Pleiten mit System

BKK Heilberufe Nach der Insolvenz der City BKK wackelt die nächste Krankenkasse. Hinter den Problemen steckt auch die falsche Verteilung des Gelds aus dem Gesundheitsfonds

Gerade sind die Versicherten der insolventen City BKK untergebracht, da kreist der Pleitegeier bereits um eine neue Beute. Sein nächstes Opfer, so scheint es, wird womöglich die BKK Heilberufe. Angekränkelt war die Krankenkasse schon länger, weshalb sie nach Fusionspartnern Ausschau hielt. Doch die infrage kommende BKK vor Ort, die mehr als 53 Millionen Euro ­Fusionshilfe hätte aufbringen müssen, hat die Werbung nicht erhört. So werden sich die 123.000 Versicherten der BKK Heilberufe wohl bald eine neue Kasse suchen müssen. 95 Mitarbeiter sind schon gekündigt.

„Bereinigung des Marktes“, nennen das die einen; „klassische Fehlsteuerung“ des Gesundheitsfonds die anderen. In der Tat können kleine Krankenkassen nur überleben, wenn sie sich zusammenschließen. Und selbst die Giganten der Branche wie die DAK, die jetzt mit der BKK Gesundheit fusionieren will, müssen sich Partner suchen. Denn Größe verspricht Durchsetzungsvermögen auf dem Markt, auf dem Versorgungs- und Rabattverträge ausgehandelt werden. Andererseits beklagen immer mehr Kassenvorstände eben auch Fehler im System: Der Gesundheitsfonds hat Überschüsse, während manche Kassen darben oder sogar Pleite gehen. Es geht also auch um die Verteilung des Geldes aus dem Fonds.

Ein Gutachten von Gesundheitsökonomen um Jürgen Wasem und Eberhard Wille wurde monatelang unter Verschluss gehalten, weil es das Verteilsystem – den Risikostrukturausgleich – als „verbesserungsbedürftig“ kritisiert. Kassen mit Versicherten aus Großstädten, die höheren Versorgungsbedarf hätten, würden benachteiligt, während für Gesündere vergleichsweise viel Geld aus dem Fonds zugewiesen werde. Das Papier soll dieser Tage endlich offiziell vorgestellt werden.

Ob Korrekturen die BKK Heilberufe gerettet hätten, steht auf einem anderen Blatt. Sie versammelt viele Versicherte mit höheren Risiken, die aus Sicht einiger Experten wohl besser im System verteilt wären. Bleibt abzuwarten, ob sich doch noch ein Partner für die Kasse findet. Und ob die Konkurrenz aus dem Insolvenz-Chaos der City BKK gelernt hat und diesmal den Versichertenansturm bewältigt.

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Geschrieben von

Ulrike Baureithel

Redakteurin „Politik“ (Freie Mitarbeiterin)

Ulrike Baureithel studierte nach ihrer Berufsausbildung Literaturwissenschaft, Geschichte und Soziologie und arbeitete während des Studiums bereits journalistisch. 1990 kam sie nach Berlin zur Volkszeitung, war im November 1990 Mitbegründerin des Freitag und langjährige Redakteurin in verschiedenen Ressorts. Seit 2009 schreibt sie dort als thematische Allrounderin, zuletzt vor allem zuständig für das Pandemiegeschehen. Sie ist außerdem Buchautorin, Lektorin und seit 1997 Lehrbeauftragte am Institut für deutsche Literatur der Humboldt Universität zu Berlin.

Ulrike Baureithel

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