Der Anti-Utopist

Literatur Rassismus, Misogynie, Zionismus, Islamfeindlichkeit: Michel Houellebecq ist umstritten – nicht ohne Grund. Doch wer seinen Vorhersagen Wahrheitswert zuspricht, verkennt den echten Kern
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 02/2022

Es ist keine Kunst, über Michel Houellebecq vom Leder zu ziehen. Seine Romane lassen sich mit leichter Hand etikettieren mit den Schlüsselwörtern unserer Zeit: Rassismus, Misogynie, Zionismus, Islamfeindlichkeit. Auch der neue Roman des dunklen Sterns der französischen Literatur wird auf Twitter bereits zur widerwärtigen Logorrhö eines erschlafften Apokalyptikers gestempelt. Vernichten (Dumont) sei eine „Rückversicherung für frauenfeindliche alte, weiße Männer, die keinen mehr hochkriegen“, Houellebecq, der „offizielle Rassist der Macronie“. Spekuliert wird sogar darüber, ob er in das Amt des Kulturministers katapultiert werden solle. „Houellebecq for president“ lauten dagegen die Schlachtrufe seiner