Unter den Staubmänteln der Geschichte

REICHSTAGSBRAND 1933 Der Forschungsstreit um die Täterschaft geht in eine neue Runde und wirft ein Licht auf den aktuellen Geschichtsrevisionismus
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Am Anfang steht ein, man möchte fast sagen: typisch deutscher Skandal: Mitte der sechziger Jahre wurde vor einem Westberliner Gericht der Fall des Marinus Van der Lubbe, der von den Nationalsozialisten 1934 hingerichtete angebliche Brandstifter des Reichstags, wieder aufgerollt, um den »ersten großen Widerstandkämpfer gegen Hitler«, so der Lubbe-Biograph Martin Schouten, zu rehabilitieren. Doch daraus wurde damals nichts: Das Berliner Kammergericht verurteilte Van der Lubbe ein weiteres Mal wegen menschengefährdender Brandstiftung zu acht Jahren Zuchthaus.

In Holland wird Marinus Van der Lubbe als Held geehrt; die Stadt Leipzig würdigte ihn erst im Januar 1999 mit einer Gedenkstätte auf dem Südfriedhof. Unterstellt man, wie viele seiner Landsleut