Streng feudalistisch

Frauensache Die Mehrheit der Studierenden im Fach Medizin ist weiblich, trotzdem sitzen kaum Frauen in medizinischen Führungspositionen. Eine neue Kampagne soll dies ändern
Ausgabe 13/2013
Streng feudalistisch

Bild: Imago

Einst haben Männer den weisen Frauen die Heilkunde streitig gemacht. Dann versuchten sie, die ungeliebten Konkurrentinnen möglichst lange vom Medizinstudium auszuschließen, und als die Mädels sich den Zugang um 1900 – lange nach ihren Schwestern im Ausland – endlich erkämpft hatten, wurden sie abgedrängt in die „sprechenden“, schlecht bezahlten Fächer, die Gynäkologie oder Kinderarztpraxis etwa, um ihnen kein Messer in die Hand geben zu müssen.

Damit soll endlich Schluss sein, sagt der Deutsche Ärztinnenbund (DÄB), der die Aktion „ProQuote Medizin“ unterstützt. Nach dem Vorbild der Journalistinnen will die Kampagne endlich mehr Frauen an die Spitze der Krankenhäuser und Fachgesellschaften, auf Lehrstühle und in die Selbstverwaltung des Gesundheitssystems bringen. Denn: Weiblich ist das Medizinstudium allemal schon. 60 Prozent eines Jahrgangs sind Frauen, doch die Führungspositionen sind zu 90 Prozent von Männern besetzt – und Ärzte verdienen rund 1.900 Euro mehr als ihre Kolleginnen.

Das liegt nicht nur an der „strengen feudalistischen Struktur der Medizin“, wie Regine Rapp-Engels vom DÄB sagt, sondern auch daran, dass es überhaupt keine Untersuchungen über die Qualität männlicher und weiblicher ärztlicher Versorgung gibt. Die Anerkennung, so die Initiatorin Gabriele Kaczmarczyk von der Berliner Charité, bekämen jedenfalls nicht jene, die sich täglich im Krankenhausdienst aufrieben, sondern eine kleine Elite, die auf Lehrstühlen oder Chefsesseln sitze.

200 Unterzeichnerinnen haben sich auf der ProQuote-Website bereits zusammengefunden. Sie werden zwar nicht vom zuständigen Gesundheitsminister, aber immerhin von seiner Kollegin Ursula von der Leyen unterstützt. Neben gerechteren Aufstiegsmöglichkeiten geht es der Kampagne auch um Arbeitszeitmodelle, die es Frauen erlauben, Spitzenpositionen einzunehmen: Daran sollten auch Männer ein Interesse haben, glaubt Ärztinnen-Coach Ulrike Ley: „Es gibt schließlich immer weniger Frauen, die bereit sind, ihrem Arztgatten den Rücken freizuhalten.“ Und vielleicht – so die Hoffnung – auch immer weniger Frauen, die sich diese Rolle in Arztgroschenheften anlesen. Bleibt zu wünschen, dass nicht jedes Jahr eine neue Berufsgruppe, sondern Frauen allesamt einmal an die Spitze stürmen. 2014 jährt sich der FrauenStreikTag von 1994 zum zwanzigsten Mal. Sein Motto ist nach wie vor aktuell. Es lautete: Deutschland in Frauenhand, das wäre spitze.

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Geschrieben von

Ulrike Baureithel

Redakteurin „Politik“ (Freie Mitarbeiterin)

Ulrike Baureithel studierte nach ihrer Berufsausbildung Literaturwissenschaft, Geschichte und Soziologie und arbeitete während des Studiums bereits journalistisch. 1990 kam sie nach Berlin zur Volkszeitung, war im November 1990 Mitbegründerin des Freitag und langjährige Redakteurin in verschiedenen Ressorts. Seit 2009 schreibt sie dort als thematische Allrounderin, zuletzt vor allem zuständig für das Pandemiegeschehen. Sie ist außerdem Buchautorin, Lektorin und seit 1997 Lehrbeauftragte am Institut für deutsche Literatur der Humboldt Universität zu Berlin.

Ulrike Baureithel

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