100 Prozent Verantwortung

Textilien Nachhaltige Produktion ist eine große Herausforderung, Netzwerke sind wichtig

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community.
Ihre Freitag-Redaktion

Unser Anliegen als Unternehmen ist es, in echter Partnerschaft mit Mensch und Natur zu agieren. Seit 2008 haben wir uns auf den Weg gemacht, Europas nachhaltigster Outdoor-Ausrüster zu werden. Dies bedeutet für uns, dass wir bei allen Unternehmensentscheidungen nicht nur ökonomische, sondern auch ökologische und soziale Aspekte miteinbeziehen. So verfolgen wir als Mitglied der Fair Wear Foundation in unseren asiatischen Produktionsstätten die höchsten Sozialstandards. Knapp 80 Prozent unserer Bekleidungskollektion sind gemäß unserer „Green Shape“-Kriterien umweltfreundlich produziert – aus nachhaltigen Materialien und ressourcenschonender Herstellung. Dies beinhaltet nicht nur Produkte aus zertifizierten oder recycelten Materialien, Biobaumwolle oder tierschutzgerechter Daune, sondern setzt auch voraus, dass ein Großteil unserer Materiallieferanten bluesign-Systempartner ist. Der bluesign-Standard ist der weltweit strengste Umweltstandard für textile Produkte.

Know-how von Expertinnen

Auf diesem Weg erleben wir fast täglich, dass Nachhaltigkeit zwar ungeheuer motivierend und sinnspendend, aber sicher kein Spaziergang ist, sondern eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit Zielkonflikten darstellt: Mal gibt es beispielsweise bei Materialien umweltfreundlichere Lösungen, die dann jedoch 30 Prozent teurer sind. Mal gibt es bezahlbare, umweltfreundliche Lösungen, allerdings mit Abschlägen in der Funktion. Mal ist das Wissen da, dass etwas umweltschädlich ist, aber es gibt noch keine Alternativlösungen. Zudem ist ein sinnvoller Lösungsweg meist mit hohem Aufwand verbunden und nur mit dem Know-how von ExpertInnen zu erarbeiten.

Es ist für uns als mittelständisches Familienunternehmen sehr schwierig, die sozialen und ökologischen Herausforderungen der internationalen Textilherstellung im Alleingang zu stemmen. Stattdessen haben wir die Erfahrung gemacht, dass sich erst dann wirklich etwas bewegen lässt, wenn Partnerschaften geschlossen werden und gemeinsam agiert wird. So engagieren wir uns seit Langem für ein gemeinsames Vorgehen der Hersteller innerhalb der Branche, aber auch in Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen und ExpertInnen.

Daher haben wir das Bündnis für nachhaltige Textilien als Gründungsmitglied von der ersten Stunde an unterstützt. Auf Initiative des Bundesentwicklungsministeriums sollen im Rahmen dieser Allianz der Sachverstand und die Kräfte der Bundesregierung, der Textil- und Bekleidungsindustrie, des Handels, der Gewerkschaften und der Nichtregierungsorganisationen gebündelt werden, um gute Umwelt- und Sozialstandards in allen Stufen der Textilproduktion umzusetzen. Parallel dazu wird der entwicklungspolitische Dialog mit den Produktionsländern geführt. Außerdem sollten Nachhaltigkeitskriterien in der öffentlichen Beschaffung von Textilprodukten stärker berücksichtigt werden. Damit dieses Bündnis tatsächlich erfolgreich wird, sollten möglichst viele Unternehmen beitreten.

Doch daran hapert es. Aus meiner Sicht wäre es hilfreich, wenn in der Öffentlichkeit nicht nur über den dringenden Handlungsbedarf berichtet wird, sondern genauso deutlich und realistisch über die Herausforderungen, die wir alle gemeinsam auf dem Weg zu nachhaltigeren Textilien vor uns haben. Auf diese Weise könnte verdeutlicht werden, dass ein Unternehmen allein diese Herausforderungen nicht meistern kann, sondern dass mit dem Textilbündnis zum ersten Mal in der Geschichte der Textilproduktion tatsächlich alle Beteiligten und Betroffenen an einem Tisch sitzen, sich auf Mindeststandards einigen und die entsprechenden Maßnahmen auf allen Ebenen umsetzen. Eine maßgebliche Rolle dabei spielen auch die Nichtregierungsorganisationen, die gefordert sind, mit den Unternehmen zu kooperieren und sich mit ihrem Fachwissen in die Prozesse einzubringen. Wenn dieser gemeinsame Ansatz sichtbar wird und funktioniert, senkt das vielleicht die

Hemmschwelle für manches Unternehmen, sich aktiv am Textilbündnis zu beteiligen.

Nachhaltigkeit ist Teamarbeit. Um voranzukommen, brauchen wir das Engagement aller Beteiligten. Aus meiner Sicht ist das Textilbündnis eine großartige Chance, gemeinsam den Hebel an unsere Lieferketten und bisherigen Geschäftsmodelle anzusetzen und tatsächlich große positive Veränderungen zu bewirken. Ich hoffe, wir verschenken sie nicht.

Dieser Artikel ist Teil des Freitag Extra Grün wirtschaften – Nachhaltigkeit weiterdenken in Kooperation mit UnternehmensGrün

Dieser Artikel ist Teil des Freitag Extra Grün wirtschaften – Nachhaltigkeit weiterdenken in Kooperation mit UnternehmensGrün

Dr. Antje von Dewitz ist Geschäftsführerin des Outdoor-Ausrüsters Vaude in Tettnang. Die studierte Kultur- und Wirtschaftswissenschaftlerin verfolgt mit ihren rund 500 MitarbeiterInnen eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Unternehmensstrategie


Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Antje von Dewitz | UnternehmensGrün

UnternehmensGrün e.V. ist ein ökologisch orientierter Unternehmensverband

UnternehmensGrün