THIS IS THE CENTRAL SCRUTINIZER!

Sexuelle Gewalt Raus aus den Gewalt-Fallen!
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Das hätte ich nun wahrlich nicht gedacht, dass ich mich eines Tages zum Central Scrutinizer aufschwingen würde. Akribisch durchforste ich das Netz nach postfaktischem Wirrwarr, Gefühlsduselei und zweckutilitaristischer Propaganda.

Fündig werde ich vor allem bei Schreibtischwohltätern (SWTs), die sich Objektivität in fetten Lettern auf die Fahne geschrieben haben. Mit erhobenem Zeigefinger warnen die SWTs vor einem Ideengemenge, das kuriose Blüten treiben und das eigene Weltbild erschüttern könnte. Statistiken sind auf ihrer FB-Wall mindestens genauso verpönt wie Erfahrungswerte und Paragraphen.

„Schämen Sie sich!“ (Der Schreibtischwohltäter)

Von anderen Meinungen ganz zu schweigen. Streitbaren Geistern wird gerne einmal „Schämen Sie sich!“ entgegengeschleudert. Andere SWTs wiederum relativieren, ohne sich des Relativismus bewusst zu sein. So wird der Kampfbegriff „Gewalt gegen Frauen“ Fakten übergestülpt, um sich nicht mit brutalen Veränderungen unseres Alltags auseinandersetzen zu müssen.

Die Berichterstattung über die Vergewaltigung und Tötung der neunzehnjährigen Studentin in Freiburg ist ein Exempel manipulativer Instrumentalisierung von links und rechts. Die einen beklagen den Unterschleif von Fakten und Tätermerkmalen, die anderen nehmen die täglichen Opfer männlicher Gewalt unabhängig von Ethnien und Tatumständen ins Visier. Die Schreibtischwohltäter in eigener Sache vergessen dabei, dass wir mit einer Herausforderung konfrontiert sind, die sich Prävention nennt. Gewalt verhindern können wir nur, wenn wir einen unverstellten Blick auf die Wirklichkeit werfen und Sachverhalte ungeschönt analysieren. Dafür muss man sich befreien von parteipolitischen Affinitäten und narzisstischen Love me or leave me-Anwandlungen. Ansonsten läuft man Gefahr, in die zwei Hauptfallen der Berichterstattung über sexuelle Gewalt zu tappen.

Falle Nummer 1: Gewalt-Totalitarismus

So löblich es auch sein mag, auf grundsätzliche Makel unserer Gesellschaft hinzuweisen, so kritikwürdig ist die Beschränkung auf die Subsumtion durch Oberbegriffe. Die Gegner einer differenzierten Berichterstattung, die auch Täterprovenienz und kulturelle Faktoren nicht außer Acht lässt, landen unweigerlich in der Totalitarismus-Falle. In der in den Achtzigerjahren ausgefochtenen Totalitarismus-Debatte ging es vor allem darum, ob man Nationalsozialismus und Stalinismus mit dem Begriff des Totalitarismus ausreichend erfassen könne. Konservative Historiker wie Ernst Nolte plädierten dafür, linke Theoretiker wie Habermas stellten sich entschieden dagegen mit dem Hauptargument der Relativierung des Holocausts. Um so erstaunlicher ist es, dass aufgeklärte, sich eher links verstehende Journalisten zu einer Begriffsunschärfe tendieren, die Opfern nicht zur Hilfe gereichen. Sexuelle Gewalt gibt es doch immer und überall und überhaupt tut es doch nichts zur Sache, wie und wodurch sich die Täter unterscheiden. Im Ernst?

Bei jedem simplen Strafprozess spielt die Historie des Täters eine tragende Rolle. Die Umstände einer Tat werden skrupulös analysiert. Warum bezüglich eines gesellschaftlichen Umbruchs durch Migration gerade darauf verzichtet werden soll, ist mehr als fragwürdig. „Gewalt ist Gewalt“ ist eine Aussage, die an Trivialität kaum zu übertreffen ist. Wir befinden uns in einer Wandlungsphase der Gesellschaft, in der eine neue Form von Gewalt gegenüber Frauen auftritt, eine archaische Form, die sich als Übergriff gegenüber Frauen im öffentlichen Raum äußert. Die meisten Fälle sexueller Nötigungen finden im sogenannten Nahraum statt, d.h. Täter und Opfer kennen sich. Derzeit sind wir jedoch mit tätlichen Angriffen im öffentlichen Raum konfrontiert. Frauen werden als Beute betrachtet, die man sich immer und überall greifen kann!

Statt sich am kleinsten gemeinsamen Nenner zu laben, sollten Handlungsmotive herausgearbeitet werden und der Gedanke, dass wir es mit einer neuen, für unsere Gesellschaft, und unsere Grundwerte spezifischen Form der Gewalt zu tun haben, ins Blickfeld rücken. Konkret: Gemäß den Statistiken des Bundeskriminalamtes von 2015 besaßen 72% der in gewaltbezogenen Partnerschaftsdelikten involvierten Tatverdächtigen einen deutschen Pass. Daraus folgert Margarete Stokowski auf SPON, dass „das Problem kein Flüchtlingsproblem“ ist. In der Tat sind 28% der Träger eines ausländischen Passes sicherlich nicht nur Flüchtlinge, sondern eben Nicht-Inhaber eines deutschen Passes.

