrem laienjuristischen Veto zurückstehen.

Ich find's irgendwie schade: Da kommt ein einziges Mal von der FDP ein sinnvoller Vorschlag und dann stellen Sie ohne Kenntnis der Materie einfach fest, dass das unhaltbar ist...wäre ja auch zu schön gewesen, aber da müssen wir uns wohl ihrem Urteil beugen.
___

Da Sie mit dem Konzept des Zynismus offenbar vertraut sind (wenn auch möglicherweise ohne diesen praktisch anwenden zu können), spare ich mir weitere Hinweise hierauf.

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helena-neumann 27.09.2011 | 19:52

@deviant
Danke für Ihre Belehrung in der Deutschen Sprache. Ich fürchte es wird nicht die Letzte sein!

"Diese organlosen Typen, die es da auf ihre Resteverwertung abgesehen haben, müssen dann halt vor Ihrem laienjuristischen Veto zurückstehen."

Im Übrigen plazieren Sie doch einmal die juristische Frage bei FDP-Politikern wie Herrn Baum. Sie können mir auch gerne eine andere nennenswerte juristische Herleitung liefern für das Recht auf ein Organ eines anderen Menschen. Das Parteibuch ist mir völlig egal. Ich bin gespannt - aber bitte nur auf Argumente.

"

deviant 27.09.2011 | 20:01

Was das wieder für ein Quatsch ist.
Was hat die eigene Entscheidung, ob ich meine Organe irgendwem zugänglich machen will, damit zu tun, ob irgendwer ein Recht auf irgendjemandes Organe hat?

Sie tun so, als sei die Entscheidung "Nein, niemand soll meine Organe haben", die auf der Karte vermerkt wird, eine Erlaubnis, sich von Ihren Organen zu nehmen, was sie wollen. Es gehört schon ein gerüttet Maß an Ignoranz, vielleicht gar von Idiotie, dazu, zu glauben, "Nein" hieße "Ja".

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helena-neumann 27.09.2011 | 20:33

@deviant
"Was das wieder für ein Quatsch ist.
Was hat die eigene Entscheidung, ob ich meine Organe irgendwem zugänglich machen will, damit zu tun, ob irgendwer ein Recht auf irgendjemandes Organe hat?"
Sehen Sie, jetzt kommen wir der Sache doch näher...wenn das so ein Quatsch wäre, was ich da sage, wieso will Herr Bahr, dann die Herausgabe einer Karte von - ja, nein, weiß nicht - abhängig machen. Wieso reicht nicht der Spenderausweis oder meinetwegen ein freiwilliger Eintrag in die Gesundheitskarte, hm??? Der Trend gibt die Richtung vor.
ISo, das war es.

deviant 27.09.2011 | 20:44

Freiwilliger als "Ja"/"Nein"/"Keine Angabe" geht es doch wohl kaum noch?!

Bahr macht die Entscheidung deswegen zur Bedingung, weil es in diesem Lande Millionen Menschen gibt, die zur Organspende bereit sind, sich aber aus Faulheit keinen Spenderausweis zulegen.

Genau deshalb ist es Quatsch, was Sie sagen. Die Entscheidung ist absolut freiwillig, die Leute sollen sich bloß entscheiden. Warum reicht es denn nicht, wenn der, der sich nicht sicher ist, sich nicht entscheidet, warum muss man den Kranken außerdem noch die Organe der Faulen vorenthalten, die sich, weil es sie ja bisher nicht betrifft, keinen Spenderausweis zulegen?

Ulrike Baureithel 28.09.2011 | 01:45

"...ein so schwieriges Unterfangen müsste die Nachfrage nach Organen im Klinikalltag gar nicht sein. Hier liegt ja die eigentliche Schwachstelle im „System Organspende“: "

Ich habe 1998, kurz nach Inkrafttreten des TPG, mit einer Kollegin zahlreiche Interviews in Kliniken geführt; schon damals ging es darum, die Krankenhäuser zu animieren, potentielle Organspender zu melden, sie galten als die größte "Schwachstelle" im System. Mit gutem Grund. Denn genau dort verknoten sich die gar nicht lösbaren Probleme: Die Tatsache, dass die Angehörigen die angeblich hirn"toten" Patienten als sehr lebendig wahrnehmen, genauso wie das Pflegepersonal, das die Aufgabe hat, "tote" Patienten zu pflegen, bis die Organe entnommen werden; die Überforderung der Ärzte, wenn sie Angehörigen die Organe abringen sollen; die Herausforderung, in einem OP zu stehen bei einer Explantation, wenn die angeblich Toten plötzlich Reflexe zeigen; die Fantasien, die Organempfänger an das gespendete Organ knüpfen usw usw.
Das Transplantationssystem ist inzwischen viel routinierter; aber die "Meldefaulheit" der Krankenhäuser ist ein Indiz dafür, dass das System das Problem ist, nicht die Regelungstechniken.

