Angehörige sollen im Heim selber putzen

Pflegeleistung. Um Kosten in der stationären Pflege zu sparen, sollen in Zukunft die Angehörigen das Essen reichen und die Zimmer reinigen. So die Idee des CDU-Politikers Erwin Rüddel.
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Sich als Politiker zu einem Thema zu äußern, muss nicht gleichzeitig damit einhergehen von der Sache an sich auch etwas zu verstehen. Es reicht vielfach einfach eine Meinung zu haben, um in den Medien namentlich erwähnt zu werden.

Worum geht es? Der CDU-Politiker Erwin Rüddel, Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Bundestag sowie von 1993 – 2009 Geschäftsführer der Senioren-Residenz Bad Arolsen GmbH, war in einem Interview des Deutschlandfunks am 14.03.2019 zu Recht der Auffassung, dass die Eigenanteile bei der stationären Pflege zu hoch wären. Ein Teil der Lösung wäre, dies durch höhere Steuerzuschüsse zu ändern.

Ergänzend schlug er vor, dass Angehörige sich im Pflegeheim an der Pflege selbst aktiv beteiligen könnten, um Kosten zu sparen. Hauswirtschaftliche Leistungen wie Essenreichung und Reinigung der Zimmer könnten seines Erachtens von diesen übernommen werden. Angehörige könnten also die Mahlzeiten von zu Hause den Pflegebedürftigen ins Heim bringen und Badezimmer und Fußböden des Krankenzimmers reinigen.

Rechtliche Vorschriften in Deutschland scheinen bei unserem "Gesundheitsexperten" keine große Rolle zu spielen. Jede Pflegehelferin weiß, dass das SGB XI klare Vorgaben zur Qualitätssicherung beinhaltet. Wieviel Flüssigkeit ein Pflegebedürftiger zu sich nimmt und welche Medikamente bei multimodalen Erkrankungen zu welchen Mahlzeiten eingenommen werden müssen, ist lückenlos zu dokumentieren und zu überwachen.

Ein deutscher Politiker schlägt also Pflege nach Standard von ärmsten Entwicklungsländern wie Bangladesch vor. Dort sind derartige Verhältnisse im Krankheits- und Pflegewesen üblich.

Geht aber auch in Europa. Man kann das gleich "um die Ecke" liegende Griechenland nennen. Da wurden und werden Patienten in Krankenhäusern von ihren Angehörigen gepflegt und sogar mit mitgebrachtem Verbandsmaterial und Medikamenten versorgt. Alles nur weil der Staat zugunsten von Banken und Berufsreichen massiv sparen muss.

Warum "die Politiker" und "die Politik" so einen miserablen Ruf haben, braucht niemanden mehr verwundern.

Quellen:

https://www.deutschlandfunk.de/pflegeversicherung-wir-muessen-die-eigenanteile-deckeln.694.de.html?dram:article_id=443600

https://erwin-rueddel.de/

19:08 24.03.2019
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Geschrieben von

Ute Behrens

Als Vorsitzende der Partei INI146 setze ich mich für ein gemeinwohlorientiertes Gesellschaftsmodell ein, das den Digitalkapitalismus infrage stellt.
Ute Behrens

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