Bio vs. Industriell, oder lieber Individuell

Ernährung Der Wettstreit um Bio oder Konventionelle Nahrungsmittel, nimmt Religiös Fanatische Züge an.
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Ein Radiointerview mit einem Bauern für den ich in der Saison jedes Jahr als Erntehelfer Arbeite lies mich heute Morgen aufhorchen. Die Erzeugung der Bionahrungsmittel in Deutschland benötigt 14% der Agrarfläche Deutschlands, mit 22.000 Betrieben stellen sie 7,5% der Landwirtschaftlichen Betriebe und erzeugen so 25% der Biolebensmittel in Deutschland, das entspricht 1% der in der BRD verkauften Nahrungsmittel.

Trifft man auf Vertreter der einen oder der Anderen Spezies von Agrarerzeugungs Befürwortern wird es mit einer Information schon eher schwierig. Hier werden verfestigte Dogmen Propagiert die so nicht stimmen können. Ein Gefühl das jeden beschleicht der schon einmal in der Landwirtschaft gearbeitet hat. Einer der Vorteile der Biolandwirtschaft ist der Verzicht auf Düngemittel und Pestizide.

Die Düngemittel werden in der Biolandwirtschaft zum Teil kompensiert durch das Ausbringen von Gülle. Dies erfordert in den jeweiligen Betrieben eine Höhere Anzahl an Tieren als im Konventionellen Anbau. Da Gülle allerdings nicht auf der Weide geerntet werden kann müssen die Tiere Aufgestallt werden. Hier nutzen Biobauern die Maximale Zeit des Verbleibes im Stall weidlich aus. Die einzige Region in der Kühe nicht in Ställe gesperrt werden ist Irland. Jede Untersuchung von Irischer Butter oder anderen Irischen aus Kuhmilch hergestellten Produkten weist nach das es Gesünder nicht geht.

Nur Irische Butter hat gar kein Biosiegel? Ein Unterschied zwischen Bio und Konventioneller Butter existiert nicht. Außer in Ihrem Placebo Effekt. Warum aber ist nun Irische Butter so viel Besser als andere. In Irland ist die Herstellung von Raufutter, also das Anpflanzen von Futterpflanzen, nicht möglich. Es ist daher Notwendig die Tiere Ganzjährig mit Grünfutter zu versorgen. Dies geschieht über ein sehr komplexes Weidesystem, das auch im Winter eine Überweidung und Überdüngung der weiden verhindert. (Daten Fakten Zahlen zur Milchviehwirtschaft erhält man auf Anfrage beim Irischen Parlament oder beim Irish Dairy Board)

Nun wenden wir uns aber wieder der Viehhaltung und Düngung der Biolandwirtschaft zu. Thüringen ist eines der Wichtigsten Biolandwirtschafts Regionen der BRD. Hier kam es in diesem Jahr erstmals seit fast 30 Jahren zur Kontamination des Grundwassers mit Kolibakterien. Diese werden bei ungünstigen Wetterlagen aus den Gedüngten Böden ausgeschwemmt und ins Grundwasser eingetragen. Es wurden ca. 130 Menschen Krank und 3 Personen Starben. Über einen Zeitraum von 4 Wochen war der Verzehr von nicht abgekochtem Trinkwasser verboten.

Neben Thüringen kam es in Spandau und in Brandenburg ebenfalls zu Verseuchungen des Trinkwassers mit e-coli Bakterien. Allgemein wird die in diesem Jahr aufgetretene Verunreinigung des Trinkwassers auf die Starken Regenfälle während der wichtigen Frühjahrs Düngung zurückgeführt. Wir sehen Landwirtschaft ob Konventionell oder Biologisch können Schäden für den Menschen nicht verhindern.

Ein weiterer Wichtiger Punkt der uns von der einen oder anderen Landwirtschaft überzeugen soll ist die Qualität der Produkte. Die Wohl beste Lügengeschichte in diesem Zusammenhang haben unsere Sterne und Fernsehköche in die Welt gesetzt. Kurz gesagt Konventionelles Fleisch schmorrt in der Pfanne zusammen, Biofleisch nicht. Tja wir als Alltagsköche Wissen das hier etwas nicht stimmen kann. Wie hat Oma immer gesagt wenn das Fleisch in der Pfanne schrumpft ist die Temperatur wohl Falsch.

Nun Oma hat hier absolut recht gehabt. Beim Kochen ziehen sich die Muskelfasern im Fleisch zusammen und pressen die Flüssigkeit aus dem Fleisch. Es ist deshalb wichtig, das Fleisch nicht zu überkochen. Ca. ab 58 bis 65 Grad Kerntemperatur des Fleisches kommt man in den kritischen Bereich bei dem sich die Fasern stark zusammenziehen und den Saft herauspressen. Es gibt verschiedene Methoden das zu vermeiden, etwa Erfahrungswerte beim Braten beachten, Fingerprobe, Kerntemperaturmessen, Niedertemperatur, Sous vide Verfahren.

Bei bindegewebsreichem Fleisch muss allerdings das Fleisch längere Zeit mit mindestens 63,5 bis 80 Grad Kerntemperatur gekocht werden, damit sich das Bindegewebe in Gelatine umwandelt. Hier ist es sehr schwierig ohne Niedertemperatur oder Sous vide Verfahren die optimale Kerntemperatur über lange Zeit zu halten. Ansonsten ist das Fleisch entweder weich aber trocken, oder saftig aber zu fest.