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helena-neumann 28.09.2011 | 11:56

@Baureithel

"Das Transplantationssystem ist inzwischen viel routinierter; aber die "Meldefaulheit" der Krankenhäuser ist ein Indiz dafür, dass das System das Problem ist, nicht die Regelungstechniken."

Liebe Frau Baureithel, genau das ist ein großes Problem im System. Es geht schließlich darum, verhältnismäßig wenig Geld in die Hand zu nehmen, und Personal dafür abzustellen.

HN

mmitt 28.09.2011 | 13:39

Ich finde es ja allzu selbstherrlich was Sie schreiben.

Denn das Problem ist nicht die angebliche Faulheit der unterbezahlten und überarbeiteten Klinikmitarbeiter, sondern die Faulheit der Menschen sich zu melden. Darauf zielt der Sinn der Kopplung an die Karte ab.

Ich weiß nicht ob die Autorin diesen Zusammenhang nicht versteht oder verstehen will, um gegen das Feindbild der Ärzte anzuschreiben.

Wie es auch sei, das ist schon unverschämt, unverschämt einfältig und verantwortungslos.

Und dieser Kommentar mit der rechtlichen Lage wurde ja noch nicht einmal beantwortet. Keine Antwort ist auch eine. Sie hätten lieber schweigen sollen Frau Neumann als so etwas peinliches zu sagen.

JohannesMarat 28.09.2011 | 14:15

Ich bin entsetzt über den teilweise unflätigen Diskussionsstil! Vor allem erstaunt mich eine gewisse Naivität hinsichtlich unseres Gesundheitssystems. Ich möchte daher einen Artikel aus der TAZ (www.taz.de/Anmerkungen-zur-Organtransplantation/!78828/) zu lesen empfehlen, der die Hintergründe des Geschäfts mit Organen beleuchtet. Neben der Tatsache, dass es sich zumindest auch um ein lukratives Geschäft handelt, ist meines Erachtens die Problematik der Bestimmung des Todeszeitpunkts von Belang (Hirntod). So gesehen ist es richtig von Nötigung zu sprechen, weil die potenziellen Spender nicht über die z.T. fragwürdigen Hintergründe aufgeklärt werden und geflissentlich die wahrscheinliche Möglichkeit verschwiegen wird, dass der "Spender" sehr wohl noch Schwerzen empfinden kann.

mmitt 28.09.2011 | 14:36

Wissen Sie was wirklich entsetzlich ist, so ein Artikel und Ihr Kommentar.

Ist Ihnen bekannt, dass es einen Mangel an Organen gibt, dass es Wartelisten gibt, die nach Schwere eingeteilt werden? Ist Ihnen bekannt, dass manche Menschen sterben, bevor sie ein Spenderorgan erhalten? Wissen Sie welcher geringe Prozentsatz der Bevölkerung sich darüber Gedanken macht oder machen will, geschweige denn einen Ausweis besitzt?

Nein. Ihnen ist nur ein angebliches Geschäft mit den Organen bekannt.

Wie bekommt man die Menschen dazu sich mit diesen Dingen auseinander zu setzen? In etwa durch die Befragung bei der Kartenausgabe. Wie würden Sie die Menschen dazu bewegen? Haben Sie eine Idee, die besser ist als diese Lösung nach Bahr?

SIE und Frau Baureithel benutzen dieses Thema, um der Regierung und der ja ach so korrupten Klinigbelegschaft eines rein zu hauen, Sie sollten sich dafür schämen!

