Die tausend Herbste des Jacob de Zoet

Eine Buchbesprechung Am 18.10. d.J. schrieb ich hier eine Empfehlung zu diesem Buch. https://www.freitag.de/autoren/vaustein/eine-buchempfehlung Heute geh ich nochmal kurz darauf ein.
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Bei Spiegel-online fand ich heute einen Artikel über den Autor David Mitchell und sein Buch.

Klaus Brinkbäumer, der diesen Artikel schrieb, ist einer der beiden stellvertretenden Chefredakteure des deutschen Nachrichtenmagazins Der Spiegel.

Aber ganz offensichtlich ist er auch Sprachliebhaber. Sein Beitrag zu David Mitchells Buch ist aus 2 Gründen lesenswert.

1. Weil er allerhand Hintergrundwissen über den Autor vermittelt und

2. Weil er den Inhalt so beschreibt, dass man neugierig wird, es selbst zu lesen.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-87997218.html

Ein Auszug:

"1799 ist Japan ein abgeschlossenes Reich der Shogune und des Aberglaubens, des Stolzes, der Rituale. Und die Niederländer unterhalten vor Nagasaki eine Handelsstation auf einem künstlichen Inselchen namens Dejima, nicht viel mehr als eine Gasse, ein paar Häuser, Lagerhallen. Die Japaner dürfen Japan nicht verlassen, auch Dejima nicht betreten, ausgenommen sind Dolmetscher, die bei den vertraglich festzuschreibenden Kupfermengen gern eine Null vergessen, ausgenommen sind auch Kurtisanen, die schüchtern auf dem Bett sitzen und staunen, wenn die behaarten, dicken Holländer danach nackt aufs Dach klettern, furzen, Bier trinken, anderen Holländern begegnen und einander Vögelgeschichten erzählen.

Diese Niederländer dürfen Dejima nicht verlassen, sie sind Gefangene, die auf Reichtum hoffen. Und Jacob de Zoet hat sich für fünf Jahre als Buchhalter und Kämpfer gegen alles Korrupte verpflichtet, um hinterher in der Heimat die hoffentlich bis dahin wartende Geliebte ehelichen zu dürfen. Eines seiner Probleme ist, dass auf Dejima niemand nicht korrupt ist, ein anderes ist die Liebe. Er verliebt sich in die Hebamme Orito, Retterin eines bedeutenden Babys und mit geringen Freiheiten belohnt, für manche (aber nicht für Jacob) verunstaltet durch eine Narbe, Tochter eines Samurai. Für die meisten Niederländer auf Dejima bedeutet Liebe, dass sie vorher bar zahlen und hinterher einen Tripper haben. Die Liebe ist kompliziert, wenn Liebende einander nicht sehen dürfen; sie kann aber selbst auf Dejima recht lustig sein. "Herr de Zoet will seinen Rettich buttern?", fragt der Dolmetscher, dem der Vokabellehrer einen Streich gespielt hat."

Es ist dies ein Buch, das ausgesprochen lesenswert ist, glänzend recherchiert, glänzend erzählt und erstklassig übersetzt.

15:34 06.12.2012
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Geschrieben von

Vaustein

Politik; Geschichte, Musik aller Richtungen von Telemann bis Garbarek, Tomatenzucht und Kochen, Brotbacken und Rezepte erfinden.
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