Früh, spät, nie

Nachwuchs Den richtigen Zeitpunkt zum Kinderkriegen gibt es nicht. Aber vielleicht das bessere Alter – neuen Untersuchungen nach zumindest
Ulrike Baureithel | Ausgabe 33/2015 3
Früh, spät, nie
Einfluss auf das Familienglück hat auch die Zahl der Kinder

Foto: Dove/Evening Standard/Getty Images

Machen Kinder glücklich? Eine Menschheitsfrage, die vor allem jüngere Leute im Wartestand auf die Elternschaft umtreibt. Da gibt es die einen, die glauben, dass Kinder der Sargnagel jeder Beziehung sind und Männer dazu bringen, sich schon im Vorfeld aus dem Staub zu machen; und die anderen, denen es gar nicht schnell genug gehen kann, weil sie Kinder für die Erfüllung ihres Lebens halten. Bei den meisten sind Kinder allerdings, na ja, so eine Art mehr oder weniger geplanter Unfall. Es passt nie, aber wenn sie kommen, begrüßt man sie freudig.

Dass aber der Zeitpunkt, wann „sie kommen“, ziemlich bedeutsam sein kann, zeigen zwei kürzlich veröffentlichte Studien. Mikko Myrskylä vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock hat mit seiner US-amerikanischen Kollegin Rachel Margolis nämlich untersucht, welche Eltern besonders glücklich sind. 7.000 Elternpaare aus Deutschland und Großbritannien wurden einem Vergleich unterzogen und im Lauf ihres Lebens nach ihrer Zufriedenheit mit Kindern befragt. Dass Herkunft, Bildung und Einkommen dabei eine wichtige Rolle spielen, erstaunt nicht. Ebenso wenig, dass Frauen unmittelbar nach der Geburt glücklicher sind als Männer, sich dieses Verhältnis, wenn ein Jahr ins Land gegangen ist, aber wieder umkehrt.

Überraschender ist dagegen, dass es eine Korrelation gibt zwischen dem Alter der Eltern und der Geburt eines Kindes. Bei sehr jungen Elternpaaren sinkt die Zufriedenheitsrate nach der Geburt rasant, während sie bei den 23- bis 32-Jährigen hochschießt, wenn das Kind erst mal auf der Welt ist, dann aber merklich abflaut, wenn es anfängt, nervtötend aktiv zu werden und die Aufmerksamkeit seiner Eltern zu beanspruchen. Haben Eltern, insbesondere Frauen, schon die Zone des „kritischen Alters“ (also ungefähr ab 34 Jahren) erreicht, haben sie nach der Geburt ziemliche Probleme, sich auf den neuen Mitbewohner, für den sie nun verantwortlich sind, einzustellen, sind später aber umso zufriedener mit ihm (je nachdem wahrscheinlich, wie er sich entwickelt).

Einflussreich ist dabei übrigens auch die Zahl der Kinder. Während beim zweiten Kind schon weniger Glückshormone ausgeschüttet werden, findet das dritte noch einmal richtig positive Aufnahme. Dumm nur, dass ältere Paare es gar nicht mehr so weit bringen. Dabei hätten insbesondere Männer allen Grund, spät Kinder zu bekommen. Denn eine andere Studie aus Finnland zeigt, dass sie, wenn sie früh Väter werden, also in den Anfangszwanzigern, früher sterben. Das belegen jedenfalls die Sterberegister von finnischen Brüdern, die zwischen 1940 und 1950 geboren wurden. Männer, die sehr jung Väter geworden waren, starben um fünf Prozent häufiger zwischen dem 45. und 54. Lebensjahr als ihre Brüder, die später Kinder bekamen, was wohl dem Stress geschuldet ist, im Post-Teenager-Alter eine Familie durchbringen zu müssen.

Die Ergebnisse zeigten, argumentieren die Forscher, dass junge Väter bei der Versorgung ihrer Familie unterstützt werden müssten, um das erhöhte Sterberisiko abzuwenden. Fragt sich bloß, von wem. Denn die nach 1970 geborene Generation ist damit aufgewachsen, dass sich Eltern die Verantwortung für ein Kind teilen sollten. Was rechnerisch nicht wirklich ein Ausweg ist, weil es den Stress lediglich auf beide Geschlechter verteilt. Und bei allen elaborierten Untersuchungen ist es doch so: Eltern sind am zufriedensten, wenn sie das Gefühl haben, beruflich nicht abgehängt zu werden, und trotzdem noch Zeit haben, die sie mit ihrer Familie verbringen können. Das wissen wir schon ewig und das muss nicht mit aufwendigen Statistiken belegt, sondern von entsprechenden Maßnahmen flankiert werden.

06:00 17.08.2015
Geschrieben von

Ulrike Baureithel

Autorin und Vielfachbewegte in Berlin
Ulrike Baureithel
Aboanzeige Artikel Aboanzeige Artikel

Kommentare 3

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community