Ulrike Baureithel 28.09.2011 | 15:31

Nein, ich schäme mich nicht, denn Sie sollten genau lesen: Ich habe nicht geschrieben, dass sich Menschen nicht damit - aber bitte dann auch über die Ebene "Leben retten" hinaus – mit dem Thema auseinandersetzen sollten.
Aber ich bin der Auffassung, dass es nicht geht, diese Aufgabe ausgerechnet den Krankenkassen ausgerechnet bei der Ausgabe der E-Gesundheitskarte aufzuerlegen, zumal es sich um einen verwaltungstechnischen Routineakt handelt.

JohannesMarat 28.09.2011 | 20:24

Sorry, aber bei einer so umstrittenen Frage ist es notwendig, alle Aspekte eines Problems zu reflektieren, ist es angebracht, nicht emotional nur eine Seite zu betonen. Mein einleitender Hinweis auf den Diskussionstil, haben Sie geflissentlich übersehen, und die Ausführungen des TAZ-Artikels als Propaganda abqualifiziert. So sollten wir nicht über Fragen diskutieren, bei denen es wirklich nicht nur einen Standpunkt geben kann. Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass die andere Seite mir zu kurz gekommen scheint. Ich will niemandem ein rein haun. Ich lehne nur die Haltung ab, die ausdrückt: "wer nicht für mich ist, ist gegen mich". Respektieren Sie bitte abweichende Meinungen.

paranoid 28.09.2011 | 23:21

Das Problem, das die meisten mit dieser Art der Entscheidungserfassung haben, ist ja, dass sie nicht entsprechend aufgeklärt und "beraten" werden, sondern einfach die Frage beantworten sollen. Beraten klingt vielleicht blöde, und mich müsste man auch nicht erst fragen; mir persönlich ist es herzlich gleich was nach meinem Tod mit den Teilen passiert, die sonst unter der Erde verschimmeln würden, aber einem Großteil der Leute ist das Thema einfach zu fremd und suspekt. Davon kann man halten was man will, aber diesen Nötigungsvorwurf hab ich schon von vielen Ecken gehört. Und das darf man schonmal ernst nehmen, auch wenn man's persönlich nicht nachvollziehen kann.
Ich muss gestehen, dass ich keinen Spendeausweis besitze, trotz meiner Einstellung. Ob das in Faulheit begründet ist kann ich nicht sagen, ich habe mich grundsätzlich noch nicht ausgiebig mit meinem Ableben befasst und möchte das in meinem Alter auch nicht, ist womöglich verbohrt, aber nu, so bin ich. Würde hier einfach angenommen, dass ich zur Spende bereit wäre, hätte ich auch absolut kein Problem damit – und die simple Nachfrage tät ich auch sofort mit JA beantworten - aber es gibt viele Menschen, denen der Gedanke an einen halbwegs unversehrten, hauptsache vollständigen Körper in Mutters Erde einfach Trost bietet, und die es natürlich nicht für legitim halten, aktiv nach dem Pistole-auf-Brust-Prinzip ein nicht vorhandenes Einverständnis zu bekunden, damit das am Ende auch so kommt. Ist wie mit den Änderungen der AGB, wiedersprechen oder fressen, da fühlen sich einige auch genötigt. Dass dieses Recht auf Selbstbestimmung im Verhältnis zur Notwendigkeit von Organspenden jeder irgendwie anderes bewertet, ist klar. Aber hier jeweils die eigene Meinung als die einzig richtige hinzustellen bringt uns weder in der Debatte voran noch werden damit die Probleme gelöst, die andere damit haben. Und gerade bei einem Thema, das sich um das "alle für alle"-Prinzip dreht, sollte man hier nicht die Arme verschränken; Vorwürfe und Beleidigungen führen nicht zu einer erhöhten Spendebereitschaft, bringen also wie so oft: nüscht.

Die gegensätzlichen Reaktionen auf das Thema sollten letztendlich jedem deutlich machen, dass die ja | nein | vielleicht -Frage (jemand hatte das mit den Grundschulbriefchen gleichgesetzt – also sorry, ich pauschalisiere ja auch mal gern, aber das ist mir n bisschen zuviel des Guten) nicht bei jedem auf Begeisterung stößt, und sowas kann man auch nicht wegdiskutieren. Wenn man weiß, dass gewisse Teile eine Bereitschaft aufgrund der Angst vor Missbrauch verweigern, dann muss man ihnen eine entsprechende Aufklärung zukommen lassen und ihnen zeigen, dass kriminelle Handlungen in diesem Bereich entsprechend gewürdigt, heißt strafrechtlich belangt werden.