Daraus aber die Konklusion zu ziehen, dass das Gewaltproblem ein gesamtgesellschaftliches, kulturunabhängiges Phänomen ist, beruht auf einer Milchmädchenrechnung. Berechnet man den Anteil der für Straftaten verantwortlichen Nicht-Inhaber eines deutschen Passes an der Gesamtbevölkerung, ist der nämlich erstaunlich hoch. Circa fünf Prozent der Gesamtbevölkerung wären demnach für ein Viertel der Gewaltdelikte gegen Frauen verantwortlich. Dieses Rechenexempel mag vielen sauer aufstoßen, nicht weil es die Unzulänglichkeiten unserer Integrationspolitik offenbart, sondern weil es faktisch, numerisch, klar ist. Vor ein paar Jahrzehnten ging man noch selbstverständlicher mit Zahlen um. In einer Spiegel-Ausgabe des Jahres 1964 heißt es: „Die Pariser Polizei sah sich bald vor der Aufgabe, mit einer Kolonie von 200 000 Algeriern fertig zu werden, die zwar nur drei Prozent der hauptstädtischen Bevölkerung ausmacht, auf deren Konto jedoch im vergangenen Jahr

– 32 Prozent der Morde,

– 39 Prozent der Autodiebstähle und

– 58 Prozent der Diebstähle mit Schußwaffengebrauch gingen.“

Diese Zahlen würde man heute nicht anzuführen wagen, wenn man für ein bildungselite-kompatibles Medium schreibt.

Durch diese Selbstzensur verbaut sich unsere Gesellschaft jedoch die Chance auf freiheitlich-gleichheitlich-brüderlich-schwesterliche Weiterentwicklung. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das islamische Personenstandsrecht unserem Rechtssystem widerspricht, dass Vergewaltigung in muslimischen Familien oftmals nicht zur Anzeige kommt, weil sie als Tatbestand im islamischen Familienrecht nicht existiert. Der Forderung, islamischem Familienrecht Geltung zu verschaffen in einer Demokratie, in der sich Frauen mühsam die Anerkennung des Tatbestands der Vergewaltigung in der Ehe erkämpft haben, verweigere ich mich entschieden.

Ob grün, ob braun, ob rot – die Grundrechte schmiert der Central Scrutinizer allen aufs Brot!

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2) Siebziger-Falle

Der Appell, nicht alle Männer über einen Kamm zu scheren und erst einmal die politisch-ökonomischen Missstände ins Auge zu fassen, führt uns ganz nah an den Siebziger-Jahre-Free Love-Pädophilen-Abgrund. Anstatt die Sozialisierung männlicher Zuwanderer zu hinterfragen und Hilfsangebote zum respektvollen, auf unseren Grundrechten basierenden Umgang mit Frauen zu entwickeln, wird wieder einmal die sozioökonomische Misere über das Recht auf Unversehrtheit der Frau gestellt. Hier zitiert der Central Scrutinizer ausnahmsweise sogar Alice Schwarzer: „Pädophilie wird auch in der Boulevardpresse zunehmend salonfähig und als Kavaliersdelikt behandelt. Siehe Polanski… Und in Spiegel, Stern oder Quick ist sie längst ebenso ein Thema wie in TAZ oder Pflasterstrand. Wobei die Diskussion am parolenhaftesten, ja demagogischsten bisher in der linken Szene geführt wurde.“ (EMMA April/1980 „Wie frei macht Pädophilie?“. Does that ring a bell?

Sexuelle Gewalt wird ähnlich wie in den Siebzigern dem Ausleben der Bedürfnisse, der Freiheit, dem Schutz soziokultureller Besonderheiten untergeordnet. Das geht sogar so weit, dass Opfer tätlicher Übergriffe ethnische Tatsachen verschweigen, um nicht in den Ruch des Rassismus zu geraten, dass Kinderehen gerechtfertigt werden mit dem Argument, dass die Mädchen auf der Flucht vor Übergriffen geschützt seien oder noch perfider, dass Liebe vor Recht gehe. Der Central Scrutinizer könnte kotzen, aber er ruft sich selbst zur Disziplin und appelliert an die Politiker, entschieden gegen die Etablierung von Scharia-Gerichten und die Toleranz gegenüber einer zum Rechtssystem parallel existierenden Gerichtsbarkeit vorzugehen.

Wohin eine Politik der Nichteinmischung führt, zeigt sich bei der Genitalverstümmelung. Erst nach Jahrzehnten versucht die Bundesregierung dem unterirdischen Leiden ein Ende zu bereiten, indem mit Passentzug für die Begleitpersonen auf Beschneidungs-Trip gedroht wird. Vor fast zwanzig Jahren habe ich erfolglos in einer internationalen Organisation für das Ende der zerstörerischen Praxis der Exzision gekämpft. Es ist eine Grundkonstante politischen Handelns, weibliche Sexualität auf die untere Skala politischen Handelns zu verbannen. Auch hier heißt es: Augen auf! Machen wir nicht die gleichen Fehler wie damals! Lernen wir aus dem französischen Malheur der Parallelgesellschaften und kämpfen wir für unsere freiheitlich-feministischen Errungenschaften!

„This is the CENTRAL SCRUTINIZER… it is my responsibility to enforce all the laws that haven’t been passed yet.“ Frei von Ironie, frei von Schönfärberei, frei von Links-Rechts-Bullshit! Only Zappa möge mir verzeihen!

17:24 24.09.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Ute Cohen

"Intelligenz lähmt, schwächt, hindert?: Ihr werd't Euch wundern!: Scharf wie'n Terrier macht se!!" Arno Schmidt
Ute Cohen

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