Hybrid

Klonkrieg Zwei wichtige bioethische Entscheidungen entzweien Großbritannien

Großbritannien hat sich vergangene Woche wieder einmal, so Klongegner, als wissenschaftlicher "Schurkenstaat" in Europa profiliert: Im Parlament ist ein Antrag gescheitert, der die Ausweitung der Embryonenforschung verhindern sollte. Konkret geht es um die Erzeugung von Hybridwesen, die entstehen, wenn man menschliches Erbmaterial in tierische Eizellen einschleust.

Das Erbgut des entstehenden Embryos besteht zu 99,9 Prozent aus den Genen des Menschen. Doch in das neue Erbgut geht auch Information aus den Eizellen der Tiere ein. Dies birgt unwägbare Probleme, wenn das Gewebe beim Menschen zum Einsatz kommt: Es kann verstärkt abgestoßen werden, und man vermutet, dass es Krebs erzeugt.

Seitdem nun die "therapeutische" Stammzellforschung durch den Verbrauch von menschlichen Eizellen europaweit in Verruf geraten ist, suchen Wissenschaftler Auswege in diesen Hybrid­experimenten. In Newcastle basteln sie mit einer Ausnahmeregelung derzeit an Hautzellen, die aus Eizellen von Kühen geschaffen wurden. Ähnliche Versuche planen sie mit Kaninchen und Ziegen.

Aus den entstehenden Chimären sollen Krankheiten wie Alzheimer oder Mukoviszidose, eine erbliche Muskel-erkrankung, behandelt werden. Im Parlament tobte ein heftiger Disput, der Gegner und Befürworter in die altbekannten Stellungen brachte: Während Premier Gordon Brown eine Lanze für die Wissenschaft brach und die Abgeordneten beschwor, den medizinischen Fortschritt nicht zu behindern, sprachen Abgeordnete von "Monsterforschung" und neuen "Frankensteinen". Beweise bleiben in derlei Debatten notwendigerweise beide Seiten schuldig. In Deutschland räumen selbst überzeugte Stammzellforscher inzwischen ein, dass Therapien mit embryonalen Stammzellen in absehbarer Zeit nicht zu erwarten sind.

Auch eine andere Runde im britischen Klonkrieg, die mit dem Namen Zain Hashmi begann, wurde mit einem parlamentarischen Schlussstrich entschieden. Der vierjährige Zain aus Leeds litt an Thalassämie, einer tödlich verlaufenden Blutkrankheit, und seine Eltern stellten 2001 den Antrag, ein Retortenkind zu zeugen und das nach genau den Kriterien ausgewählt werden sollte, damit es als Knochenmarkspender für den erkrankten Jungen in Frage kam. Nach 18 Monaten hatte die zuständige Genehmigungsbehörde (HFEA) dieses Verfahren gebilligt.

Seither tobt auf der britischen Insel ein Kampf darüber, ob solche "Designer-Babys" erlaubt sind oder nicht. Schließlich müssen diese Kinder mit der wenig angenehmen Vorstellung leben, nur zu diesem Rettungszweck gezeugt worden zu sein, während das möglichweise gerettete Kind in einer lebenslangen Schuldhaft gegenüber Bruder oder Schwester steht. Nun hat das Parlament auch einen Antrag auf Verbot solcher Retterkinder ("saviour silblings") abgeschmettert.

Nicht zu verwechseln ist die britische Klonforschung übrigens mit einem wissenschaftlichen Erfolg, der zeitgleich aus Kalifornien gemeldet wird: Dort gelang es einem Forschungsteam, aus einer einzigen Stammzelle eine Prostata zu züchten - in Mäusen. Ebenfalls bestätigt hat sich die Annahme, dass sich solches vermehrungsfähiges Material auch in der menschlichen Prostata finden lässt. Bislang ist es allerdings schwierig, diese wenigen Zellen zu finden und zu isolieren.

Bei diesen so genannten CD117 handelt es sich nicht etwa um einen Tonträger, sondern um jene adulten Stammzellen, die im Streit um den Import von embryonalen Stammzellen immer wieder als Alternative ins Gespräch gebracht worden waren. Ob sich der Züchtungserfolg bei den Mäusen auch beim Menschen wiederholen lässt, wissen die beteiligten Wissenschaftler noch nicht. Wäre es so, stünde möglicherweise eine aussichtsreiche Therapie bei Prostatakrebs in Aussicht. Eine Hoffnung, kein Durchbruch.

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