Grundsätzlich wäre eine erhöhte Präsenz des Themas, nicht nur in Debatten gegossen (für deren Verfolgung die meisten eh zu faul sind) wünschenswert, da würden sich dann mehr Leute wie ich dazu genötigt fühlen (hier aber im entspannten Kontext), doch endlich mal so einen Schrieb auszufüllen.

Die Sache mit den Angehörigen, die nach dem Tod dazu befragt werden, find ich recht traurig. Jeder, der schonmal einen Menschen verliert, geht damit anders um, aber ich war und wäre nicht dazu in der Lage, eine solche Entscheidung zu treffen, auch wenn ich die eigene Bereitschaft vielleicht bei dem Verstorbenen auch vorrausetzen könnte, dazu ist das alles zu unmittelbar und die eigens gesetzte Erlaubnis, dem Verwandten irgendetwas wegzunehmen, hätte etwas Beschämendes, irgendwie Ekelhaftes.

"Die Frage ist aber, ob eine per se unendliche Nachfrage nach Organen – denn die Bürger werden älter und die Bereitschaft, sich nach einer Transplantation entsprechend zu verhalten, sinkt erfahrungsgemäß in dem Maße wie mehr Organe zur Verfügung stehen – mit der Nötigung der „Angebotsseite“ verbunden werden darf."

Diese Spekulation hat einen recht widerlichen Nachgeschmack für mich, suggeriert sie doch die Frage, ob man Organe nicht lieber künstlich stark begrenzt halten (oder, was für mich fast aufs Selbe hinauskommt, die dringende Nachfrage entsprechend weniger explizit durch genannte Maßnahmen stillen) solle, damit die Empfänger durch das dieses Bewusstsein pfleglicher und respektvoller mit ihrem Organ umgehen. Ich weiß, dass es vereinzelt Fälle gibt, bei denen die Empfänger sich die erste, zweite, dritte Spenderleber analog zur eigenen kaputtgesoffen haben und da stellt sich freilich die Verdienstfrage - aber mal abgesehen davon empfinde ich den Vorwurf als ziemlich frech. Ein Mensch, der halbwegs normal im Kopf ist (und die Transplantation von Hirnen ist meines Wissens nach noch recht unmöglich) weiß ein solches "Geschenk" mehr als nur zu schätzen, hier geht es um Leben und Lebensqualität, und es wird nach meiner Ansicht nie zu einem Überangebot an Organen kommen, ob die Spendebereitschaft nun erzwungen wird oder nicht - erstens sind nicht alle Organe nach dem Tod, verzeiht den Ausdruck, wiederverwendbar, zweitens werden die Leute, wie im Text bereits erwähnt, immer älter und damit steigt natürlich die, nochmal sorry, Nachfrage - was wiederrum das maximal zu erreichende Alter pushen wird, bei dem Thema frag ich mich auch so langsam...naja, lassen wir das - und drittens muss man schon herzlich blöd sein, die akuten und folgenden Strapazen, die eine Transplantation mit sich bringt und immer mit sich bringen wird auf die leichte Schulter zu nehmen. Ich gehe davon aus, dass dieser Vorwurf so nicht gedacht war, sondern rein der Suche nach Argumenten gegen die gefühlte Nötigung diente, aber hier sollte man echt n bisschen drauf achten, wie es ankommt.

Im Übrigen find ich es bedenklich, wie hier teilweise auf vereinzelte unkorrekte Groß- und Kleinschreibung und Wortaltlasten herumgehüpft wird, als gäb es nix Schöneres. Wir sind hier nicht beim webbasierten Dudenwettstreit, und solange ein Text nicht direkt unlesbar geschrieben ist, kann man ihn doch so hinnehmen und sein Ego damit streicheln, dass man's besser drauf hat - also bitte.

rolf netzmann 29.09.2011 | 05:50

Als langjähriger und regelmäßiger Blutspender habe ich selber auch einen Organspendeausweis. Nur stimme ich Frau Baureithel zu, einen schon datenschutzrechtlich umstrittenen Verwaltungsakt wie die Ausgabe der neuen Gesundheitskarte mit einer so hoch komplizierten Frage wie der Bereitschaft zur Organspende zu verbinden, ist einfach ein No Go. Diejenigen, die sich dafür entscheiden, dass ihre Organe gespendet werden dürfen, sollen sich das in Ruhe überlegen dürfen. Und sie müssen informiert werden, was mit der Ausgabe der Gesundheitskarte wohl nicht passieren wird.
Wer weiss denn schon, welche Vorraussetzungen für eine mögliche Spende gegeben sein müssen und dass nur 3% !!!!! aller Gestorbenen überhaupt spenden könnten, Bereitschaft hin oder her?

