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Ärzteprotest Die Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen ignorieren das strukturelle Ungleichgewicht bei den Einkommen verschiedener Ärztegruppen
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Der Branchen-Blutdruck ist hoch: Zwischen den Forderungen der Ärzte und den Vorschlägen der Kassen liegen 5,7 Milliarden

Foto: Adam Berry/Getty Images

Überschüsse wecken Begehrlichkeiten. Das bekommen derzeit auch die Krankenkassen zu spüren, die sich erstmals seit Jahren auf einem Polster von 22 Milliarden Euro ausruhen können. Der Chef des Bundesverbandes der Kassenärzte, Andreas Köhler, reklamierte schon im Frühsommer ein großes Stück von der Torte für seine Klientel, milde belächelt von der Chefin der Krankenkassen, Doris Pfeiffer. Insofern kann sich niemand ernsthaft wundern, dass die Honorarverhandlungen in der ersten Runde gescheitert sind. Zwischen den geforderten elf und den letztlich als Kompromiss angebotenen 0,9 Prozent liegen 5,7 Milliarden Euro.

Diese Differenz ist ähnlich gravierend, wie es die Unterschiede bei den Ärzteeinkommen sind. Ein Internist oder ein Radiologe verdient das Zweieinhalbfache eines Hausarztes. Doch die Ärztevertreter machen mit dem Mitleid für die letzteren Politik, um alle übrigen zu bedienen. Ist die Ausstattung erst einmal abgestottert, lebt sich mit einer geräteintensiven Praxis nämlich erheblich komfortabler als mit einer Hausarzt- oder Kinderarztpraxis, in der viel gesprochen werden muss. Dieses Ungleichgewicht ist strukturell und nicht durch einfache Honorarerhöhungen aus der Welt zu schaffen.

Die Krankenkassen wiederum haben ein Interesse daran, das nur scheinbar dicke Finanzpolster – es deckt ihre Ausgaben gerade mal drei bis vier Wochen – zusammenzuhalten bis zum nächsten Konjunktureinbruch. „Zeit kaufen“ für längst fällige Strukturreformen, nennt das AOK-Chef Jürgen Graalmann. Davon hat man allerdings auch schon in früheren Jahren gehört, ohne dass sich die Qualität der Versorgung nennenswert verbessert hätte.

Noch bestreiken die Kassenärzte nicht ihre Patienten, sondern piesacken nur die Krankenkassen. Deren Spitzenverband musste wegen einer Blockade mit Massen-Faxen gerade seine Telefonnummer wechseln. Das ist, mit Verlaub, Pennälerniveau. Sollten sich die Ärzte aber doch für Streik entscheiden, können ihn die Patienten gelassen aussitzen. Denn im Oktober beginnt ein neues Quartal. Und man möchte den niedergelassenen Arzt sehen, der dann nicht emsig seine Krankenscheine einsammelt.

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12:37 13.09.2012

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