Die Linden von Walbeck (Folge 1)

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Der Name Walbeck führt in
die Irre. Man vermutet diesen Ort ganz woanders, mehr nördlich, in Holstein zum
Beispiel. Dabei liegt Walbeck im Mansfeldischen, wo die Ortsnamen eher mit
hausen, rode und born zu tun haben. Aber Walbeck? Nun ja, Walbeck übersieht man
leicht. Wer nicht aufpasst, ist auf der Umgehungsstrasse husch daran vorbei
gefahren. Der Blick bleibt zuerst an den wolllüstig hingestreckten Erhebungen
der Landschaft hängen und dann, in der Kurve, fällt er auf Walbeck. Und man fragt
sich etwas beiläufig, was die Menschen hier so täglich treiben und dabei noch ihre
schmucken Häuschen bauen.


Am Ortsausgang von Walbeck liegt
der Friedhof. Kommt man aus der anderen Richtung, liegt der Friedhof am
Ortseingang. Man kann es sich aussuchen. Jedenfalls hat der Friedhof eine
Mauer, wie die meisten Gottesacker hier in dieser Gegend, zumindest an einer
Seite. Das macht ein wenig Stille. Die Mauer am Friedhof von Walbeck ist so
eine halbhohe, geht also bis zur Schulter. Wenn Trauerfeier ist, und man wartet
schon, kann man Köpfe sehen. Die kommen vom nahen Parkplatz hinter der Mauer
entlang auf den Friedhof zu. Die Köpfe werden die Trauergemeinde sein. Wenn man
rechtzeitig da ist, kann man alle Köpfe sehen, die Hastigen und die Verweinten
und die Verpflichteten und die Hinterbliebenen. Manchmal sieht man nur einen
Hut kommen.



14:04 19.02.2009
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Geschrieben von

utrolle

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