Ich habe hier im Freitag schon einmal dafür plädiert, dass die Bevölkerung sachlich und umfassend aufgeklärt wird, was Organspende bedeutet und wie sie ablaufen wird. Diese Aufklärung muss die engen Angehörigen mit einschließen.
So wie der FDP Minister es jetzt durchziehen möchte, macht es weder für potentielle Spender noch für auf Organe Wartende einen Sinn.
Und eine sachliche Diskussion zu diesem vielschichtigen und emotionalen Thema sieht anders aus als einige sie hier mit verbalen Tiefschlägen führen.

rolf netzmann 29.09.2011 | 07:47

Nötigt der Gesundheitsminister die Bürger, wenn er die Ausgabe der neuen Gesundheitskarte mit der Frage nach der Bereitschaft nach der Organspende verknüpfen möchte? Eine Nötigung im juristischen Sinn ist es nicht, das stimmt. Doch zwingt er die Empfänger der Karte, sich mit einem Thema zu beschäftigen, das sich für die Meisten in ihrem Leben jetzt nicht stellt. Insofern ist es schon eine Nötigung. Wer ist denn freiwillig bereit, sich mit seinem Ableben zu beschäftigen? Wer will denn daran erinnert werden, das sein Leben endlich ist? Das hohe Gut der individuellen Freiheit wird schon dadurch beschädigt, dass Menschen nach dem Willen von Minister Bahr sich zu einem von ihnen selber nicht bestimmbaren Zeitpunkt mit ihrem eigenen Tod beschäftigen müssen. Und zwar nicht mit dem Ableben allgemein, sondern mit einer speziellen Art des Todes, dem Hinrtod, denn nur Hirntote sind in der Lage, Organe zu spenden, weil diesee noch nicht abgestorben sind. Wann aber tritt der Hirntod ein? Bei einem schweren Unfall oder nach einer missglückten Operation ist dies möglich. Damit sollen sich die Empfänger der neuen Karte nun beschäftigen.
Der Tod ist etwas Abschreckendes, etwas, war wir Menschen gerne verdrängen. Und deshalb sollte jederMensch eine solche schwerwiegende Entscheidung nach reiflicher Überlegung und mit umfangreichem Wissen für sich treffen.
Organe werden gebraucht und der Bedarf wird weiter zunehmen. Dass es Wartelisten gibt und dass Menschen sterben, weil sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan bekommern, ist richtig. Und doch gibt es auch noch die Würde der Lebenden. Eine rechtlich und ethisch-moralisch saubere Lösung ist nur der auf freiwilliger Basis erhältliche Spenderausweis. Wer diese Lösung erweitern möchte, muss dies ebenfalls rechtlich sauber tun. Wer möchte ernhaft einen Menschen mit dem moralischen Argument, so könne er effektiv helfen, in eine solche Entscheidung treiben?
Eine ministerielle Nötigung und der Appell an die Menschlichkeit der Spender wirken hier kontraproduktiv.
Für eine solche Entscheidung bedarf es umfassender Informationen durch Ärzte, in Broschüren und beispielsweise der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Und, der Spendewillige muss die Möglichkeit haben, seine Entscheidung revidieren zu können, und das ohne großen Aufwand.
Bahrs Vorstoss trifft ins Leere, weil all diese Punkte nicht erfüllt werden.

flosyforever 29.09.2011 | 10:38

Leider wird immer wieder suggeriert, daß die Patienten am fehlenden Spenderorgan sterben würden. Sie sterben aber an der jeweiligen Erkrankung!
Ich selbst habe ein Jahr lang in der Herz- Lungen- Transplantationsmedizin gearbeitet. Seitdem sehe ich die Organspende differnzierter. Nach einer auf Arte (oder Phönix?) ausgestrahlten Reportage über das Thema bin ich endgültig sicher, weder Spender noch Empfänger werden zu wollen.

