RE: Warum zweierlei Maß bei Russland und Ukraine? | 19.09.2016 | 15:53

Es ist immer wieder rührend, wenn beklagt wird, dass deutsche Medien mit zweierlei Maß messen. Tatsächlich messen sie sogar mit vielerlei Maß, und wer sich darüber wundert, hält den Westen immer noch für die Verkörperung des Guten, Wahren und Schönen und die deutschen Journalisten für die Hüter dieser edlen Eigenschaften.

Keinen Satz über Russland glaube ich einem westlichen Journalisten - ich halte alles für möglich und nichts für gewiss.

Da meine Sympatien für Putin ebenso gering ausgeprägt sind wie für Obama oder Merkel und mir die moralischen Grundsätze dieser Personen ähnlich zweifelhaft erscheinen, befinde ich mich in der bequemen Lage, die Handlungen und Auffassungen dieser Personen und ihrer Anhänger nicht verteidigen zu müssen.

Was juckt es mich also, was die deutsche Presse über Putin schreibt?

RE: Der Bürger als Meinungsmedium | 13.09.2016 | 10:04

Vielleicht ist ja eben das der Lohn für den meinungsbeitragenden Bürger: das Gefühl, das Richtige gesagt zu haben. Egal, zum wievielten Mal. Es ist (ihm) nie genug.

Das wäre in meinen Augen einen zu kärglicher Lohn. Zum einen kann ich gar nicht wissen, ob ich das "Richtige" gesagt habe - mein Gefühl kann mir darüber keine Auskunft geben. Zum anderen ist das Gesagte nicht viel wert, wenn sich niemand damit auseinandersetzt. Und ich glaube, gerade darin liegt der Lohn: Jemand greift meine Aussage auf und verwirft sie, nimmt sie an, vertieft sie oder entwickelt sie weiter.

RE: Gesundheitlich schwer angeschlagen? | 12.09.2016 | 13:27

Unabhängig von der politischen Bewertung frage ich mich da auch: Wie machtgeil (oder ruhmsüchtig) ist die denn? Ein einigermaßen normal verschalteter Mensch tut sich doch so etwas nicht an.

RE: Das Trauma bleibt | 11.09.2016 | 12:20

Treffend auf den Punkt gebracht. Es will und soll nicht verstanden werden, wer die wahren Adressaten der Anschläge waren. Augen schließen, das immer bewährte Verhalten nach tiefen Erschütterungen - auch hier wird es verdeckt durch Wut-Handeln zelebriert.

RE: "Der Flüchtling ist dran schuld" | 09.09.2016 | 19:45

Nicht mal die US-amerikanischer Präsidenten, haben viel zu melden, wenn es den kapitalistischen Interessen zuwider läuft. Dafür ist doch Obama ein herausragendes Beispiel. Seinen Vorschusslorbeeren als Friedensnobelpreisträger konnte er (u.a.) nicht gerecht werden. Und das lag sicher nicht daran, dass er das nicht gewollt hätte ...

Aber stimmt das denn? Ich vermute, Obama hätte mehr vermocht, wenn er tatsächlich gewollt und nicht bloß gewünscht hätte. Er war einfach nicht bereit, den Preis zu bezahlen, der für eine mutigere Politik fällig geworden wäre.

Die Politiker sind kapitalistischen Interessen nicht so machtlos ausgeliefert, wie wie sie es gerne darstellen. Sie streichen nur gern die Profite ein, die mit der Willfährigkeit gegenüber wirtschaftlichen Akteuren verbunden sind.

RE: Mythos „Merkels Flüchtlingspolitik“ | 08.09.2016 | 08:47

Weshalb sollte Merkel etwas ändern? Tatsächlich steht sie mittlerweile nicht mehr für die CDU, sondern nur noch für sich selbst. Sie kann ihre Gegner krakeelen lassen und nach den Wahlen mit einer Koalition aus CDU, SPD und Grünen weiter regieren.

Mein Eindruck ist, dass Merkel das ganze Parteiengezänk ordentlich auf den Senkel geht und sie sich mehr auf konkrete Personen besinnt, als sich die Sorgen der CDU über deren Bedeutungsverlust als Volkspartei zu eigen zu machen.

Merkel ist damit für mich die erste post-Parteien-Kanzlerin.

RE: „Tutuguri“ von Rihm und Artaud (Teil II) | 07.09.2016 | 10:21

Sie brauchen Neue Musik nicht zu verstehen - ihr bloßes Vorhandensein sagt ja nichts über ihren Wert aus und wem sie nichts sagt, dem geht auch nichts ab, wenn er sie ignoriert.

Ich denke, Musik sollte für sich selbst sprechen. Wenn man sie erst erklären muss, hat sie ihren Sinn schon verfehlt. Die Ausführungen der Komponisten mögen interesssantes über die Entstehung eines Werkes verraten, für die Rezeption des Werkes selbst sind sie in meinen Augen überflüssig, ja manchmal behindern sie diese sogar.

Rihm schätze ich sehr - was er von Werkkommentaren hält, findet man im Booklet einer CD mit der Musik für Oboe und Orchester. Hier ein Auszug: "Mein Stück ist sehr schön. Ich habe es selbst komponiert. Ich bin klug." Zur Analyse: "Das Stück beginnt bereits am Anfang." Und so geht es munter weiter.

Hören Sie sich auch unbedingt Alfred Schnittke an, falls Sie ihn noch nicht kennen!

RE: Die drei schrecklichen S | 06.09.2016 | 17:12

Die wollen die ganze CDU wieder nach rechts bringen.

Dann würden der CDU aber die Koalitionspartner ausgehen, will sie nicht die Afd als solchen adeln und damit Gefahr laufen, irgenwann deren Juniorpartner zu werden.

RE: Die drei schrecklichen S | 06.09.2016 | 16:24

Bei Seehofer ist das schon klar. Der will Merkel weg, weg, weg haben.

Seehofer ist nicht so dumm, wie ihn die Flachländer gerne hinstellen. Die Bayern pflegen neben ihrem Dialekt eine nicht minder ausgeprägte Dialektik. Merkel ist dem Seehofer so unrecht nicht, kann er doch an ihr sein Profil schärfen. Den meisten Bayern geht der Rest der Republik ziemlich am A**** vorbei. Eigentlich würde man lieber mit Russland Geschäfte machen, als sich mit der moralinsauren Politik der Berliner Leichtmatrosen zu beschäftigen.

RE: Politik ist Kontaktsport | 05.09.2016 | 17:02

Diese Stimmen werden nicht von der CDU kommen, denn die teilt nicht gerne. Für wahrscheinlicher halte ich es, dass CDUSPDGRÜNE & Leitmedien eine hemmungslose Diffamierungskampagne gegen die unliebsame Konkurrenz fahren werden.

Wir werden also viel "engagierten" Journalismus im Dienste der marktkonformen Demokratie erleben. Was wir nicht erleben werden sind Analysen, die die Trugbilder der neoliberalen Vorzeige-Demokraten stören könnten.

Wohin das letzlich führt, ist noch lange nicht ausgemacht.