Sektion VI, Abteilung 6/6

ÖSTERREICH Tierarzt Haupt macht sich mit einer neu eingerichteeten "Männerabteilung" für benachteiligte Männer stark

Österreich hat seit Februar 2000 keine Frauenministerin mehr, dafür seit Oktober einen Sozialminister, der für Frauenangelegenheiten zuständig ist. Der gelernte Tierarzt Herbert Haupt wurde zu Beginn ironisch als "Herr Frauenministerin" tituliert. Herr Männerminister wäre treffender gewesen. Für eine rechtskonservative Koalition, die Frauenpolitik in erster Linie als Familienpolitik versteht, ist die Berufung eines Mannes zum Frauenminister nur konsequent. Wie sagte es das einfache FPÖ-Parteimitglied Jörg Haider einmal so schön: "Die Frau hat von ihrer biologischen Struktur das Bedürfnis, sich vorrangig ihren Kindern zu widmen." Und ÖVP-Generalsekrtärin Maria Rauch-Kallat meinte erst unlängst beim Österreichischen Journalistinnenkongreß, der linke Feminismus sei gescheitert, und es gehe nun darum, gerne Frau zu sein - bestimmt das probate Mittel, der Einkommensschere zwischen Männern und Frauen beizukommen.

Minister Herbert Haupt, der sich in erster Linie um die österreichischen Kühe und die Qualität österreichischen Rindfleischs sorgt, nimmt sich ansonsten vor allem der Bedürfnisse emanzipationsgeplagter Männer an. So ist er zutiefst bestürzt darüber, dass Männer nicht in den Entscheidungsprozess eingebunden seien, wenn sich eine Frau dazu entschließt, eine Schwangerschaft abzubrechen: "Eine Abtreibung sollte nicht die alleinige Entscheidung der Frau sein."

Neuester Vorstoß des Ministers in punkto Männerpolitik: Die Einrichtung einer männerpolitischen Grundsatzabteilung. Eine Frauenabteilung, so die Begründung, gebe es bereits und Emanzipation könne nicht heißen, sich nur um ein Geschlecht Gedanken zu machen. Zwar verdienen in Österreich Frauen immer noch ein Drittel weniger als Männer; zwar sind über 50 Prozent der StudienanfängerInnen Frauen, aber gibt es nur 3 Prozent ProfessorInnen; zwar wird in Österreich jede zweite Woche eine Frau von ihrem Partner umgebracht, in Wien wurden vergangenes Jahr nach dem Gewaltschutzgesetz 900 Männer der ehelichen Wohnung verwiesen und die Anzahl der Wegweisungen nimmt insgesamt zu: Eine Männergrundsatzabteilung hätte also durchaus zu tun, wenn sie sich mit den Männern als Täter im Patriarchat auseinandersetzen wollte.

Das jedoch hat Minister Haupt nicht im Sinn. Anlaß für die Einrichtung einer Männerabteilung war für ihn, dass sich immer mehr Männer bei der Gleichbehandlungsawaltschaft beschweren - die übrigens offiziell keine Stellung zur Männerabteilung beziehen darf. 1999 wandten sich 145 Männer und 627 Frauen an die Gleichbehandlungsanwaltschaft. "Es ist evident, dass immer mehr Männer Diskriminierung wie Mobbing am Arbeitsplatz ins Treffen führen", sagt Haupt. Ein Mann beschwerte sich, weil eine Fluglinie nur Frauen aufnimmt. Ein anderer beklagte, dass er von acht Frauen zu Unrecht der sexuellen Belästigung beschuldigt worden sei.

Auch ÖVP-Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat sieht deshalb Handlungsbedarf: "Ich sehe den Druck, der auf Männer ausgeübt wird." Und FPÖ-Landesrätin Ursula Haubner ist der Meinung, Männer bräuchten Anlaufstellen für ihre Probleme. "Etwa Männer, die Alkoholprobleme haben, Männer, die in der Partnerschaft scheitern." Die FPÖ-Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer meint, man solle "jetzt nicht so tun, als hätte ein Geschlecht das Paradies auf Erden und das andere nur Probleme".

Man sollte aber auch nicht so tun, als ob Männer in Gefahr sind, von Frauen unterdrückt zu werden. So fragt sich die ehemalige SPÖ-Frauenministerin Barbara Prammer, von wem sich die Männer gemobbt fühlen: "Von der Sekretärin, die den Kaffee plötzlich ohne Zucker bringt?" Nicht originell findet auch die Grüne Frauensprecherin Madleine Petrovic die Idee einer Männerabteilung: Sie konstatiert "männerbündisches Gejeiere", zudem sei die Gleichbehandlungsanwaltschaft für beide Geschlechter zuständig.

Bereits im Juni soll die Männerabteilung mit vollen Ressourcen arbeiten. Es handelt sich also kaum um einen Faschings- oder einen verfrühten Aprilscherz. Auch wenn das manche wegen des Namens der Abteilung - "Sektion VI, Abteilung 6/6" - noch immer glauben wollen.

Verena Fabris ist Redakteurin des feministischen Magazins an.schläge in Wien.

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