Bei diesem Thema greifen die gleichen Mechanismen wie bei der "Glaubensfrage": Der Atheist oder Agnostiker wird als Mangelwesen angesehen. Der Skeptiker ist irgendwie suspekt.

Wer die Organspende so leicht sieht, dem unterstelle ich, daß er sich nicht ausreichend mit ihrer Mehrperspektivität befaßt hat, weder einen "Spender" gesehen/versorgt hat, noch mit verschiedenen Empfängern zu tun hatte.

Meiner Ansicht nach sollte sich jeder auch zuerst die Frage stellen, wie es um seine Angst vor dem eigenen Tod bestellt ist. Vor lauter Leugnung des Unvermeidlichen möchten wir allzugern den Versprechungen des medizinischen Fortschritts glauben und argumentieren ebenso vehement wie einseitig für dessen Durchsetzung, egal zu welchem Preis.

So werden Studien zur Krebsbehandlung herangezogen, die fälschlich zu der Annahme führen, Mittel XY verlängere die Lebenszeit um durchschnittlich soundsoviel Monate. Es werden in diesen Studien die jüngstmöglichen Patienten ausgewählt und wer weiß, wie solche Studien ablaufen, wer sie finanziert usw, versteht so viel: Es geht immer um das Geld.

Die Patienten leiden in vielen Fällen unter Chemotherapie höchstens etwas länger an den zahlrechen üblen Nebenwirkungen. Die Kosten für diese fragwürdige Behandlung sind immens, entsprechend die Gewinne der Pharmaindustrie. Die Hoffnung versetzt Geldberge.

Ich will hier klarstellen, daß ich für die Besten Behandlungen und Therapien bin, daß Pharmakologie einen berechtigten Platz einnimmt. Aber neben dem ethischen Gesichtspunkt darf das Wichtigste nicht vergessen werden: Der sogenannte Hirntod wird aktuell wieder neu diskutiert, so einfach ist das nämlich nicht. Der Mensch muß leben, wenn die Organe noch brauchbar sein sollen. Vielleicht sagen sich manche, mein Körper ist nur meine Kohlenstoffeinheit, ohne Hirn bin ich eh´tot. Schön, daß die soviel Vertrauen in das Fachpersonal haben.

Es wird eine Menge Geld für sehr seltene Krankheiten ausgegeben von uns allen, andere Krankheiten, die weiter verbreitet sind aber weniger lukrativ, werden z.T. gar nicht weiter erforscht.
Allen Lesern lege ich ans Herz, besonders über die Organspende bei Kindern und Säuglingen nachzudenken. Denken wir an den armen Wurm, dessen Herz kein langes Überleben erlaubt, der elend nach Luft schnappt, öffnet sich unser Herz, wir leiden und möchten den Tod doch nicht akzeptieren. Aber wer denkt an die Eltern des Spenders, der, ebenso ein armer Wurm, nicht in den Armen seiner liebenden Eltern sterben darf sondern dem bei lebendigem Leib in OP-Athmosphäre die Organe entnommen werden, oft mehr, als die Eltern erlaubt haben. In der wunderbar sachlichen Reportage (s.o.) berichteten sie von regelrechter Fledderei.

Die Menschenwürde liegt also ganz beim Empfänger?

man merkt vielleicht beim Lesen meiner Ausführungen, wie die Emotionen hochkommen, wenn Adjektive in Spiel sind, die sie kitzeln.

Es ist wie mit der Religion: wir müssen sachlich werden, dann ist es mit dem undifferenzierten Glaube vorbei.

Warum spendet kein Befürworter der Organspende, was er schon zu Lebzeiten spenden kann, aus Nächstenliebe eine Niere oder eine Netzhaut?

Nun soll es heißen: bekenne dich! - und wie in der Religionsfrage fühle ich mich in der Ecke der Herzlosen, bloß weil mein Herz nicht ohne Hirn sein will.

flosyforever 29.09.2011 | 11:24

Leider wird immer wieder suggeriert, daß die Patienten am fehlenden Spenderorgan sterben würden. Sie sterben aber an der jeweiligen Erkrankung!
Ich selbst habe ein Jahr lang in der Herz- Lungen- Transplantationsmedizin gearbeitet. Seitdem sehe ich die Organspende differnzierter. Nach einer auf Arte (oder Phönix?) ausgestrahlten Reportage über das Thema bin ich endgültig sicher, weder Spender noch Empfänger werden zu wollen.

