UnwiseNomad

Germany's greatest philosopher was a Kant.
UnwiseNomad
RE: Gendermarketing in der Produktwelt | 02.04.2013 | 19:47

Mir fehlt bei Beschreibung und Auswertung des Versuchs ein maßgeblicher Aspekt, nämlich dass wir alle, schon als Kleinkinder, verschiedenste an unser jeweiliges Umfeld angepasste Rollen spielen.

Es ist ein großer Unterschied, ob ich mir "den Stuhl" für mich oder in meiner Rolle als "Frau" oder "Mann" aussuche; noch mehr, wenn ich es für das andere Geschlecht tun soll.

Besonders deutlich wird dieser Gesichtspunkt m.E. bei den erwähnten Rasierapparaten. Technisch völlig identisch, zögere ich als Mann doch, den in der Dusche liegenden (unbenutzten) Apparat meiner Freundin zu benutzen, statt umständlich und triefend herauszusteigen und meinen eigenen zu holen. Das nicht deshalb, weil mich Pastelltöne und unnütze Flügelchen abstiessen, sondern weil sie mich dabei erwischen könnte.

Dabei geht es nur um die Rolle, wie überhaupt bei aller Reklame: Wollen Sie wirklich mit Aldi-Sekt zu einer Einladung auftauchen (egal, wie er schmeckt und ob er nicht letzlich doch von Moet-Chandon abgefüllt wurde)? Als Mann in einem rosa Beetle-Cabrio oder als Frau in einem Blau-LED-beleuchteten Angebermobil gesehen werden?

Von daher wird es keine (langweiligen?) Unisex-Produkte geben können, denn sonst gäbe es auch Milch, Bier, Waschpulver, Seife, Mehl und Öl zu kaufen und nicht Weihenstephan, Krombacher, Persil, Palmolive, Aurora und Livio aus dem großen Sack/Fass in die braune Tüte/Kanne abgefüllt. Der Mehrwert der Scheinwelt würde fehlen, und davon ist die Geschlechterrolle nur eine unter vielen.

RE: Sieg der Türken vor Wien | 02.04.2013 | 17:10

Das wichtigste Stichwort in dem Zitat ist: "therapeutisch wertvoll". Haben die Autoren Angst, dass ihre geistige Verwirrtheit genetisch bedingt ist und sich daher auf ihre Kinder vererbt?

RE: Sieg der Türken vor Wien | 02.04.2013 | 17:05

Die Gemengelage ist noch viel vertrackter als wir uns das gedacht haben.

Zunächst einmal wäre zu klären, ob Jabbas Palast nicht eine Replik dieses Gebäudes darstellt (und welche Prinzessin dort in Ketten gefangen liegt):

http://mowade.de/bilder/einzelmotive/berlin/berlin%20fototapete%20reichstag%20tuerkis%20braun.jpg

und dann auch, warum die belgischen "Frauen gegen Islamisierung"/ sich ausgerechnet dieses Lego Logo ausgesucht haben:

http://www.vrouwentegenislamisering.be/images/header_logo.gif

RE: Sieg der Türken vor Wien | 02.04.2013 | 00:28

Mit Disney machst Du natürlich ein richtiges Faß auf. In "Alladdin" wird der Flaschengeist als bösartig und fettleibig dargestellt, ganz so wie Jabba im Krieg der Sterne. Und er ist (vermutlich) Moslem, während Jabba (vermutlich) Atheist war (sein wird?).

"Ali Baba und die vierzig unabsichtlichen Vorsteuerverkürzer" liegt schon in den DVD-Regalen; Sheherazade wird in moderneren Fassungen der Geschichte schon in der ersten Nacht defloriert, obwohl sie erst nach 1001 Nacht volljährig wird. Ordnung muss sein.

RE: Sektenquatsch und Eiermatsch | 30.03.2013 | 17:16

Danke für die vertiefenden Informationen, die ganz sicher einen eigenen Blog wert sind. Mir ging es hier darum, das aktuelle Geschehen mit der Haltung der Grünen zur Frage der Beschneidung zu kontrastieren, einem Punkt, den ich in der Presse bisher nicht besprochen fand.

Meine Hypothese dazu ist, dass es an einer wirklich durchdachten ethischen Haltung fehlt, die bei beiden Themen zur gleichen, einzig möglichen Antwort hätte kommen müssen: Finger weg von solchem menschenverachtendem Irrsinn!

KGE laviert hilflos herum, weil man in "ihrer" EKD noch diskutiert, wo es nichts zu diskutieren geben kann. Die Haltung der Grünen in dieser Sache unterstütze ich, falls das missverständlich war.

RE: Sektenquatsch und Eiermatsch | 29.03.2013 | 12:25

Schon etwas länger her, hat sich mir ein denkwürdiges Interview mit Jürgen Trittin zur Frage eingeprägt, was man denn tun könne, wenn ein WTC-Flieger über Deutschland auftauchen sollte (Das Interview ist leider nicht mehr online):

"Wir haben versucht durchzusetzen, dass es dann abgeschossen werden darf. Aber das hat das Verfassungsgericht ja verboten."

