„Wenn ein April-Scherz ernst macht“

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Wenn ein April-Scherz ernst macht

oder: Wie Medien ernsthaft funktionieren.

„Bundesweiter Aprilscherz: E-Mail-Porto eine reine Erfindung der Radiobranche

Radiozentrale initiiert die bislang größte gemeinsame Programmaktion öffentlich-rechtlicher und privater Stationen

57 Radiosender haben am ersten April 2010 ihre Hörer gemeinsam in den April geschickt. Mit dem bundesweiten Aprilscherz zur künftigen Portopflicht für E-Mails ging die bisher größte gemeinsame Programmaktion öffentlich-rechtlicher und privater Stationen in der Geschichte des deutschen Radios on air.
An den Frühstückstischen und in den Büros dominierte heute ein Thema: das anstehende E-Mail-Porto. Wieviele elektronische Mails verschicke ich eigentlich im Schnitt? Was kostet das im Monat? Lohnt sich eine Flatrate? April, April: Sie waren „Opfer“ der äußerst glaubwürdigen Aprilscherz-Aktion der Radiobranche geworden, die von den Morningshows an bis um zwölf Uhr in allen Bundesländern zu hören war.“

so meldet inzwischen www.radiozentrale.de/site/789.0.html

Für die Güte dieses e-mail- April-Scherzes ist völlig uninteressant, wie viele Leute auch immer auf diesen organisierten "Scherz" hereingefallen sind oder auch nicht.

Er war ganz einfach deshalb schlecht, da es kein Scherz war, sondern nur eine, aber eben wohl organisierte und ernstgemeinte PR-Maßnahme, um Hörer zu binden und sie auf gewisse Webseiten mit der entsprechenden Werbung zu leiten, bzw., noch wichtiger, Reichweitenmessungen durchzuführen, was offensichtlich auch mit Erfolg geschehen ist:

"Innerhalb von nur sechs Stunden konnten mit der Aktion „E-Mail-Porto“ rund 600.000 Seitenzugriffe (Page Impressions) und 140.000 Besucher (Unique Visits) auf der Aktions-Website eingesammelt werden. Ein einziger Vormittag reichte aus, um jeden dritten Deutschen ab zehn Jahren via Radio mit der April-Idee bekannt zu machen. Mit der Aktion bündelten die Initiatoren 61 Prozent der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49jährigen (Basis: ma 2010 I)." (a.a.O.)

Selbstentlarvender geht es gar nicht.

Der hessische Rundfunk "HR", den ich regional bedingt höre, sollte sich sowieso in "Hessisches Reisebüro" umbenennen, denn einmal geht´s eine Woche lang in die Karibik, als Preis in einem Ratespiel, daß eine Woche lang täglich mehrstündiges Radiohören erfordert, um überhaupt eine Chance zu haben, zu gewinnen, dann mit einem schlechten Scherz in die Gewinnzone, nicht für die Hörer, sondern für die angeschlossenen Firmen und Dienstleister.

Radio geht anders.

00:38 03.04.2010
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Geschrieben von

Uwe Theel

Profilscheinwerfer stellen durch Einsatz eines Doppellinsensystemes den Projektionsbereich scharf. Die Abgrenzung zu den Dunkelbereichen ist präzise.
Uwe Theel

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