Schlüpfer gegen die Krise

Kampagnen-Kritik Eine Kampagne für Designer-Unterwäsche will mit halbnackten Politikern dazu animieren, alte Unterhosen abzuwracken. Dabei gibt es auch subtile Kritik am SPD-Kandidaten

Ob dieses Werbeplakat Auffahrunfälle provozieren wird? Es sind keine langbeinigen, großbusigen oder six-packigen Unterwäsche-Models darauf abgebildet. Aber Hingucker sind sie schon, die Kanzlerin und sechs weitere Minister oder Parteivorsitzende in lila, grüner, roter oder blauer Bruno-Banani-Unterwäsche.

Die Plakate mit den gemalten Konterfeis der Politprominenz sind, was die Figur angeht, sämtlich geschönt. Angela Merkel ist üppig, aber nicht zu üppig, Frank-Walter wirkt muskulös und auch Guido Westerwelle, Horst Seehofer, Cem Özedemir und Ursula von der Leyen kommen allesamt sehr schlank daher. Mit den bunten Politiker-Unterhosen wirbt Bruno Banani für eine neue Marketingaktion. „Abwrackprämie. Wir geben alles, um die Nachfrage anzukurbeln“, lautet der Slogan. Dabei beruft man sich auf das Unterhosen-Theorem des ehemaligen US-Notenbankchefs Alan Greenspan. Dies besagt: Wenn keine Männerunterhosen mehr verkauft werden, sieht es schlecht für die Konjunktur aus. Bruno-Banani-Chef Wolfgang Jassner stemmt sich deshalb gegen die Krise und bietet eine Fünf-Euro-Prämie pro abgewrackter Unterhose. Aber natürlich nur, wenn die alte Buxe gegen einen schicken Slip von Banani getauscht wird.

Alles wird abgewrackt, nun auch Unterhosen

Über eine Krise in der Unterhosenbranche will Wolfang Jassner jedenfalls nicht sprechen, als er die neue Kampagne auf einer Pressekonferenz im Berliner Luxushotel Hilton vorstellt. Sondern versucht sie verzulächeln und wegzureden: „Wir sind für unsere innovativen Ideen bekannt.“ Ganz neu ist die Abwrack-Idee allerdings nicht mehr. Seit dem Erfolg der Abwrackprämie bei den Autos wird im Einzelhandel alles "abgewrackt", was sich irgendwie verkaufen lässt: Fahrräder, Kochtöpfe, Schuhe oder Herrenanzüge - und nun also auch Unterhosen.

Geschickt zielen Firmenboss Jassner und die schwäbische Werbeagentur brandplatform dabei auf die Aufmerksamkeit der Journalisten, die je von Berufswegen nach originellen und provokanten Bildern dürsten. So auch diesmal: Zur Pressekonferenz im Berliner Hilton Hotel drängeln sich Fotografen und Kamerateams. In der Einladung mit geschwärzten Passagen wurde der Auftakt zur neuen Unterhosen-Abwrackprämie als „einmalige, prominente Aktion mit nahezu nackten...“ angekündigt.

Die Chemnitzer sind bekannt für ihre ungewöhnlichen PR-Aktivitäten. Aus der Not geboren, weil nicht genug Geld für eine klassische Kampagne in Zeitschriften und auf Plakatwänden da war, entstand 1998 die Kampagne „First spaced proofed underwear“. Die Banani-Werber schickten eine Unterhose zur russischen Weltraumstation MIR und beauftragten einen Astronauten, sie auf ihr Verhalten in der Schwerelosigkeit zu prüfen. Die Bilder des Raumfahrers mit Banani-Shirt und Cappy, der mit Daumen nach oben diesen Test, wurden weltweit im Fernsehen ausgestrahlt.

Später folgten Ausflüge auf den Mount Everest und in 4.8000 Meter Wassertiefe im Bermudadreieck. Der schwäbische Unternehmer Wolfgang Jassner kam 1993 nach Chemnitz um mit Designer Unterwäsche reich zu werden- und es ist ihm gelungen. Der 67-Jährige hat einen weißen Haarkranz und ein schelmisches Lächeln. Ein charmanter Marketing-Profi, der zeigt, wie man mit geringen Budget maximale Aufmerksamkeit erzeugt. Während Konkurrent Schiesser im Februar Insolvenz anmelden musste, machte das Unterwäsche-Unternehmen aus Chemnitz mit dem seltsamen Namen einen Umsatz von 75 Millionen Euro im vergangenen Jahr.

Ein bisschen frech, aber nicht zu frech

Nun nutzt Bruno Banani die Bekanntheit der Politiker für seine Schlüpfer. Und setzt darauf, dass die es mit Humor nehmen. „Die Politiker sollen sich geschmeichelt fühlen, aber nicht karikiert“, so Jassner. Eine Claudia-Schiffer-Figur mit dem montierten Konterfei Merkels wäre nicht in Frage gekommen. „Die Politiker sollen das Plakat sehen, sich freuen und denken: so gut sehe ich aus.“

Der Banani-Plan könnte aufgehen: Die Kampagne ist ein bisschen frech, aber nicht zu frech. Die Wahrscheinlichkeit, dass Merkel und Co sie gelassen ignorieren, ist relativ groß. Nur der SPD-Spitzenkandidat könnte verstimmt sein. Während die männlichen Politiker in zu ihrer Partei passenden Farben posieren, könnte man an Steinmeiers Unterhosenfarbe Kritik an zu großer CDU-Nähe ablesen. Er trägt einen schwarzen Slip.


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18:55 30.04.2009
Geschrieben von

Ulrike Linzer

Alltagsressort
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Ausgabe 19/2021

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