Nun gut also das Fleisch ist es nicht als sind es dann ja wohl die Wurzeln und Knollen oder auch das Obst Vielleicht? Dazu begeben wir uns nun einmal in einen Supermarkt und einen Biomarkt. Der Supermarkt bietet in der Regel noch sein Obst an mit HKL Auszeichnung, oder wir finden sie auf der Verpackung. Ein erstes Aha Erlebnis wird uns nun zuteil. 90% des Obsts und Gemüses sind HKL3 und schlechter. Leider erwartet uns im Biosupermarkt das gleiche Ergebnis. Hier ist also nicht die Anbaumethode über die Qualität der entscheidende Faktor sondern der Handel. Der erst gar keine Qualität erwirbt. In dem Betrieb in dem ich als Erntehelfer aushelfe geht die Gesamte HKL1 und 2 Ware ins Ausland weil sie hier in der BRD nicht verkäuflich ist.

Das Fazit ist ernüchternd qualitativ Hochwertige Nahrungsmittel finden sich weder im Biologischen Handel noch im Supermarkt. Meine Private Lösung war die Entscheidung zur Individual Versorgung. Auch nicht zuletzt aus Kostengründen weil selbst Discounter zu Teuer sind.

Nehmen wir hier zuerst wieder das Beispiel Fleisch. Nun ich gestehe zu ich bin Schweine Fan. Also habe ich ein Schwein. Nein nicht hier in meiner Plattenbau Wohnung das wohnt 12Km weit weg auf einem Bauernhof. Im Herbst gehe ich los zu einer Ferkelzuchtstation dort kaufe ich mir ein Ferkelchen das mir gefällt. Dies holt ein paar Tage später mein Bauer ab meist noch mit anderen Ferkeln zusammen. Die Ferkel leben in einem Stall der auch ein außen Gehege beinhaltet. Sie haben dort mehrere Spielsachen und jedes angehende Schwein seine eigene Diät.

Diese Diät bestimme ich. Mein Schwein bekommt zu 30% das Normale Biofutter und zu 70% Eicheln und selbstgesammelte Trüffel. Diese Bekommt man umsonst aus dem Wald, allerdings ist es nötig sich beim zuständigen Förster anzumelden. Damit man nicht in eine Jagd, eine Horde Schwarzkittel läuft oder wie seit diesem Jahr unser zugezogenes Paar Wolfe stört, das wie unsere Jäger hoffen sich hier fest ansiedeln wird.

Ist das Schwein im Herbst dann ausgewachsen, mit 15 Monaten, wird es Geschlachtet. Auch wieder Hier vor Ort bei einem Schlachter, man hat dann die Wahl selber zu wursten oder es dem Schlachter zu überlassen. Aus Kostengründen Wurste und Zerlege ich Selber. Dies Fleisch reicht mir ca. ein Jahr lang für meinen Eigenen Bedarf. Der Preis pro Kilo an ausgegebenen Geld beträgt in diesem Jahr 1,78€.

Milch und Milchprodukte sind in sehr guter Qualität bei jedem Vorzugsmilch betrieb zu beschaffen. Wobei ich auch hier aus Kostengründen nur Milch erwerbe und alles andere selber herstelle.

Obst beschaffe ich mir das welches hier in der Region angebaut werden kann. Wahlweise von Streuobstwiesen, aus dem Wald(Auch hier wieder Förster Fragen nicht vergessen), oder auf Regionalen Obstplantagen in welchen man selber ernten darf. Die Kosten hier sind Identisch mit der Discounter Welt.

Gemüse gibt es ausschließlich das Saisonale Gemüse vom Markt das ich in seiner Herkunft und Handelsklasse zuordnen kann. Das heißt der Grünkohl darf schon mal aus Niedersachsen sein. Hier auf unseren Böden gedeiht er nicht. Pilze kommen aus dem Wald und Tomaten kommen vom Balkon, ebenso wie meine Kräuter.

Somit verbleiben für den Supermarkt nur noch Zucker, Mehl, Butter, Flocken und Körner als auch nicht zu vergessen mein Bier. Gesundheit spielt in meiner Ernährung eine sehr unwichtige Rolle es ist ausschließlich die Qualität. Das in meiner Nahrungsbeschaffung kein Biobetrieb ist liegt daran das der für mich erreichbare Biobetrieb ein Drecksstall ist. Wenn mir die Hygiene auf einem Hof nicht gefällt ist er für mich gestorben egal wie oder was er Produziert.

Die Frage die sich mir stellt ist nun Brauchen wir nicht einen Dritten Weg einen Linken weg der Versorgung mit Nahrungsmitteln? Das sich die Kosten für mich so gut rechnen liegt auch daran das ich nicht alleine Einkaufe sondern wir immer uns vorher mir ca. 30 Menschen hier aus meinem Haus zusammen tun und das Ganze dann mit einem LT der Diakonie eingekauft wird.

08:16 26.09.2012
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Unsichtbar

Klug und fleißig – gibt’s nicht; klug und faul – bin ich; dumm und faul – gerade zu gebrauchen; dumm und fleißig – davor behüte uns der Himmel!
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