Bei diesem Thema greifen die gleichen Mechanismen wie bei der "Glaubensfrage": Der Atheist oder Agnostiker wird als Mangelwesen angesehen. Der Skeptiker ist irgendwie suspekt.

Wer die Organspende so leicht sieht, dem unterstelle ich, daß er sich nicht ausreichend mit ihrer Mehrperspektivität befaßt hat, weder einen "Spender" gesehen/versorgt hat, noch mit verschiedenen Empfängern zu tun hatte.

Meiner Ansicht nach sollte sich jeder auch zuerst die Frage stellen, wie es um seine Angst vor dem eigenen Tod bestellt ist. Vor lauter Leugnung des Unvermeidlichen möchten wir allzugern den Versprechungen des medizinischen Fortschritts glauben und argumentieren ebenso vehement wie einseitig für dessen Durchsetzung, egal zu welchem Preis.

So werden Studien zur Krebsbehandlung herangezogen, die fälschlich zu der Annahme führen, Mittel XY verlängere die Lebenszeit um durchschnittlich soundsoviel Monate. Es werden in diesen Studien die jüngstmöglichen Patienten ausgewählt und wer weiß, wie solche Studien ablaufen, wer sie finanziert usw, versteht so viel: Es geht immer um das Geld.

Die Patienten leiden in vielen Fällen unter Chemotherapie höchstens etwas länger an den zahlrechen üblen Nebenwirkungen. Die Kosten für diese fragwürdige Behandlung sind immens, entsprechend die Gewinne der Pharmaindustrie. Die Hoffnung versetzt Geldberge.

Ich will hier klarstellen, daß ich für die Besten Behandlungen und Therapien bin, daß Pharmakologie einen berechtigten Platz einnimmt. Aber neben dem ethischen Gesichtspunkt darf das Wichtigste nicht vergessen werden: Der sogenannte Hirntod wird aktuell wieder neu diskutiert, so einfach ist das nämlich nicht. Der Mensch muß leben, wenn die Organe noch brauchbar sein sollen. Vielleicht sagen sich manche, mein Körper ist nur meine Kohlenstoffeinheit, ohne Hirn bin ich eh´tot. Schön, daß die soviel Vertrauen in das Fachpersonal haben, das den Hirntod feststellt und EINE Hirntoddefinition locker akzeptieren.

Es wird eine Menge Geld für sehr seltene Krankheiten ausgegeben von uns allen, andere Krankheiten, die weiter verbreitet sind aber weniger lukrativ, werden z.T. gar nicht weiter erforscht.
Allen Lesern lege ich ans Herz, besonders über die Organspende bei Kindern und Säuglingen nachzudenken. Denken wir an den armen Wurm, dessen Herz kein langes Überleben erlaubt, der elend nach Luft schnappt, öffnet sich unser Herz, wir leiden und möchten den Tod doch nicht akzeptieren. Aber wer denkt an die Eltern des Spenders, der, ebenso ein armer Wurm, nicht in den Armen seiner liebenden Eltern sterben darf sondern dem bei lebendigem Leib in OP-Athmosphäre die Organe entnommen werden, oft mehr, als die Eltern erlaubt haben. In der wunderbar sachlichen Reportage (s.o.) berichteten sie von regelrechter Fledderei.

Die Menschenwürde liegt also ganz beim Empfänger?

man merkt vielleicht beim Lesen meiner Ausführungen, wie die Emotionen hochkommen, wenn Adjektive in Spiel sind, die sie kitzeln.

Es ist wie mit der Religion: wir müssen sachlich werden, dann ist es mit dem undifferenzierten Glauben vorbei.

Warum spendet kein Befürworter der Organspende, was er schon zu Lebzeiten spenden kann, aus Nächstenliebe eine Niere oder eine Netzhaut?

