Ein spannendes Arbeitsumfeld

Perspektive Greenjobs-Gründer Jan Strohschein beschreibt die Zukunft des grünes Jobmarkts

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Ich möchte einen Job mit Sinn! Geld und Karriere sind nicht so wichtig!“ Seit einigen Jahren gibt es immer mehr Menschen, die in in ihrem Beruf eine nachhaltige Perspektive verfolgen wollen – sei es im sozialen Sektor oder im klassisch grünen Umweltbereich. Oft steht auch die Art und Weise des Arbeitens und Wirtschaftens im Vordergrund. Die Menschen wollen stärker zusammen und in Netzwerken arbeiten, nicht nur im Unternehmen oder im Verband, sondern auch über Unternehmensoder Organisationsgrenzen hinweg – ohne Konkurrenzdenken.

Der Ansatz, auch im Beruf „die Welt zu retten“, ist in der Umweltbewegung traditionell verbreitet. Umweltschutzgedanken kommen aber längst auch in Unternehmen, Behörden und Politik zum Tragen. Produktion und Produkte werden immer umweltfreundlicher. Damit gibt es immer mehr „grüne Jobs“. Der Umweltwirtschaftsbericht des Bundesumweltministeriums stellte schon 2011 fest: „Umweltschutz hat sich in Deutschland zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Dies zeigt die Entwicklung der Umweltwirtschaft, die als Querschnittsbranche alle Unternehmen umfasst, die Umweltschutzgüter und -dienstleistungen anbieten.“

Was sind grüne Jobs?

Auf dem grünen Jobportal greenjobs.de gab es 2014 die meisten Stellenangebote für Ingenieure und Techniker (21 Prozent) und für Biologen, Forst- bzw. Agrarwirte und Landschaftsplaner (24 Prozent). Die übrigen 55 Prozent waren Jobangebote aus den Bereichen Bildung, Medien, Kommunikation oder Forschung. Neben Unternehmen aus der Branche Erneuerbare Energien sind als Arbeitgebergruppen der Öffentliche Dienst und Verbände stark vertreten.

Aber was sind eigentlich grüne Jobs? Eine eindeutige Definition muss noch gefunden werden. Für eine gesamtwirtschaftliche Betrachtung fehlen noch Kriterien, nach denen einzelne Arbeitsbereiche als „grün“ deklariert werden können oder eben nicht. Auch für die tägliche Arbeit fehlt bisher eine klare und einfach zu handhabende Regelung. Was ist mit Unternehmen oder Institutionen, die nicht im Umweltbereich tätig sind? Kann es dort grüne Jobs geben? Was ist mit dem Job, dessen Aufgaben nur teilweise im Umweltbereich liegen? Ist Finanzbuchhaltung in einem Umweltverband ein grüner Job? In den vergangenen Jahren haben sich bei den Jobbörsen für Umweltfachkräfte zwei Kriterien für die Veröffentlichung von Stellenanzeigen bewährt: Entweder wird im Jobprofil eindeutig eine grüne Qualifikation gefordert – das kann dann auch der Umweltingenieur bei einem fossilen Energieunternehmen sein. Oder der Arbeitgeber selbst ist überwiegend im Umweltbereich tätig, dann ist auch der

Finanzbuchhalter bei einem Umweltverband ein grüner Job.

Angetrieben wurde das Jobwachstum im grünen Bereich bis zum Jahr 2012 erheblich durch die erneuerbaren Energien. Ab 2012 kam es zu einem massiven Einbruch. Zuerst strauchelte die Photovoltaikbranche in einem wachsenden internationalen Wettbewerb bei gleichzeitig dramatisch verschlechterten Förderbedingungen. Es folgte die Biogasbranche. Erfreulicherweise steht die Energiewende in Deutschland nicht ernsthaft zur Disposition, aber unsichere Förderbedingungen und politische Rahmensetzungen erschweren eine stabile Entwicklung der grünen Jobs in diesem Bereich. Für den Arbeitsmarkt erwarten wir dennoch mittel- und langfristig gute Perspektiven, da die Strom-, Wärme- und Verkehrswende weitere Impulse bringen werden. Auch im übrigen Umweltbereich ist die Job-Situation gut. Viele Stellen in der Umweltforschung haben eine stabile Finanzierung durch die öffentliche Hand. Auch Stellen bei Bund, Ländern und Kommunen sind durch zahlreiche in Gesetzen und Verordnungen definierte Aufgaben nicht direkt von der wirtschaftlichen Lage abhängig. Und daran hängen wiederum die verschiedenen Dienstleister wie Umweltgutachter, Landschaftsplaner oder Altlastensanierer.

Ein spannendes Arbeitsfeld ist die Start-up-Szene. Experten gehen davon aus, dass vier von fünf Gründungen an Lösungen für den Klimaschutz arbeiten. Viele dieser Gründungen sind technologiegetrieben, sodass Menschen mit einer technischen Ausbildung – besonders mit IT-Hintergrund – gute Einstiegschancen haben. Gleichzeitig bieten dynamische Start-ups gute Chancen für flexible und kreative Quereinsteiger.

Dieser Artikel ist Teil des Freitag Extra Grün wirtschaften – Nachhaltigkeit weiterdenken in Kooperation mit UnternehmensGrün

Dieser Artikel ist Teil des Freitag Extra Grün wirtschaften – Nachhaltigkeit weiterdenken in Kooperation mit UnternehmensGrün

Jan Strohschein ist Landschaftsplaner und Geschäftsführer bei greenjobs.de

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Jan Strohschein | UnternehmensGrün

UnternehmensGrün e.V. ist ein ökologisch orientierter Unternehmensverband

UnternehmensGrün

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