Erst kürzlich diskutierte die Grüne Ekin Deligöz über das Thema ungleicher Bezahlung von Männern und Frauen. Ihr Gesprächspartner nahm ihr den Wind aus den Segeln, indem er überzeugend darlegte, dass für gleiche Arbeit auch gleiche Bezahlung erfolge. Das eigentliche Problem liege in den löchrigen Erwerbsbiografien vieler Frauen, gegen die man etwas tun könne und müsse.

Dem war Deligöz' auf simple Empörung gebaute Argumentationslinie nicht gewachsen, so dass sie nur noch zu sagen wusste: "Wenn es nicht so wäre, würden die Frauen doch nicht auf die Straße gehen. Sie fühlen einfach, dass es so ist!"

RE: Sektenquatsch und Eiermatsch | 29.03.2013 | 11:50

Es ist sicherlich zu viel verlangt, von einer Politikerin zu erwarten, dass sie sich hinstellt und sagt: "Ich habe im Moment keine Ahnung, wie dieses Problem gelöst werden soll." Wer das versucht (die Piraten waren anfangs ja so drauf) wird gnadenlos niedergebuht. Daher das wortreiche Schweigen.

Das ist jammerschade. Wir alle wissen aus unserem Alltag, dass Probleme nicht von jenen gelöst werden, die nach 0,2 Sekunden "Nachdenken" eine vermeintliche Lösung rausrotzen, sondern von denen, die zwar zunächst "Ei ei ei, das ist kompliziert!" rufen, dann aber die Ärmel hochkrempeln und etwas tun.

Hier geht es aber nicht um ein echtes, sondern um ein selbstfabriziertes Scheinproblem. Das passiert immer dann, wenn jemand den Kopf zu tief in Bibel & Co. steckt. "Garbage in, garbage out" ("Mist hineinstecken, Mist herausbekommen") sagt man in der Informatik.

Bisher erleben wir in Deutschland nur einen leichten Vorgeschmack auf das, was uns in Zukunft noch alles erwartet. Amerika ist wieder einmal deutlich weiter (wobei "The Onion" das satirisch zugespitzt hat. Ob es diesen Marsch wirklich gegeben hat, darf man bezweifeln.).

Mir ging es darum aufzuzeigen, dass "Die Grünen" als Exponenten einer verbreiteten Grundhaltung besonders wenig geeignet sind mit Anmaßungen religiöser Natur umzugehen, was sich im "Heute so, morgen so" ausdrückt.

Eine klare ethische Position, statt der Ausrichtung an der jeweils 'bedrohtesten' Minderheit (denn das ist KGEs Problem: diese zu identifizieren), findet man leider selten und noch leiderer am ehesten bei Politikern der C-Parteien, die man aus diversen anderen Gründen nicht wählen mag.

RE: Orgastische Potenz im 21. Jahrhundert | 22.03.2013 | 00:34

Ich schrieb:

Im Gegenteil, der Autor hat die "Pflicht" (er kann das Ziel natürlich verfehlen), auch dem Unvorgebildeten einen Gedankengang zu vermitteln. Da stelle ich mich jetzt mal ganz dumm und lese: ...

Diesen Absatz hast Du geflissentlich übersehen. Er muss ja nicht stimmen, doch Du greifst nicht das an, sondern forderst von mir (stellvertretend) eine Widerlegung Reichs. Das ist nicht die Aufgabe des Lesers. Er will einen Sachverhalt, eine Hypothese nachvollziehbar dargestellt bekommen, um sich dann eine Meinung dazu zu bilden.

Ich habe mit wenigen Worten umrissen, was bei mir angekommen ist und die (dann doch) mit "externem Wissen" zustande gekommene Meinung dargestellt. Wenn Dir meine Zusammenfassung zu schräg ist, nehmen wir doch einfach Deine (der Fettdruck im Artikel):

Täglich werden wir sexuell bombardiert. Diese marktschreierisch erregte und zur Schau gestellte sexuelle Dauerpotenz ist in Wahrheit das Gegenteil: massenhaft verbreitete orgastische Impotenz. Jeder kann angeblich sexuell tun, lesen, sehen, hören, kaufen, was er will.

Klare Anzeichen für "Orgastische Impotenz": 1 - 5

Klare Anzeichen für "Orgastische Potenz": 1 - 5

Eine organisierte Selbstbefreiung schließt ein Engagement für eine von Sozialpathologien gereinigte Gesellschaft mit ein: Selbstverwirklichung durch Selbststeuerung, Stärkung der Selbstverantwortung auf allen Ebenen. Wir brauchen eine Politisierung und Wiederentdeckung des Lebendigen.

Das ist nicht unabsichtlich kursiv gesetzt, denn es ist wahrhaftig schräg.

Selbstverwirklichung durch organisierte Selbstbefreiung? Politisierung des Lebendigen? Auf diesen schwarzen Schimmeln ist nicht Reich herbeigeritten, das warst Du ganz allein.

Ist schon die Brücke von sexualisierter Reklame zu trockenen Scheiden und "kalt erigierten" Penissen nur mühsam zu schlagen - die en passant erfolgte Gleichsetzung von "impotenten Orgasmen" mit Sozialpathologien und der Aufruf, organisiert und politisch dagegen anzugehen, ist ein Spagat, der wirklich wehtut im Schritt.