Nun soll es heißen: bekenne dich! - und wie in der Religionsfrage fühle ich mich in der Ecke der Herzlosen, bloß weil mein Herz nicht ohne Hirn sein will.

flosyforever 29.09.2011 | 15:34

Leider wird immer wieder suggeriert, daß die Patienten am fehlenden Spenderorgan sterben würden. Sie sterben aber an der jeweiligen Erkrankung!
Ich selbst habe ein Jahr lang in der Herz- Lungen- Transplantationsmedizin gearbeitet. Seitdem sehe ich die Organspende differnzierter. Nach einer auf Arte (oder Phönix?) ausgestrahlten Reportage über das Thema bin ich endgültig sicher, weder Spender noch Empfänger werden zu wollen.

Bei diesem Thema greifen die gleichen Mechanismen wie bei der "Glaubensfrage": Der Atheist oder Agnostiker wird als Mangelwesen angesehen. Der Skeptiker ist irgendwie suspekt.

Wer die Organspende so leicht sieht, dem unterstelle ich, daß er sich nicht ausreichend mit ihrer Mehrperspektivität befaßt hat, weder einen "Spender" gesehen/versorgt hat, noch mit verschiedenen Empfängern zu tun hatte.

Meiner Ansicht nach sollte sich jeder auch zuerst die Frage stellen, wie es um seine Angst vor dem eigenen Tod bestellt ist. Vor lauter Leugnung des Unvermeidlichen möchten wir allzugern den Versprechungen des medizinischen Fortschritts glauben und argumentieren ebenso vehement wie einseitig für dessen Durchsetzung, egal zu welchem Preis.

So werden Studien zur Krebsbehandlung herangezogen, die fälschlich zu der Annahme führen, Mittel XY verlängere die Lebenszeit um durchschnittlich soundsoviel Monate. Es werden in diesen Studien die jüngstmöglichen Patienten ausgewählt und wer weiß, wie solche Studien ablaufen, wer sie finanziert usw, versteht so viel: Es geht immer um das Geld.

Die Patienten leiden in vielen Fällen unter Chemotherapie höchstens etwas länger an den zahlrechen üblen Nebenwirkungen. Die Kosten für diese fragwürdige Behandlung sind immens, entsprechend die Gewinne der Pharmaindustrie. Die Hoffnung versetzt Geldberge.

Ich will hier klarstellen, daß ich für die Besten Behandlungen und Therapien bin, daß Pharmakologie einen berechtigten Platz einnimmt. Aber neben dem ethischen Gesichtspunkt darf das Wichtigste nicht vergessen werden: Der sogenannte Hirntod wird aktuell wieder neu diskutiert, so einfach ist das nämlich nicht. Der Mensch muß leben, wenn die Organe noch brauchbar sein sollen. Vielleicht sagen sich manche, mein Körper ist nur meine Kohlenstoffeinheit, ohne Hirn bin ich eh´tot. Schön, daß die soviel Vertrauen in das Fachpersonal haben.

Es wird eine Menge Geld für sehr seltene Krankheiten ausgegeben von uns allen, andere Krankheiten, die weiter verbreitet sind aber weniger lukrativ, werden z.T. gar nicht weiter erforscht.
Allen Lesern lege ich ans Herz, besonders über die Organspende bei Kindern und Säuglingen nachzudenken. Denken wir an den armen Wurm, dessen Herz kein langes Überleben erlaubt, der elend nach Luft schnappt, öffnet sich unser Herz, wir leiden und möchten den Tod doch nicht akzeptieren. Aber wer denkt an die Eltern des Spenders, der, ebenso ein armer Wurm, nicht in den Armen seiner liebenden Eltern sterben darf sondern dem bei lebendigem Leib in OP-Athmosphäre die Organe entnommen werden, oft mehr, als die Eltern erlaubt haben. In der wunderbar sachlichen Reportage (s.o.) berichteten sie von regelrechter Fledderei.

Die Menschenwürde liegt also ganz beim Empfänger?

man merkt vielleicht beim Lesen meiner Ausführungen, wie die Emotionen hochkommen, wenn Adjektive in Spiel sind, die sie kitzeln.

Es ist wie mit der Religion: wir müssen sachlich werden, dann ist es mit dem undifferenzierten Glauben vorbei.

Warum spendet kein Befürworter der Organspende, was er schon zu Lebzeiten spenden kann, aus Nächstenliebe eine Niere oder eine Netzhaut?

Nun soll es heißen: bekenne dich! - und wie in der Religionsfrage fühle ich mich in der Ecke der Herzlosen, bloß weil mein Herz nicht ohne Hirn sein will.