Annie Sprinkle hat etwas der heutigen Zeit viel Angemesseneres getan:

Aufklärung und zurückgehende Prüderie ist eine gute Sache, doch erst ein souveränes Körpergefühl erlaubt es, beide Reich'schen Skalen ohne Leistungsdruck und seelische Verkorksung anzunehmen (denn so ist das Leben: der Körper ist keine Maschine).

Und so hat sie den Sex ein wenig weiter "entzaubert" und die trotz aller Pornographie (die wirklich jeder als irreal erkennt, der nicht schon andere Probleme hat) noch vorhandenen Ängste dadurch ein bisschen gedämpft, dass sie den Gästen eines ihrer Vorträge am Ende einen tiefen Blick in ihre Vagina erlaubte: ein funktionales Körperteil, das nicht irgendetwas mit ihr macht, sondern mit dem sie etwas macht.

Der Weg geht nicht zur Vergesellschaftung des Privaten, sondern zur Stärkung des Individuums. Das ist durch Verklärung nicht zu schaffen.

So verstanden käme ich in Zukunft von meiner Palme wieder herunter.

RE: Orgastische Potenz im 21. Jahrhundert | 20.03.2013 | 22:33

und @sophia

Es wäre ein herkulisches Unterfangen, 135+ Posts rückwärts aufzurollen. Das lasse ich lieber, @reinhold2000 und wenige andere haben alles gesagt, was zu sagen war, und sind damit auf einigen Widerstand gestossen.

Ich habe auch nicht das Gefühl, ein Leser sei dem Autor Rechenschaft darüber schuldig, was er sonst noch gelesen habe. Leseempfehlungen sind natürlich immer willkommen.

Im Gegenteil, der Autor hat die "Pflicht" (er kann das Ziel natürlich verfehlen), auch dem Unvorgebildeten einen Gedankengang zu vermitteln. Da stelle ich mich jetzt mal ganz dumm und lese:

Es gibt orgastische Impotenz und orgastische Potenz. Für den Mann. Die Frau darf nur passiv mitmachen. Der Mann kann es allerdings auch verbocken. Erektion und Ejakulation. Nette Dreingabe, wenn die Frau feucht wird, ohne dafür zu schmutzig denken zu müssen. Ziel der gelungenen Übung und einzig "potent" ist der erfolgreich vollzogene Blümchensex vatikanischer Prägung.

Wenn selbst das scheitert, sind zu viele Titten auf Reklameplakaten daran schuld, weil die Lebensenergie (Definition?) wegen der ständigen Reize nicht richtig fliessen kann.

Seit 1927 ist sinnlos weitergeforscht und -gefickt worden, denn Reich hat damals den Stein der Weisen entdeckt. Das haben wir nur vergessen. Reich-Schüler dürfen aber weiterhin etwas zum Thema sagen. Danke.

...

Ich sage mal: Reich war Schüler der Freud'schen Hydraulik und hatte deshalb zu viele Rohre, Ventile und Hähne in dem geistigen Bild, das er sich von der Sache machte. Was die Frau angeht hat er sich nicht all zu weit von der damals noch diagnostizierbaren Hysterie entfernt, die der "orgastisch potente" Mann durch geschickte Selbstbeherrschung zu verhindern hatte, damit beide den bewusstseinserweiternden (Aua!) Moment des Orgasmus erleben konnten.

Meine Generation wurde durch Amendts "DaSeBu" richtig aufgeklärt (was immer das heissen mag) und kennt, sogar aus eigener Anschauung, viele Facetten der Sexualität ausserhalb der trauten Zweisamkeit des Ehebetts.

Mit dem Versuch eine halbesoterische Heimeligkeit als Richtschnur für das 21. Jahrhundert aufzuspannen kann sie sich deshalb nicht wirklich anfreunden. Jedenfalls nicht in Gestalt meiner Person.

RE: Orgastische Potenz im 21. Jahrhundert | 20.03.2013 | 00:33

Habt ihr mal darüber nachgedacht, wann Reich seine Studien unternommen hat?

Hundert Jahre später klingt das nicht nur, sondern ist so altbacken, dass es schon wieder lustig ist. Er hat für seine Zeit eine Menge herausgefunden und eine Menge eigener Prägungen und Gewißheiten überwunden, aus heutiger Sicht jedoch nicht allzu tief vordringen können. Ein Holzschnitt ist besser als gar kein Bild, zugegeben.

Man sucht in diesem Blog vergeblich nach Namen wie Kinsey, Hite oder gar Danneker, Amendt oder - huch - Sprinkle. Stattdessen wird munter spekuliert und aufeinander eingedroschen wie inzwischen in fast jedem Blog. Tut das Not?

Eine historische Betrachtung ist eine feine Sache. Die verbissene Extrapolation scharf an dem vorbei, was "sonst noch so war" hat jedoch etwas Quixoteskes. Der reine Freud, wenn der Kalauer erlaubt ist, ist auch keine reine Freude.